Wulff-Urteil: Deutsch-Türken erleichtert über Freispruch

Ex-Bundespräsident Christian Wulff ist rehabilitiert. Das Landgericht Hannover sprach ihn vom Vorwurf der Vorteils-Annahme frei. Die Türkische Gemeinde in Deutschland ist erleichtert über das Urteil. Sie will auch weiterhin mit Wulff zusammenarbeiten.

Zwei Jahre nach seinem Rücktritt kann Christian Wulff nun wieder aufatmen. Das Landgericht Hannover hat den einstigen Bundespräsidenten am Donnerstag vom Vorwurf der Vorteils-Annahme freigesprochen.  Nach Ansicht der Zweiten Großen Strafkammer sei es nicht erwiesen, dass der heute 54-Jährige während seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident illegale Zuwendungen des Filmunternehmers David Groenewold angenommen habe. Die Türkische Gemeinde in Deutschland zeigt sich erleichtert über seine Rehabillitierung.

In einer ersten Stellungnahme, die den Deutsch Türkischen Nachrichten vorliegt, begrüßt die Türkische Gemeinde in Deutschland den Freispruch gegen den Alt-Bundespräsidenten. „Ich freue mich sehr über dieses Urteil“, sagt deren Bundesvorsitzender, Kenan Kolat.

Türken wollen weiter mit Wulff zusammenarbeiten

„Seine Haltung gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund war vorbildhaft; er hatte das Thema Einwanderung und Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft nicht als Belastung, sondern als eine große Bereicherung gesehen.“ Die Türkische Gemeinde in Deutschland freue sich über eine weitere Zusammenarbeit mit dem Alt-Bundespräsidenten und wünscht ihm alles Gute in seinem neuen beruflichen Leben, heißt es weiter.

Wie kein anderer Bundespräsident vorher hat sich Christian Wulff öffentlich für Migranten und Muslime eingesetzt. Auf muslimischen Feiern zum Fastenbrechen war er gern gesehener Gast. Den Einladungen folgte er häufig. Selbst die Korruptionsaffäre hat bei vielen nicht zu Ablehnung geführt. Zu groß war offenbar das Bedürfnis, auch in der deutschen Politik Anerkennung zu finden (mehr hier). Der neue Bundespräsident, so kündigten sie 2012 an, würde sich „an diesen Maßstäben messen lassen“.

Viele Muslime hatten sich nach den ersten Vorwürfen gegen Wulff hinter ihren Bundespräsidenten gestellt. Schließlich war er es, der ihnen Anerkennung schenkte. Dennoch war etwa für Aiman Mazyek, Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, klar, dass er sich den rechtlichen Konsequenzen stellen müsse (mehr hier).

Prozess-Mittelpunkt: Hotelrechnung über 800 Euro

Während des insgesamt drei Monate dauernden Prozesses hatte der Vorsitzende Richter Frank Rosenow mehrfach signalisiert, dass er von Wulffs Schuld nicht überzeugt sei. Noch nie hatte sich ein ehemaliger Bundespräsident vor Gericht verantworten müssen. Wulff hatte es jedoch abgelehnt, dass das Verfahren gegen die Zahlung von 20.000 Euro eingestellt werde.

Bei einem Besuch des Oktoberfests in München soll er sich die Hotelrechnung in Höhe von 800 Euro vom Filmmanager David Groenewold bezahlt haben lassen. Er übernachtete mit seiner Ex-Frau Bettina Wulff über ein Wochenende im Bayerischen Hof am Münchner Bahnhof (mehr hier).

Wulff sprach vor dem türkischen Parlament

Im Jahr 2010 entbrannte eine Debatte über Christian Wulffs Aussagen zum Islam. Wulff sagte, dass auch der Islam zu Deutschland gehöre. Das war eine Ansicht, der zu jener Zeit nur wenige Politiker in Deutschland und Bürger zustimmten. Auch der aktuelle Bundespräsident Joachim Gauck distanzierte sich von Wulff. Von diesem Zeitpunkt an wurde Wulff in der Öffentlichkeit als „Türken-Präsident Wulff“ wahrgenommen. Dabei hatte er im selben Jahr während seiner Rede vor dem türkischen Parlament gesagt, dass das Christentum zur Türkei gehöre. Es war die erste Rede eines deutschen Staatsoberhauptes vor dem türkischen Parlament.

Mehr zum Thema:

Wegen 800 Euro: Prozess gegen Wulff beginnt Anfang November
Bundespräsident: Deutsch-Türken wünschen sich zweiten Wulff
Fest des Fastenbrechens: Bundespräsident Wulff bedankt sich bei Muslimen

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.