Gestern Volksheld, heute Provokateur? Sarrazin wird mundtot gemacht

Der umstrittene Buchautor Thilo Sarrazin beobachtet einen „Gleichheitswahn“ in der deutschen Gesellschaft. Die Medien seien hierbei die Hauptverantwortlichen. Ein erneuter Tabubruch mit Folgen. Mit seinen Islam-Thesen galt Sarrazin noch als Aufklärer. Doch nun ist er unwillkommen und unerwünscht.

Thilo Sarrazin war im Zuge der Islam- und Migrationsdebatte der vergangenen Jahre ein gern gesehener Gast bei verschiedenen Fernsehsendern. Er galt als Tabubrecher, der ungemütliche „Wahrheiten“ ausspricht. Seine „Wahrheiten“ wurden zunächst lediglich in Bezug auf die Türken und Araber in Deutschland ausgesprochen.

Doch nun scheint ein Sinneswandel in Deutschland stattgefunden zu haben. Sandra Maischberger hat den Mann zunächst als Gast eingeladen und anschließend wieder ausgeladen. Offenbar passt er nicht mehr ins Konzept des GEZ-finanzierten Fernsehsenders. Dabei gäbe es viele GEZ-Gebührenzahler, die dem Mann gerne zugehört hätten. 2010 war der Ex-Finanzsenator von Berlin noch Teilnehmer einer Maischberger-Runde.

Ein gern gesehener Gast

Er war auch Gast bei „Hart aber fair“, „Beckmann“, „Stern TV“, „RTL“ und weiteren Fernsehsendern. Der Mediendienst Integration berichtet, dass Sarrazin im Zuge der Islam-Debatte insgesamt acht Stunden im Fernsehen zu sehen war. Dabei soll er mindestens 120 Minuten zu Wort gekommen sein. Zudem hat er 23 Interviews gegeben.

Am 19. März 2011 war Sar­ra­zin sogar Teilnehmer der Evan­ge­li­schen Aka­de­mie Tutzing. Er sprach als Re­fe­rent auf einer Tagung mit dem Titel „Ge­hört der Islam zu Deutsch­land?“.

Am 31. März 2011 war er Gast beim „Deutsch-​Ame­ri­ka­ni­schen In­sti­tut Hei­del­berg“.

Am 14. April 2011 war er auf Einladung des Evan­ge­li­schen Kirch­spiels Gast in der Hal­ber­städ­ter Mo­ritz­kir­che. Hinzu kamen Auftritte bei Lesungen verschiedenster Einrichtungen.

Nun ist er unerwünscht.

Was also ist geschehen? Aufgrund seiner „Moslemthesen“ haben sich die Medien nicht von Sarrazin abgewendet.

Die schwachen Pfeiler der Mehrheits-Gesellschaft

Der „Tabubrecher“ hat diesmal die Empfindlichkeiten der deutschen Öffentlichkeit getroffen.

Die Titel seiner beiden letzten Bücher lauten „Europa braucht den Euro nicht. Wie uns politisches Wunschdenken in die Krise geführt hat“ und „Der neue Tugendterror. Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland“. Thilo Sarrazin übt in seinem zweiten Buch scharfe Kritik am Euro und an der EU. In seinem dritten Buch beklagt er ein „marodierendes Gleichheitsbedürfnis“, das er auch in den Medien beobachte.

Diese Gleichheitsidee prägte die katholische Soziallehre, den Feminismus, die Bewegung von Schwulen und Lesben, die Philosophie-Lehrstühle, die Theologie-Lehrstühle und die Soziologie-Lehrstühle, so Sarrazin auf einer Pressekonferenz. Zudem prägte sie die Sozialisten und die Marxisten und ihre Erben. Er macht deutlich, dass er ein Gegner jener Gleichheitsidee ist.

Die Büchse der Pandora

Auf derselben Pressekonferenz macht er den Medienvertretern den Vorwurf, dass sie links,- grün,- oder sozial eingestellt seien. Sarrazin holt zum Rundumschlag aus. Diesmal steht nicht eine gesellschaftlich unwillkommene Minderheit im Fokus seiner Kritik, sondern die Mehrheitsgesellschaft und ihre Werte. Und die kann offenbar mit kritischen und provokanten Geistern nicht umgehen. Selbstkritik ist in Deutschland ohnehin ein Ausnahmephänomen.

TV.Berlin Online gab sogar das allgemeine Stimmungsbild der deutschen Medienvertreter wieder. Sein neues Buch „sei es nicht Wert gelesen zu werden“.

Besonders großes Aufsehen erregt seine These, dass mehr Männer als Frauen einen hohen Intelligenz-Quotienten besitzen. Ein großer Aufschrei geht durch die Medien.

Denselben Aufschrei hatte es im Zuge der ersten Sarrazin-Debatte nicht gegeben. Denn damals sprach Sarrazin Ideen aus, die von der Mehrheit der Gesellschaft geteilt werden.

Doch die Büchse der Pandora ist längst geöffnet.

Sarrazins Ideen werden gedeihen, denn sie stoßen auf einen fruchtbaren Boden.

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