Cyberwar: Konflikt zwischen Ukraine und Russland ruft nicht nur Militärs auf den Plan

Die Krise in der Ukraine spielt sich nicht nur auf dem Boden ab. Zwischen der Ukraine und Russland flammt auch ein Cyberkrieg auf. Die aktuellen Vorgänge könnten nur der Anfang sein.

Mit Sorge blickt die internationale Gemeinschaft derzeit gen Ukraine, insbesondere auf die Halbinsel Krim. Doch die Spannungen zwischen der Ukraine und Russland lassen sich nicht nur anhand von militärischen Schachzügen ablesen. Im Internet hat die Auseinandersetzung ebenfalls begonnen.

Bereits am 28. Februar sei es im Netz zu einem „ersten Schlag“ gekommen, berichtet die International Business Times. An jenem Freitag habe eine Gruppe von unbekannten Männern die Kontrolle von mehreren Kommunikationszentren auf der Krim übernommen. Diese würden vom ukrainischen Telekommunikationsanbieter Ukrtelecom JSC unterhalten. Durch eine Zerstörung der Kabel seien fast alle Festnetz-, Mobilfunk- und Internet-Dienstleistungen in der Region zum Erliegen gekommen. Derzeit gehe man davon aus, dass die Kommunikationszentren angegriffen wurden, um illegal drahtlose Geräte zu installieren. Das Ziel: Das Ausspionieren der Handys der ukrainischen Abgeordneten.

Gestützt wird diese Theorie von Valentyn Nalivaichenko, der Leiter des SBU, dem ukrainischen ‚Sicherheitsdienst:

„Ich kann bestätigen, dass bereits den zweiten Tag in Folge ein IP-Telefon-Angriff auf Mobiltelefone von Mitgliedern des ukrainischen Parlaments im Gange ist. (…) Am Eingang zum [Telekommunikationsunternehmen] Ukrtelecom auf der Krim wurden  illegal (…), Geräte installiert, die mein Telefon als auch die Telefone von anderen Abgeordneten blockieren, unabhängig von ihrer politischen Zugehörigkeit.“

Ebenfalls schwer beschäftigt waren offenbar Hacker und Sympathisanten, die am Sonntag die Internetseite des russischen Senders RT lahm legten. Auf der Seite wurden alle Verweise auf „Russland“ oder „Russen“ in „Nazi“ bzw. „Nazis“ abgeändert. RT reagierte schnell. Binnen 20 Minuten war die Attacke eingedämmt.

Bei RT blieb es jedoch nicht. Eine Gruppe von Hackern in der Ukraine , die sich selbst die „Cyber-Berkut“ nennt, brüstete sich damit, mindestens 40 russische Nachrichten-Websites auf ihre Facebook-Seite diskreditiert zu haben. Verräter der Ukraine, die die Gesetze ihrer Heimat brächen, so ihre Auffassung, müssten sich umgehend den Strafverfolgungsbehörden stellen. Diese „Hochstapler“, gemeint sind hier wahrscheinlich die Russen, hätten kein Recht, die Ukraine zu kontrollieren.

Unruhe herrscht auch im Sozialen Netzwerk Vkontakte. 13 Gruppen, die zur Unterstützung der neuen Übergangsregierung in Kiew eingerichtet wurden, wurden blockiert. Laut der Moskauer Nachrichten-Website Lenta würde beim Versuch der User, auf die Gruppe zuzugreifen, eine Seite aufgehen, die besagt, dass diese durch die Russische Föderation gesperrt worden sei. Ein Sprecher von Vkontakte erklärte später, dass die Blockade nur einige Minuten gedauert habe. Entstanden sei sie wohl durch den Fehler eines Moderators. Doch wie der russische Telekom-Watchdog Roskomnadzor erklärt, würde man auch weiterhin ukrainische Gruppen sowie jede andere IP-Adresse blockieren, wenn man glaube, dass hierüber extremistische Inhalte verbreitet würden.

Ein Ende der Fahnenstange scheint mit derlei Aktionen allerdings noch nicht erreicht. Die Sorge gilt nun den russischen Militärs. Diese könnten ihr Tätigkeitsfeld ebenfalls ausweiten, etwa auf DDoS-Attacken, um wichtige ukrainische Server zum Erliegen zu bringen.

Neu wäre diese Methode übrigens nicht. Bereits im April 2007 haben russischen Hacker von Nashi, der politischen Jugendbewegung von Wladimir Putin (mehr hier), gezielt die Webseiten des estnischen Parlaments, Banken, Ministerien, Zeitungen und Rundfunkanstalten inmitten eines diplomatischen Streits mit Russland angegriffen. Während des Südossetien Kriegs mit Georgien im Jahr 2008 wurden DDoS-Angriffe (mehr hier) verwendet, um zahlreiche Organisationen in Südossetien, Georgien, und Aserbaidschan zu Fall zu bringen.

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