Protest gegen Putin: Russia Today Moderatorin kündigt vor laufender Kamera

Kündigungen gehen beim Arbeitgeber in der Regel schriftlich ein. Russia Today-Moderatorin Liz Wahl wählte jedoch einen anderen, Aufsehen erregenden Weg. Die junge Frau quittierte ihren Dienst beim englischen Programm am Mittwoch vor laufender Kamera. Für einen Sender, der Putins Taten beschönigt, könne sie nicht länger arbeiten.

Liz Wahl war im Washingtoner Büro von Russia Today beschäftigt. Ihren TV-Rücktritt begann sie mit einem Hinweis auf ihre Kollegin Abby Martin. Auch diese machte Schlagzeilen, als sie am Vortag öffentliche Kritik an der russischen Intervention in der Ukraine übte. Anders als Martin, ging sie allerdings noch einen ganzen Schritt weiter.

„In der Tat steht man als Reporter für diesen Sender vor vielen moralischen und ethischen Herausforderungen“, so Liz Wahl. Ihre Großeltern seien im Zuge der ungarischen Revolution in die Vereinigten Staaten gekommen, um den sowjetischen Truppen zu entkommen. Sie selbst habe das Glück, in Amerika aufgewachsen zu sein. „Ich bin die Tochter eines Veteranen. Mein Lebensgefährte ist Arzt auf einer Militärbasis, wo er jeden Tag aus erster Hand Berichte von den ultimativen Preisen hört, die Leute für dieses Land zahlen.“ Aus diesem Grunde könne sie nicht für einen von der russischen Regierung finanzierten Sender arbeiten, der die Taten Putins beschönige. „Ich bin stolz, Amerikanerin zu sein und glaube an die Verbreitung der Wahrheit. Und deshalb trete ich nach dieser Nachrichtensendung zurück.“

Auf YouTube hat ihre öffentliche Kündigung bereits mehr als 800.000 Klicks. Über 5000 User sagen in Anbetracht ihrer Entscheidung: Daumen hoch.

Liz Wahls Entscheidung geht jedoch noch einiges mehr voraus. Im Gespräch mit Lawrence O’Donnell erklärt sie, dass ihre Arbeit mehrfach zensiert und verzerrt wurde. Die Mission von Russia Today sei es gewesen, Amerika als den bösen Buben da stehen zu lassen und stattdessen Putins Taten zu entschuldigen. „Ich habe moralisch und ethisch das Gefühl, dass ich nicht Teil dieses Netzwerkes sein kann. Ich bin der Meinung, dass das amerikanische Volk wissen sollte, worum es diesem Sender geht.“

Nur einen Tag vor ihrem Rücktritt bekundete Liz Wahl Sympathien für ihre Kollegin Abby Martin. Via Twitter lässt sie ihre Follower wissen:

NBC News zufolge habe Martin, die ebenfalls vor laufender Kamera die russische Politik in der Krimkrise kritisch kommentiert hatte, ihren Job noch.

Wahls Aktion wurde von RT unterdessen kommentiert. Der Sender stellt klar, dass zwischen beiden Frauen ein immenser Unterschied herrsche: Martin sei eine Talkshow-Moderatorin und Wahl präsentiere Nachrichten. Wahl, so die Auffassung hier, habe lediglich Aufmerksamkeit wie zuvor Martin erhaschen wollen. „Wenn ein Journalist nicht mit der Linie der Redaktion einverstanden ist, dann ist es der übliche Weg, das Ganze mit der Chefredaktion zu besprechen. Kommt es dann nicht zu einer Einigung, dann kündigt man auf professionelle Weise.“ Doch wenn jemand eine große öffentliche Show um eine persönlichen Entscheidung mache, sei das nichts weiter als Eigenwerbung.

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