Stellvertretender Premier: Ausländer können das Geschehen in der Türkei nicht verstehen

Während des G-20-Treffens im australischen Sydney hat der stellvertretende türkische Premier Ali Babacan zugesichert, mehr Transparenz in die wirtschaftlichen Ereignisse in der Türkei zu bringen und bei Ausländern für Aufklärung zu sorgen. Doch nicht nur die Türkei habe Arbeit vor sich. Insgesamt sollten sich die Industrienationen darum bemühen, ihre Abhängigkeit von der Geldpolitik der Notenbanken zu reduzieren.

Ausländer, die sich derzeit mit den Ereignissen in der Türkei befassen, durchleben schwierige Zeiten. Denn Außenstehenden ist es kaum möglich, diese völlig zu begreifen, so der stellvertretende Ministerpräsident Ali Babacan am Rande des G-20-Treffens in Sydney. Um Aufklärung sei man jedoch bemüht, schon allein, um weiter ausländisches Kapital ins Land zu ziehen.

„Wir versuchen [Ausländern] die Entwicklungen sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik zu erklären“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Babacan mit Blick auf den Korruptionsskandal. „Natürlich ist das aus der Ferne betrachtet nicht leicht zu verstehen, was da vor sich geht. Die politischen Entwicklungen in der Türkei sind sehr eigen – und nicht mit denen in anderen Ländern vergleichbar.“

Die Wahrnehmung derer, die von außen auf das Land blickten, und das Geschehen nur über die internationalen Medien verfolgten, sei äußerst negativ. Trotz der Schwierigkeiten würden jedoch viele Investoren weiterhin langfristige Investitionen in der Türkei durchzuführen. Was er nicht erwähnt: In den vergangenen zwei Jahren gibt es jedoch einen deutlichen Abwärtstrend (mehr hier).

Babacan: Finanzhaushalte in Ordnung bringen

Nach Ansicht von Babacan sollten die Industrieländer unter den G-20-Staaten ihren Finanzhaushalt in Ordnung bringen und ihre Abhängigkeit von einer Unterstützung ihrer Wirtschaft durch die Geldpolitik der Notenbanken verringern. Nach Einschätzung der FED ist es jedoch gerade die Türkei, die derzeit am anfälligsten unter den Schwellenländern ist (mehr hier). Vielmehr müssten sich die entwickelten Volkswirtschaften daran erinnern, dass „wir alle im gleichen Boot sitzen“ und dass der Schlüssel zur Wiederherstellung einer globalen Finanzstabilität gemeinsames Handeln sei.

Erst am 28. Januar überraschte die türkische Zentralbank die Investoren, als sie sich mit einer Reihe überraschend aggressiver Zinserhöhungen gegen den Verfall der Landeswährung gestemmt hatte. „Auf ihrer Dringlichkeitssitzung hat die Zentralbank ihren einwöchigen Repo-Zins, den sie selbst als Leitzins bezeichnet und der den Preis für die Kreditaufnahme der Geschäftsbanken darstellt, von 4,5 Prozent auf 10 Prozent mehr als verdoppelt“, berichtete das Wall Street Journal. Zuvor war die Lira von einem Tief ins nächste gestürzt (mehr hier). Erst in dieser Woche erklärte die Zentralbank, dass sie durchschnittliche Finanzierungskosten erwarte. In absehbarer Zeit solle es daher keine weiteren Zinsbewegungen geben.

Schwellen- und Industrieländer schieben sich schwarzen Peter zu

Mitte 2013 kündigte die US-Notenbank an, ihre Geldflut reduzieren zu wollen. Die Börse reagierte auf diese Aussage mit einem Schock. Die Kurse stürzten weltweit ab (mehr hier). Die Ankündigungen schürten weltweit Sorgen über mögliche destabilisierende Verschiebungen des internationalen Geldflusses. Die Erhöhung der Langfristzinsen als Folge der Erwartungen geringerer Anleihenkäufe führte schließlich zu drastischen Kapitalabflüssen und Zinserhöhungen aus Schwellenländern wie Indien oder auch der Türkei. Die Kapitalflucht aus dem türkischen Markt hatte sich durch die Mitte Dezember öffentlich gewordene Korruptionsaffäre weiter verschärft.

Die Geldpolitik der USA ist auch während des am Samstag gestarteten Treffens in Sydney  Top-Thema. Auf Kuschelkurs gehen Schwellenländer und Industrienationen in Australien nicht. Sie schieben sich gegenseitig die Schuld für den Verfall ihrer Währungen und die schwierige Lage einiger Wachstumsmärkte zu. Derweil warnen Experten: Durch eine Überregulierung der Märkte, drohe eine neue Finanzkrise.

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