Dritter Jahrestag der Fukushima-Katastrophe: Japan hat noch viel zu tun

Die Katastrophe von Fukushima nähert sich an diesem Dienstag, den 11. März, bereits zum dritten Mal. Landesweit wird in diesen Stunden erneut des Erdbebens und des Tsunamis gedacht, die zur weltweit schlimmsten Atomkrise seit Tschernobyl geführt haben. An Normalität ist noch lange nicht zu denken. Derzeit steht Japan in Sachen Wiederaufbau ganz am Anfang.

Rund 18.000 Todesopfer, völlig zerstörte Küstenregionen und ein nuklearer Notfall, der die Welt zum Umdenken bei der Atomkraft bewegen sollte: Das ist die dramatische Bilanz der Ereignisse vom März 2011.

An diesem Dienstag werden in zahlreichen japanischen Städten rund um das Katastrophengebiet und in der Hauptstadt Tokio Gedenkveranstaltungen stattfinden. Dort erinnern auch Kaiser Akihito und Kaiserin Michiko an die Opfer der schlimmsten japanischen Katastrophe in Friedenszeiten. Pünktlich um 14.46 Uhr (Ortszeit) wird in vielen Gemeinden der Tsunami-Alarm zu hören sein, das berichtet Al Jazeera. Exakt zu jener Zeit ereignete sich 2011 das Tōhoku-Erdbeben mit einer Stärke von 9,0 Mw. Es war das stärkste bekannte Beben in der japanischen Geschichte. Mit der Geschwindigkeit eines Düsenjets raste darauf hin ein Tsunami in Richtung Küste. Innerhalb weniger Minuten wurden einst stolze Städte zu Kleinholz, ganze Familien ertranken in den Fluten.

Getroffen wurde auch das Atomkraftwerk Fukushima. Was darauf folgte, ist die Chronik der wohl verheerendsten Atomkrise seit 30 Jahren (mehr hier). Zehntausende mussten ihr Heim vermutlich für immer verlassen.

Schon zwei Jahre später waren die Folgen wissenschaftlich messbar. Der Reaktorunfall hat zu einer höheren Kindersterblichkeit und mehr Schilddrüsenerkrankungen geführt (mehr hier). Ende Januar 2014 erreichten die Strahlenwerte in Fukushima das Achtfache des festgelegten Grenzwerts (mehr hier). Der komplizierte Stilllegungsprozess, darin sind sich die Fachleute einig, wird noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

Inzwischen sind 1.650 Anwohner in Folge der Atomkatastrophe gestorben. Insgesamt 15.884 Menschenleben forderte der Tsunmai, 2636 Personen gelten nach wie vor als vermisst. Noch immer werden menschliche Überreste gefunden.

Die japanische Regierung bemühte sich in der ersten Zeit nach der Katastrophe um Schadensbegrenzung. Milliarden wurden für den Wiederaufbau versprochen. Doch die Fortschritte gehen in den betroffenen Katastrophengebieten nur langsam voran. Die Lage Tausender Flüchtlinge ist auch heute prekär. Von den 270.000 Evakuierten befinden sich gut 100.000 noch immer in Notunterkünften. Andere kamen bei Verwandten unter oder suchten ihr Glück in neuen Städten. Japan hat bisher nur 3,5 Prozent der versprochenen neuen Wohnungen für die Flüchtlinge in den stark betroffenen Präfekturen Miyagi und Iwate gebaut.

Das Misstrauen in der Bevölkerung wächst derweil zusehends. Mittlerweile sagen 77 Prozent der Japaner, dass das Tempo des Wiederaufbaus schwer zu wünschen übrig lasse. Eine Stimmung, die auch Premierminister Shinzo Abe nachvollziehen kann. Tokio habe seinen Job bislang alles andere als erledigt, so der Politiker am Montag. „Ich bin entschlossen, den Erholungsprozess zu beschleunigen und werde es nicht zulassen, dass diese Katastrophe vergessen wird“, zitiert ihn Al Jazeera.

Gekippt ist mittlerweile aber auch das einst fast grenzenlose Vertrauen in die Atomenergie. Die japanische Atomaufsicht hat bereits im Dezember 2013 trotz der Katastrophe von Fukushima die erneute Aufschaltung aller 50 Atomkraftwerke empfohlen. Die Regierung macht Druck, weil die Strompreise explodiert sind. „Atomstrom ist eine wichtige und grundlegende Energiequelle, die die Stabilität der Versorgung unterstützt“, heißt es im Bericht des Gremiums. Voraussetzung sei, dass die Sicherheit der Anlagen gewährleistet sei. Es gilt als sicher, dass die Regierung unter Ministerpräsident Shinzo Abe den Leitlinien des Berichts folgt.

Erst am vergangenen Sonntag gingen deshalb Zehntausende nicht nur in Tokio auf die Straße:

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