Zu trockener Winter: Sorge um steigende Energie- und Lebensmittelpreise wächst

Die Türkei hat derzeit mit einem viel zu warmen und viel zu trockenen Klima zu kämpfen. Die sich abzeichnenden Konsequenzen sind enorm. Betroffen sind nicht nur die Bauern, die um ihre Ernte fürchten. Auch der Energie- und Tourismussektor wird die Folgen tragen müssen.

Während Deutschland auf Schnee wartet, hofften die Bewohner in vielen Gegenden der Türkei in den vergangenen Wochen nur auf eines: Regen. Hohe Temperaturen und anhaltende Trockenheit schüren derzeit Ängste, dass sich die Situation auf die landwirtschaftliche Produktion und letztlich auch auf die Energiepreise auswirken könnte. Vor allem West- und Zentralanatolien erlebte einen der trockensten Winter seit Jahren.

Die Wasserstände in Staudämmen und die gemessene Luftfeuchtigkeit sind auf alarmierende Werte gesunken. Die Temperaturen liegen in der Türkei derzeit zehn Grad über dem eigentlichen Durchschnitt. Auf der anderen Seite bleiben Regen und Schneefall  weit unter den saisonalen Durchschnittswerten, so die türkische Zeitung Hürriyet.

Viel zu warm und viel zu trocken

Das Blatt beruft sich auf Daten der türkischen Generaldirektion für Meteorolgie. Der zufolge betrug die durchschnittliche Niederschlagsmenge in der Zeit von Oktober bis Januar 222 Millimeter. Das sind immerhin 27 Prozent unter dem saisonalen Norm. Die stärksten Rückgänge seien in den Mittelmeer- und zentralanatolischen Regionen verzeichnet worden. Dort wurden durchschnittliche Niederschlagsmengen 38 Prozent unter dem durchschnittlichen Niveau gemessen.

Die Folgen der Situation könnten weitreichend sein. So warnt etwa der Vorsitzende der türkischen Landwirtschafts Vereinigung (TZD), dass bei anhaltender Dürre die Obst -und Gemüseproduktion um satte 20 Prozent einbrechen könnte. Damit einher gehen könnte eine Preissteigerung um mindestens 20 Prozent. „Wir passieren derzeit eine kritische Schwelle. Das Ganze hier ist kein Witz“, so İbrahim Yetkin zur Zeitung.

Das bestätigen auch Leser der Deutsch Türkischen Nachrichten, die die Situation via Email wie folgt beschreiben: „Wir sind seit Anfang Februar in der Südtürkei und genießen die Sonne, beobachten aber auch besorgt den Wassertiefstand in den Flüssen und Trinkwassertalsperren östlich von Alanya sowie nördlich von Manavgat.“ Über die Konsequenzen würde ihrem Anschein nach vor Ort allerdings kaum gesprochen.

Bauern hoffen auf März und April

Yetkin zufolge sei die aktuelle Situation in der Tat „besorgniserregend“. Eigentlich sollte nun mit der Aussat für Zuckerrüben, Sonnenblumen, Mais und Soja begonnen werden. Doch die Bodenbedingungen seien absolut ungeeignet. Die Bauern bräuchten einen feuchten Boden und regelmäßige Niederschläge. Auch für die Kartoffel-Erzeuger sei die Lage problematisch. Um ihre Effizienzziele zu erreichen, müssten sie eigentlich im April ernten. Wenn die Erde jedoch nicht ausreichend Wasser bekäme, sei das nicht zu schaffen. Die Folgen träfen jedoch nicht nur den heimischen Markt, sondern wären am Ende auch für den Export ein „großer Schlag“. Nun hoffen die Landwirte auf ordentliche Niederschläge im kommenden März und April. Nur so könnte es noch eine angemessene Ernte geben und Verluste vermieden werden.

Bemühen um alternative Stromerzeungsmöglichkeiten

Auf den Plan gerufen hat die Situation auch den türkischen Energieminister Taner Yıldız. Ihm zufolge könnte die Regierung die Erdgasnutzung im Sommer steigern, um so den Rückgang der Stromproduktion durch Dämme zu decken. „Der aktuelle Rückgang der Niederschlags- und Schneefallmenge im ganzen Land wirkt sich negativ auf die Wasserstände in den Wasserkraftwerken aus. Das führt wahrscheinlich zu einem Rückgang der Stromerzeugung durch die Dämme“, so Yıldız auf einer Pressekonferenz in Ankara. Der vermehrte Bedarf an Erdgas könne in der Folge zu steigenden Energiekosten führen.

Türkei produziert im Augenblick gut ein Viertel ihres Stroms in Wasserkraftwerken, die entlang des reichen Flusssystems des Landes gebaut sind. Daneben hängt das Land aber auch stark von Erdgas und Braunkohle-Kraftwerken ab. Yıldız sagte, dass auch andere, alternative Optionen für die Stromproduktion optimiert werden sollten, einschließlich der erneuerbaren Energien. So sollen mögliche Stromknappheiten, die Industrie und Haushalte beeinträchtigen, vermieden werden.

Wassernotstand: Sorge um Touristenströme

Die Leser der Deutsch Türkischen Nachrichten verweisen zudem auf ein weiteres Problem. „Einerseits erwartet die Türkei ständig  mehr Touristen. Die Zahl und Größe der Neubauten zum Beispiel in Türkler ist horrend, dazu ein Aquapark auf dem Strand. Andererseits droht gerade 2014 ein absehbarer Wassernotstand. Wenn die Touristen nicht mehr wie gewohnt duschen können, werden sie demnächst woanders ihre Ferien buchen.“  Zudem wachse die Waldbrandgefahr, auf den die türkische Feuerwehr überhaupt nicht vorbereitet seien.

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