Ein letztes Aufbäumen: Türkische Wirtschaft übertrifft im Januar alle Erwartungen

Türkische Hersteller haben mit ihren soliden Ergebnissen im Januar die Erwartungen der Analysten übertroffen. Doch die Freude darüber könnte nur kurz währen. Die straffere Geldpolitik und die politischen Unsicherheiten im Vorfeld der Kommunalwahlen machen der türkischen Wirtschaft schwer zu schaffen. Die Prognosen für die kommenden Monate sind entsprechend gedämpft.

Die türkische Wirtschaft hat einen durchaus optimistischen Start ins Jahr 2014
hingelegt. Die Industrieproduktion kletterte von 7,1 Prozent im Dezember auf 7,3 Prozent im ersten Monat des neuen Jahres. Damit bewegten sich die türkischen Industriellen deutlich über dem Fünf-Prozent-Wachstum, das Analysten zuvor prognostiziert hatten. Entsprechend Schub erhielten auch die Exporte, die um 4,5 Prozent nach oben kletterten – zunächst. Denn der Niedergang scheint schon eingeläutet.

Die Januar-Daten des Türkischen Instituts für Statistik (TUIK) muten wie ein Silberstreif am sonst zunehmend bewölkteren türkischen Wirtschaftshimmel an. Schon der Februar versetzte der anfänglichen Euphorie einen neuerlichen Stoß. Die Kapazitätsauslastung ging zurück und das Verbrauchervertrauen sank auf ein Vier-Jahres-Tief. Auch der internationale Vertrieb verlor an Fahrt, als die türkische Regierung Maßnahmen ergriff, um die Kreditaufnahme der Haushalte zu senken.

Verbunden mit steigenden Zinsen und einer Währung in der Nähe immer neuer Rekordtiefs, einer Schwächung der Binnennachfrage und einem schwachen internationalen Appetit, führte das insgesamt zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums der Türkei. Die Europäische Kommission hat das bereits erkannt. Sie korrigierte ihre Erwartungen für das Wirtschaftswachstum der Türkei für die Jahre 2014 und 2015 deutlich nach unten (mehr hier).

„Da sich das Exportwachstum im Februar verlangsamen dürfte, erwarten wir uns keinen allzu hohen Beitrag “, zitiert das Wall Street Journal Özlem Derici, Chefökonom bei Deniz Invest in Istanbul. Der schwächere Konsum werde nach und nach die Investitionen nach unten ziehen und dadurch die Wachstumsleistung in der ersten Hälfte des Jahres in Gänze verschlechtern.

Auch die politischen Rahmenbedingungen könnten derzeit ungünstiger nicht sein. Seit Mitte Dezember tobt in der Türkei ein Korruptionsskandal. Kurz vor den Kommunalwahlen am 30. März verschärft sich die Stimmung nun zusehends. Die Türkische Lira ist mittlerweile um 30 Prozent abgerutscht und bewegt sich auf einem Rekordtief gegenüber dem Dollar seit vergangenen Mai (mehr hier).

Noch im Januar hatte die türkische Zentralbank ihren Leitzins von 4,5 auf zehn Prozent angehoben, um die Kapitalflucht ausländischer Anleger zu stoppen. Ohne Erfolg (mehr hier). Kurz zuvor war die Türkische Lira auf ein weiteres Rekordtief gegenüber dem Euro gesunken. Branchenfachleute sind derzeit nicht mehr allzu optimistisch. „Wir sehen die Abwärtsrisiken in Anbetracht der innenpolitischen Unsicherheiten. Diese haben sich bereits im Vertrauen der Verbraucher reflektiert und springen nun auf die wirtschaftlichen Aktivitäten über“, so Gokce Celik, Volkswirt bei der Finansbank in Istanbul. Betrachte man vor diesem Hintergrund auch die externen Finanzierungsbedingungen, dann erwarten wir, dass sich die Wachstumsdynamik deutlich verlangsamt.

Das sehen auch Kollegen so. Nach wie vor sei die Konjunktur relativ robust, meint auch Emre Tekmen, Volkswirt bei Turk Ekonomi BankasiTEBNK.IS -1,01% in Istanbul. Doch die Verlangsamung des Kreditwachstums und die Verschlechterung des Verbrauchervertrauens forderten in den kommenden Monaten wahrscheinlich ihrenTribut auf die Konjunktur.

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