Gewalt gegen Deutsche und Migranten: Verrohung der Gesellschaft ist eine Gefahr

Migrantengewalt und rechte Gewalt sind die die aktuellen Schlagworte der Gesellschaft. Beide Themen polarisieren die Gesellschaft. Jeder fühlt sich angegriffen. Doch verkannt wird, dass die Ursachen oftmals schon in den Elternhäusern angelegt sind.

Das Thema Jugend-Gewalt beschäftigt die deutsche Gesellschaft. Eine durchgehende Verrohung der Jugend in Deutschland liegt offenbar vor. Dabei sind die Kinder von Familien mit und ohne Migrations-Hintergrund betroffen.

Lehrer, Behörden und Familien beschweren sich über ein scheinbar wachsendes Gewalt-Potential von Jugendlichen in Deutschland. Dabei verkennen sie, dass sie maßgeblich zu diesem Zustand beigetragen haben. Der erste Fehler beginnt mit der Verwechslung von „Freiheit“ und „Gleichgültigkeit“.

Für viele Eltern mit Kindern stehen die eigenen Bedürfnisse im Vordergrund. Die Vermittlung von Umgangsformen, Disziplin und Werten gibt es nur noch selten. Denn das ist mit Anstrengung und Opferbereitschaft verbunden. Dazu sind nur wenige Menschen bereit. Doch dieser Missstand ist in allen Einkommens-Klassen und Schichten vorzufinden.

Verrohung der Jugend

Die jungen Menschen werden in die Gesellschaft gelassen, ohne sie zuvor darauf vorbereitet zu haben. Im Zuge des Erwachsen-Werdens erlernen jene Kinder ihre Umgangsformen im Zusammenspiel mit anderen Kindern, die dasselbe Schicksal teilen. Orientierung ist wichtig für Kinder und Jugendliche. In diesem Zusammenhang sind lebendige Vorbilder unabdingbar. An denen fehlt es oftmals.

Auf diesem Boden kann Gewalt, autoritäres Gedankengut, Wut und Hass gedeihen. Der Ex-Innenminister des Landes Baden-Württemberg, Heribert Recht, beschwerte sich 2010 über eine „Verrohung der Jugend“ in Deutschland, berichtet die Stuttgarter Zeitung.

Auch UNESCO-Sonderbotschafterin Ute Ohoven hatte 2008 auf eine „gewisse Verrohung“ hingewiesen. Oftmals fehle es am Zusammenhalt innerhalb der Familie. Gemeinsames Essen und gemeinsame Spaziergänge seien in vielen Familien in Deutschland eine Seltenheit, zitiert AFP Ohoven. Offenbar ist der gesellschaftliche Abstieg Deutschland unaufhaltbar.

Überholte Familien-Bilder

Eine Lösung ist nicht in Sicht. Stattdessen melden sich immer wieder nationalkonservative Kreise zu Wort und fordern autoritäre Strukturen. Doch auch damit hat die deutsche Gesellschaft ihre negativen Erfahrungen gemacht. Der Balanceakt zwischen nationalkonservativen Ideen und den antiautoritären Erziehungsmethoden der 68er-Generation ist nicht möglich. Beide Strömungen sind Fehl am Platz. Sie geben uns keine Antworten auf unsere Fragen.

Erschwert wird die Debatte durch einen Balanceakt und das Ausspielen von „Migrantengewalt“ gegen „rechte Gewalt“. Dabei wird verkannt, dass politisch motivierte Gewalt etwas anderes ist als alltägliche Gewalt, die sich auch von Migranten gegen Migranten richtet. Die Debatte der Jugendgewalt polarisiert die Gesellschaft in eine falsche Richtung. Die Gesellschaft befindet sich in einer irrationalen Schieflage. Entweder „alle Deutschen sind heimliche gewaltbereite Nazis“ oder „die Ausländer – gemeint sind Muslime – sind gewaltbereite Islamisten“. Das sind die Optionen, denen sich der Bürger anschließen kann.

„Moslem-Hure“ und „Nazi-Schlampe

In diesem Zusammenhang spielen alltägliche Erfahrungen eine herausragende Rolle:

Erklären sie einer deutschen Frau, die als „Nazi-Schlampe“ beschimpft und angegriffen wird, dass sie gefälligst tolerant sein soll. „Aber es gibt auch Gute“, heißt es.

Erklären sie einer muslimischen Frau, die als „Moslem-Hure“ beschimpft und angegriffen wird, dass die Deutschen tolerant sind. „Denn es gibt auch Gute“, heißt es.

Diese Phänomene gibt es. Sie kommen tagtäglich vor. Das Schlimmste für die Opfer ist, wenn die Täter mit milden Strafen davon kommen. Beide Phänomene haben etwas mit Gewalt zu tun und beide Phänomene sind Anzeichen einer tiefgehenden Polarisierung der Gesellschaft.

Von der Verrohung sind alle in verschiedenen Ausprägungen betroffen.

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