Neue Proteste in der Türkei: Das Land trauert um jüngstes Gezi Park-Opfer

Der Tod des erst 15-jährigen Berkin Elvan am Dienstagmorgen hat viele Menschen in der Türkei bestürzt. In 32 Provinzen des Landes kam es in den darauffolgenen Stunden zu Demonstrationen. Wie schon im Sommer, so griff die Polizei auch diesmal erneut mit Tränengas und Wasserwerfern durch.

Das Schicksal des Koma-Patienten Berkin Elvan hat zu einer Protestwelle in der gesamten Türkei geführt. Der 15-jährige Teenager war im Juni 2013 während einer Gezi Park-Demonstration von einer Gaspatrone der Polizei am Kopf getroffen worden. Nach fast 300 Tagen ist der Junge nun verstorben.

In der türkischen Hauptstadt Ankara ging die Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Demonstranten vor, die sich zum Gedenken an Berkin versammelt hatten. Auch auf der Istanbuler İstiklal Avenue kam es zu einem Schlagabtausch, nachdem es den Demonstranten nicht gestattet wurde, auf dem Taksim Platz eine Erklärung vorzutragen. Der türkischen Zeitung Hürriyet zufolge, sollen im Laufe der vergangenen Nacht Hunderte Personen verhaftet worden sein, darunter 97 in Istanbul, 51 in Ankara, rund 100 in İzmir, 36 in Bursa und schließlich 21 in Mersin.

Die Szenen, die sich in der gesamten Türkei abspielten, erinnerten vielerorts an die Ereignisse des vergangenen Sommers. In Tunceli etwa marschierten die Menschen mit Fackeln in Richtung der Landesgeschäftsstelle der regierenden AKP. In Ankara tauchten unterdessen schon am frühen Abend gepanzerte Fahrzeuge der Polizei auf.  Zur gleichen Zeit marschierten geschätzt über 1.000 Menschen in der Schwarzmeerstadt Samsun und skandierten „Mörder Tayyip (Erdoğan).“ Ein Vorwurf, den bereits die Mutter des verstorbenen Jungen, Gülsüm Elvan, vorgebracht hat: „Es ist nicht Allah, der meinen Sohn genommen hat. Es ist Tayyip Erdoğan.“ In anderen Städten mussten ganze Stadtbusse als Straßenbarrikaden herhalten oder es wurden Wahlplakate der AKP in Brand gesteckt.

Auch in Adana, Trabzon, Eskişehir, Sakarya, Antalya, Mersin, Zonguldak, Uşak, Giresun, Bolu, Konya, Tekirdağ, Edirne, Çanakkale, Muğla und Çeşme sowie in Diyarbakir sammelten sich die Menschen für Demonstrationen. In Denizli und Adana war es ebenso wie in Ankara, wo einige der Teilnehmer offenbar noch versuchten, mit den Beamten zu sprechen und die Intervention zu stoppen, früh mit der Ruhe vorbei. Hier warfen schon am frühen Abend einige Demonstranten Feuerwerkskörper auf die Polizei.

Andernorts verliefen die Zusammenkünfte hingegen friedlich. Alles in allem griffen die Beamten bis zum späteren Abend in Istanbul, hier auf dem Taksim, vor dem Divan Hotel, in Kadıköy, Beşiktaş und Feriköy, Ankara, İzmir, Adana, Antalya, Denizli, Kocaeli und Mersin ein.

Auch im Ausland gedachten die Menschen dem Tod des Teenagers. Dem Blatt zufolge gab es in Paris, Berlin, London, Stockholm und Rotterdam ebenfalls Demonstrationen und Mahnwachen.

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