Paralympics in Sotschi: Putins Gästeliste wird deutlich kürzer

An diesem Freitag beginnen im russischen Sotschi die Paralympics. Die Begrüßung der ausländischen Gäste durch Präsident Wladimir Putin dürfte dieses Mal jedoch kürzer ausfallen, als bisher. Zahlreiche Gäste haben aus Protest über die Krise in der Ukraine ihr Kommen abgesagt.

Gleich mehrere Minister und Mitglieder von königlichen Familien haben aufgrund des russischen Einfalls in der Krim-Region ihre Anwesenheit in Sotschi abgesagt. Die Athleten halten von einem Boykott aber offenbar wenig. Bisher sind keine Rückzieher von den Wettbewerben bekannt.

Auf ihren Besuch verzichtet etwa eine Präsidenten-Delegation aus den USA, deren Kommen vom Weißen Haus gecancelt wurde. Auch der britische Premierminister David Cameron kündigte an, dass aus Großbritannien keiner seiner Minister anreisen werde. Selbst Prinz Edward, der jüngste Sohn von Königin Elizabeth II., kehrt Russland und damit Putin den Rücken. Gleiches gilt für eine Delegation aus den Niederlanden, den kanadischen Sportminister Bal Gosal, den polnischen Minister für Sport und Tourismus, Andrzej Biernat, Finnlands Sportminister Paavo Arhinmäki, den österreichischen Verteidigungsminister Gerald Klug und die tschechische Delegation. Daneben wollen auch die Türkei, Griechenland, Spanien, Australien und Neuseeland keine offiziellen Vertreter schicken.

Ole Schröder wird wohl zu den Paralympics fahren

In Verzicht übt sich auch die Bundesregierung. Nach Angaben der Behindertenbeauftragten boykottiert Deutschland die Reise zu den Paralympics aus politischen Gründen. Es bestehe keine Gefahr für Leib und Leben, so Verena Bentele im ZDF-Morgenmagazin. Es sei vielmehr ein ganz klares politisches Zeichen. Die deutschen Athleten sind davon allerdings nicht berührt. Ebenso wenig wie Innenstaatssekretär Ole Schröder, der offenbar nach wie vor plant, nach Sotschi zu reisen.  Das tue er allerdings mit „gemischten Gefühlen“. Das berichtet Reuters. Zwar könne er die politische Situation nicht ignorieren, zur gleichen Zeit habe er aber auch den größten Respekt für behinderte Sportlerinnen und Sportler. Wie das Auswärtige Amt mitteilt, soll Schröder zum Ende der kommenden Woche hin nach Sotschi entsandt werden. Unterdessen ist Bundessuperminister Sigmar Gabriel am Donnerstag überraschend nach Moskau gereist, um sich dort mit Präsident Putin zu treffen.

Einsamer G8-Gipfel in Sotschi?

Einsam dürfte es für Putin übrigens auch im kommenden Juni beim G8-Gipfel in Sotschi werden. Die USA haben ihre Vorbereitungen für das Treffen bereits ausgesetzt. Außerdem ist die Rede von einem separaten Treffen der Gruppe der sieben Mächte, ohne Russland. Nach der Okkupation der Krim am Wochenende befürworten die USA derzeit einen Ausschluss Russlands. Zudem wurden am Donnerstag von den USA Strafmaßnahmen gegen Russland verhängt. Gezielt wurden Einreiseverbote und Kontensperrungen ausgesprochen. Derweil stellten die Abgeordneten des Krim-Parlaments die Weichen für eine Abspaltung der Halbinsel und Angliederung an Russland. Im Rahmen einer Volksabstimmung soll die mehrheitlich russische Bevölkerung bereits am 16. März darüber entscheiden.

Boykott der Spiele ist der falsche Weg

Beeindrucken lässt sich Putin davon offenbar nicht. Auf einer Pressekonferenz am Dienstag sagte er, dass jeder Boykott der Paralympics wegen der Ukraine „der Gipfel des Zynismus“ sei. Die Sportler jedenfalls denken derzeit offenbar nicht daran, ihrem Unmut auf diesem Weg Luft zu machen. Diese Linie vertritt auch Willi Lemke, seit 2008 Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport. „Ich weiß nicht, ob diese Reaktion zielführend ist (…) Mir ist es immer lieber, wenn die Menschen zusammenkommen und miteinander reden“, zitiert ihn das Handelsblatt. Ob der politischen Situation seien die Paralympics für alle Beteiligten ohnehin bedrückend. Der Sport könne aber zeigen, dass man auch in schweren Zeiten aufeinander zugehen könne.

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