„Public Residence“: Kunstprojekt soll Dortmunder Viertel beleben

Im Rahmen des Kunstprojekts „Public Residence: Die Chance“ sind insgesamt vier Künstler eingeladen, ein Jahr lang am Borsigplatz in der Dortmunder Nordstadt zu leben. Gemeinsam mit den Bewohnern des multikulturellen Viertels sollen sie kreative Projekte entwickeln. Das Budget: 100.000 Euro.

„Suche KünstlerInnen! Biete Wohnung, Gehalt und Chancen.“, lautet derzeit der Aufruf zu einem ungewöhnlichen Experiment. Mitten im Dortmunder Norden, einem Stadtquartier mit „besonderem Erneuerungsbedarf“, soll in diesem Jahr das Projekt „Public Residence: die Chance“ gestartet werden. Bis 28. Februar können sich Künstlerinnen und Künstler aller Sparten bewerben, um am Ende ein ganzes Jahr lang nicht nur vor Ort zu leben, sondern dort auch jeweils ein partizipatorisches Kunstprojekt zu realisieren.

Insgesamt vier Kreative erhalten am Ende ihre Chance, das Quartier aktiv mitzugestalten. Den Initiatoren geht es hier „um Kunst und Teilhabe, um neue Formen des sozialen Miteinanders, um Austausch auf Augenhöhe, um Phantasie und Engagement.“

Bewohner werden von Anfang an mit einbezogen

Die Projektidee des Teams von Machbarschaft Borsig11 e.V. wurde bereits Ende 2013 von der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft ausgezeichnet. Diese stellt nun auch das Budget für die Realisierung zur Verfügung. Wer die Mittel für die einzelnen Kunstprojekte am Borsigplatz allerdings bekommt, das entscheiden die Bewohner selbst.

„Rund um den Borsigplatz sind Menschen aus mehr als 130 Ländern zuhause, das Quartier ist ein Brennglas für gesellschaftliche Entwicklungen“, informiert die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft. Entsprechend sollten auch die KünstlerInnen, die hier leben werden, möglichst unterschiedliche kulturelle Hintergründe haben. Das Prinzip: Zwölf Monate lang bekommen diese ein Grundgehalt, eine Wohnung, Unterstützung durch das Team Borsig11 und die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft sowie Anbindung an das lokale Netzwerk Borsigplatz.

Kunstprojekte mit nachhaltiger Wirkung

Das Projekt „Public Residence: die Chance“ soll dabei als eine Art „Labor zur Erprobung künstlerischer Strategien“ betrachtet werden. Es soll kreative Prozesse initiieren, die sich verstetigen könnten und auch nach Ende der Projektlaufzeit weitergeführt würden. Borsig11 knüpft hier an Erfahrungen aus dem Projekt „2-3 Straßen. Eine Ausstellung in den Städten des Ruhrgebiets“ von Jochen Gerz an, das im europäischen Kulturhauptstadtjahr Ruhr.2010 in Dortmund, Duisburg und Mülheim a. d. Ruhr stattfand.

Die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft engagiert sich für eine Gesellschaft, in der jeder Mensch die Möglichkeit hat, die vielfältigen Ausdrucksformen der Kunst kennen zu lernen und ihr Potential für sich zu nutzen. Sie unterstützt KünstlerInnen darin, sich für die Entwicklung einer chancengerechten Gesellschaft einzusetzen, in der alle Menschen gleichermaßen an materiellen und immateriellen Gütern teilhaben. Ihr Fokus liegt auf Kunstprojekten mit Veränderungspotential und echter Teilhabe aus den Bereichen Bildende Kunst, Tanz, Theater, Musik und spartenübergreifende Projekte.

Engagement für eine multikulturelle Bürgergesellschaft

Die unterstützten Projekte sollten neue Wege gehen, in sozialen Konfliktfeldern wirksam sein, sich besonders an benachteiligte Bevölkerungsgruppen richten und neue Perspektiven für die Beteiligten eröffnen.

Die Machbarschaft Borsig11 e.V. wurde wiederum im Juni 2011 als Verein gegründet. Sein Ziel ist eine lokale multikulturelle Bürgergesellschaft. Praktiziert werden interkultureller Austausch und kreative Stadtentwicklung. Es geht darum, partizipative Gesellschaftsformen, faire Wirtschafts- und nachhaltige Lebensformen im direkten nachbarschaftlichen Umfeld zu erproben.

Bewerbungen sind bis zum 28. Februar 2014 möglich. Das Bewerbungsformular gibt es hier.

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