Krise in der Ukraine: Türkischer Außenminister will Beziehungen zu Russland nicht gefährden

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu will unbedingt verhindern, dass die aktuelle Lage auf der Krim Folgen für das türkisch-russische Verhältnis nach sich zieht. Die Situation auf der Halbinsel sei das Problem der Ukraine und der internationalen Gemeinschaft. Davutoğlu selbst setzt unterdessen seine diplomatischen Bemühungen um eine Deeskalation fort.

Die Türkei will sich nicht in den Konflikt auf der Krim hineinziehen lassen. Außenminister Ahmet Davutoğlu bemüht seine diplomatischen Kontakte derzeit intensiv, um die Wogen zu glätten. Derweil haben an diesem Dienstag zwei russicshe Kriegsschiffe den Bosporus passiert.

„Es könnte versucht werden, die Krim-Krise zunächst in  eine tatar-russische und anschließend in eine türkisch-russischen Krise zu verwandeln. Wir werden das nicht zulassen“, zitiert die türkische Zeitung Star den türkischen Außenminister. Seiner Ansicht nach sei die Krim ist in erster Linie ein Problem für die Ukraine und danach für die Welt.

Die Halbinsel hat sich in den vergangenen Tagen zum Krisenschauplatz entwickelt. Russland hat das Gebiet mittlerweile unter seine Kontrolle gebracht. Wichtige Gebäude und Flughäfen stehen unter der Aufsicht russischer Militärs. Etwa zwölf Prozent der Bevölkerung der Krim besteht aus türkischen Tataren. Sie unterstützen die pro-europäische Interimsregierung der Ukraine, während eine russische Mehrheit von fast 60 Prozent für die Abspaltung ist.

In einer Erklärung via Email appellierte bereits am Sonntag der ukrainische Botschafter in Ankara an die Türkei, sich den internationalen Bemühungen anzuschließen, um die Eskalation der Spannungen mit Russland zu stoppen. Auch er verwies auf die Krim-Tartaren, die sich in Anbetracht der russischen Übernahme in „großer Gefahr“ befänden. Derzeit leben auf der Krim etwa 300.000 von ihnen. Sergiy Korsunsky forderte die Türkei außerdem dazu auf, seinem Land „politische, wirtschaftliche und, wenn nötig, militärische Hilfe“ zukommen zu lassen.

Moskau: Statt auf Konfrontation setzt Ankara auf Dialog

Unterdessen stattete Davutoğlu Kiew bereits am Freitag und Samstag einen unangekündigten Besuch ab, um die Krise mit Vertretern der ukrainischen Regierung zu besprechen (mehr hier). Hier machte er auch den türkischen Standpunkt deutlich: Die territoriale Integrität der Ukraine sollte geschützt werden. Eine Abspaltung der Krim kommt nicht infrage. Eine direkte Konfrontation mit Moskau steht aber nicht zur Debatte. Der Außenminister forderte stattdessen zum Dialog auf.

Eine Transformation der Krise auf der Krim zu einer türkisch-russischen Konfrontation würde nicht helfen, eine Lösung für das Problem zu finden, so Davutoğlu. Dessen seien sich auch die Tartaren bewusst. In Ankara waren am Wochenende Hunderte auf die Straße gegangen (mehr hier). Die Türkei jedenfalls sei bereit, Gespräche mit der russischen Regierung zu führen. Und das nicht nur, um die aktuelle Krise zu überstehen, sondern auch, um eine Verbesserung der russisch-ukrainischen Beziehungen zu erreichen. Ein Vorbild könnte hier die Türkei sein, so der Außenminister. Die Ukraine sollte sich um eine ausgeglichene Beziehung zu Russland und Europa bemühen. Eben so, wie es die Türkei vorlebe. „Es wäre ein großer Fehler, wenn die Ukraine Russland meiden und auf der anderen Seite seine Verbindungen zu Europa ausbauen würde“, zitiert die türkische Zaman Davutoğlu. Seine ukrainischen Gesprächspartner hätten das genauso gesehen.

Russische Kriegsschiffe passieren Istanbul

Erst am Montag hatte Feridun Sinirlioğlu, Staatssekretär des türkischen Außenministeriums, ein Telefongespräch mit seinem russischen Amtskollegen Grigori Krassin. Bereits am Mittwoch will sich Ahmet Davutoğlu mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow treffen. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet. Bereits am Montag sei er mit Vertretern der Krim-Verbände in der Türkei zusammengekommen.

Am Dienstagmorgen passierten unterdessen zwei russische Kriegsschiffe den Bosporus in Istanbul. Die beiden Schiffe der russischen Flotte befinden sich auf dem Weg ins Schwarze Meer. Es soll sich um die „Saratow“ und die „Jamal“ handeln, berichtet CNN Türk.

Mehr zum Thema:

Türkischer Außenminister: Teilung der Ukraine könnte Flächenbrand auslösen
Aufruhr in der Türkei: Krim-Tataren protestieren gegen Russland
Krise in der Ukraine: Jetzt lässt Putin die Einsatzbereitschaft seiner Militärs testen

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.