Ukraine-Referendum: Krim-Türken haben Angst vor Putins Herrschaft

Putin ist unbeliebt bei den Krim-Türken. Moskaus Expansionspläne auf der Krim machen den nicht-russischen Bewohnern der Halbinsel Angst. Doch der türkische Historiker Ortaylı warnt auch vor einer Kooperation der Krim-Türken mit der EU. Der sei nicht zu trauen.

Das anstehende Krim-Referendum am 16. März wird ein Schicksalstag für die Krim-Türken sein. Dann wird sich entscheiden, ob die Autonome Republik Krim sich Russland anschließt oder ein Teil der Ukraine bleibt.

Die Krim-Türken sind mehrheitlich für den Verbleib innerhalb der Ukraine. „Das Verhältnis zwischen Ukrainern und Krim-Türken ist sehr gut. Sie bilden eine Einheit“, zitiert Haber+1 den türkischen Historiker İlber Ortaylı.

Doch es droht der Untergang der einheimischen Bevölkerung der Krim-Türken. Denn seit dem Jahr 1944 betreibt Russland eine bewusste Siedlungspolitik, die den Anteil der Russen auf der Krim stetig erhöht. Dort leben insgesamt 2,5 Millionen Menschen.

Davon sind schätzungsweise 300.000 Krim-Türken und 1,5 Millionen Russen. Die restlichen Krim-Einwohner sind hauptsächlich Ukrainer.

Der türkische Historiker Halil İnalcık sagt, dass die Halbinsel Krim strategisch wichtig sei. „Die Besetzung der Krim ist ein Schachzug gegen den Bosporus. Die Krim dient somit der Bedrohung der Türkei“, zitiert die Nachrichtenagentur Anadolu den Historiker. Deshalb seien auch in den vergangenen Jahrzehnten Russen angesiedelt worden. In den Zeiten des Osmanischen Reichs nutzten die Sultane die Krim, um die Russen vom Schwarzen Meer und vom Bosporus fernzuhalten. Die Halbinsel war eine Art Puffer.

İnalcık sagt weiter:

„Putins Politik beruht auf der neo-eurasischen Idee. Russland möchte alle Staaten von Polen bis nach Zentralasien an sich binden. Das Credo lautet `Wir sind alle Brüder. Moskau kann euch sowohl in Europa als auch in Asien vor jeglichen Gefahren schützen´. Diese neo-eurasische Theorie ist eine Gefahr für die Türkei.“

In diesem Zusammenhang sagt İnalcık, dass das Wort „Krim-Tatar“ falsch sei. Das Wort „Tatar“ wurde von Russland bewusst in den Sprachgebrauch eingebracht. Russland wolle schon seit jeher die türkische Identität im Kaukasus und Zentralasien zersetzen, um eine Kooperation der Turkvölker zu verhindern.

Die historisch und kulturell richtige Bezeichnung der Türken auf der Krim sei der Begriff „Kiptschak-Türken“.

Doch auf der Historiker Ilber Ortaylı spricht eine Warnung aus. So verspreche die EU den Völkern immer mehr als sie einhalten könne.

Deshalb sollten es die Krim-Türken unterlassen, auf die leeren Versprechungen der EU reinzufallen.

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