Telefonische Absprache: Erdoğan und Merkel gegen Referendum auf der Krim

Offenbar möchten Premier Erdoğan und Kanzlerin Merkel in der Krim-Krise gemeinsam auftreten. Doch beide Staaten sollten ihre Kräfte nicht überschätzen. Denn Russlands Reaktionen sind im Regelfall nicht vorhersehbar.

Premierminister Recep Tayyip Erdoğan und Kanzlerin Angela Merkel haben sich in der Krim-Krise auf einen gemeinsamen Kurs geeinigt. Am Sonntagnachmittag fand zwischen ihnen ein Telefongespräch statt.

Erdoğan und Merkel sind beide der Ansicht, dass ein Referendum auf der Krim unrechtmäßig sei. Die territoriale Integrität und Souveränität der Ukraine müssten geschützt werden, berichtet die Hürriyet.

Die Türkei werde zudem an der geplanten internationalen Kontaktgruppe zur Ukraine-Krise teilnehmen. Das Land werde sich aufgrund ihrer guten Beziehungen zu Russland und den Krim-Türken in die Gruppe einbringen.

Doch wie die Rollen beider Länder im einzelnen aussehen sollen ist unklar. Über den Ausgang der Krise gibt es verschiedene Ansichten. Im schlechtesten Fall könnte es Deutschland mit einem feindseligen Russland, einer distanzierten USA und einer zersplitterten EU zu tun bekommen, schreibt der Chef des privaten US-Sicherheitsdienstes Stratfor (mehr hier).

Doch auch an die türkische Regierung werden Warnungen gerichtet. Der Ex-Konteradmiral Türker Ertürk schreibt in der Zeitung İlk Kurşun, dass die Türkei sich auf keine Abenteuer einlassen dürfe. Die USA sei dabei, Russland entlang seiner Außengrenzen zu „belagern“.

Putin soll unter anderem zum Einlenken im Syrien-Konflikt bewegt werden. „Das Spiel findet nun vor dem Tor der Russen statt“, so Ertürk. Die Erdoğan-Regierung sei gut daran beraten, sich im ständigen Dialog mit Russland zu befinden. Jegliche anti-russische Schritte seien zu unterbinden.

Eine Eskalation würde das Schwarzmeergebiet destabilisieren und die Krim-Türken in Gefahr bringen.

Anschließend nennt Ertürk weitere Gründe für seine Sichtweise:

„Die Russen sind unser regionaler Wirtschaftspartner. 55 Prozent der Erdgasimporte und 12 Prozent der Erdölimporte kommen aus Russland. Türkische Baufirmen verdienen ihr Geld hauptsächlich in Russland. Das Land sei wichtig für die türkische Exportindustrie. Das Handelsvolumen beträgt aktuell 50 Milliarden US-Dollar. Zudem gibt es etwa 100.000 türkisch-russische Ehen in der Türkei. Auch diese Fakten müsse erwähnt werden.“

Die Erdoğan-Regierung muss bei allen Schritten bedenken, dass die türkische Bevölkerung traditionell nicht anti-russisch eingestellt ist. Am Ende könnten Putin und Obama das Problem auch gemeinsam lösen. Zumindest ist eine Entschärfung der Situation wünschenswert.

Doch am Samstag hat ein Zerstörer der US-Navy, die USS Truxtun, den Bosporus ins Schwarze Meer passiert. Angeblich soll die US-Marine an einem Manöver mit der bulgarischen und rumänischen Marine teilnehmen, berichtet RT.

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