Keine Chance für Lars von Trier: Türkei verbietet „Nymph()maniac“

Eigentlich sollte am 14. März in der Türkei Premiere sein. Nun müssen türkische Fans des Kult-Regisseurs Lars von Trier wohl auf sein neuestes Werk verzichten. Die türkischen Behörden haben Vorführungen seines umstrittenen Films „Nymph()maniac“ kurzerhand untersagt.

Der nationale türkische Kinoausschuss hat verhindert, dass das freizügige zweiteilige Drama rund um die erotische Reise einer Frau von Kindheitstagen bis in ihre 50er, in der Türkei gezeigt wird. Am 14. März sollte der erste Teil von „Nymph()maniac“, am 21. März der zweite Teil erscheinen. Das Drama wurde bereits vergangenen Monat auf dem „!f Istanbul Independent Film Festival“ dem Publikum präsentiert. Dabei wird es nun offenbar bleiben.

Schon anlässlich des Festivals wurde eine von Lars von Trier persönlich entschärfte Version des Films gezeigt. Im Rahmen der 64. Berlinale fand die Weltpremiere des europäischen Filmdramas statt. Dort konnte das Publikum am 9. Februar den unzensierten ersten Teil (Director’s Cut) mit Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgård, Stacy Martin, Martin Solibakke, Shia LaBeouf, Jamie Bell, Christian Slater und Connie Nielsen in Augenschein nehmen.

Zunächst habe sich der Ausschuss auf einer untergeordneten Ebene nicht zu einer Entscheidung durchringen können, ob eine ungeschnittene Version des Films im Rahmen einer nationalen Vertriebsvereinbarung in türkischen Kinos gezeigt werden könnte, so die türkische Zeitung Radikal. Auf höherer Ebene sei nun jedoch die Entscheidung gefallen, dass von Triers Film selbst mit einem „+18“-Vermerk so nicht laufen könnte. In Deutschland liegt die Altersfreigabe derzeit bei „FSK 16“.

Der Ausschuss besteht aus Vertretern des Kultusministeriums, des Innenministeriums und des Bildungsministeriums sowie Mitglieder der Filmverbände, Psychologen, Soziologen und einem Kinderarzt. Zwei Mitglieder des Ausschusses stellten sich jedoch gegen die aktuell Entscheidung. In einer Anmerkung zu der Entscheidung erklärten sie, dass sie nicht damit einverstanden seien.

Nach „Antichrist“ (2009) und „Melancholia“ (2011) bildet „Nymph()maniac“ den Abschluss eines „Triptychons der Depression“. Der international preisgekrönte Lars von Trier reflektiert „mit der Beichte einer Frau, die mit der eigenen Geschichte ringt, über die Suche nach Sinn und Balance im Leben“, lobt die Berlinale. Sein Werk sei ein zweiteiliger filmischer Entwicklungsroman von Erregung und Verzweiflung, Lust und Schmerz, mit historischen und literarischen Bezügen von der Bibel bis zu Tausendundeiner Nacht, vom Dekameron bis zu Marquis de Sade.

Die Kritiken zum „Seelenstriptease einer Sexsüchtigen“ reichen von „aufwühlend und berauschend“, ein „bemerkenswerter vierstündiger Essay-Film“ über „Der Film ist zwar harte Kost, aber visuell beeindruckend und intellektuell herausfordernd“ bis hin zu zum Vorwurf, der dänische Regisseur, immerhin das Enfant terrible des europäischen Films, hätte hier aufgrund seiner plakativ und schonungslos offenen Darstellung von Joes Männerbegegnungen einen Porno gedreht. Insgesamt ist die Rezeption bisher allerdings überwiegend positiv.

„Nymph()maniac Teil 1“ startete am 20. Februar in den deutschen Kinos. „Nymph()maniac Teil 2“ folgt nun am 3. April.

Mehr zum Thema:

Weg frei für die Zensur: Türkisches Parlament verabschiedet umstrittenes Internet-Gesetz
Nuri Bilge Ceylan: Türkische Filmindustrie unterliegt keiner Zensur
Vögel statt Nachrichten: RTÜK greift erneut ins türkische TV-Programm ein

 

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.