Trauerfeier für Gezi Park Opfer: Tausende versammeln sich in Istanbul

Im Istanbuler Stadtteil Sisli findet aktuell eine Trauerfeier für den am Dienstag verstorbenen Berkin Elvan statt. Tausende sollen sich mittlerweile versammelt haben, um den achten Todesopfer der Gezi Park Proteste zu gedenken. Unter ihnen auch Politiker der CHP und BDP. Bereits in der Nacht kam es in zahlreichen türkischen Städten zu teils heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Zur Beerdigung des 15-jährigen Berkin Elvan sind am Mittwochmittag Tausende ins Istanbuler Zentrum geströmt. Fast 300 Tage hatte der Teenager im Koma verbracht, nachdem er im Juni 2013 von einer Gaspatrone der Polizei am Kopf getroffen wurde. Die Stimmung ist aufgeheizt. Es ist mit neuen Massenprotesten zu rechnen.

Bereits während der gesamten Nacht ist die türkische Polizei mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen (mehr hier). Nicht wenige der Teilnehmer gaben wie schon die Mutter des Toten dem türkischen Premier Recep Tayyip Erdoğan die Schuld am Tod von Berkin (mehr hier). Nun kommen abermals Tausende in Okmeydanı zusammen, so die türkische Zeitung Hürriyet. Einige Demonstranten sollen Straßenbarrikaden auf dem Weg zum alevitischen Gotteshaus errichtet haben. Dort begann um 12 Uhr Ortszeit die Trauerfeier für den Jungen.

Nach der Zeremonie und einer Prozession von der Sisli Moschee soll der 15-Jährige auf dem Feriköy Friedhof beerdigt werden. Danach sollen dem Blatt zufolge einige Gruppierungen zu einem Marsch auf den Taksim Platz aufgerufen haben. Die Polizei soll Anweisung haben, eine Versammlung dort wie schon in der Nacht zuvor zu unterbinden. Mittlerweile wurde auch der Gezi Park und die Hauptstraße zum Şişli Platz abgeriegelt. Neun Polizeibusse patroullieren zwischen Taksim und Şişli.

Im Lauf der vergangenen Monate war der Junge zu ene Symbol für das rigide Vorgehen der türkischen Sicherheitskräfte während der Gezi Park Proteste im Sommer 2013 geworden. Wie seine Familie angibt, war er damals zufällig zwischen die Fronten geraten, als er sich gerade auf dem Weg zum Bäcker befunden hatte.

Für Premier Erdoğan bedeutet der Tod des Jungen nun eine zusätzliche Verschärfung der ohnehin schon angespannten Situation. Schon im Zuge der Gezi Park Proteste war er für die teils unverhältnismäßig harten Polizeieinsätze international gerügt worden. Nach Ansicht von Amnesty International hat die türkische Polizei zu jener Zeit gleich „eine ganze Reihe von Menschenrechtsverletzungen“ begangen (mehr hier). In ihrem Bericht vom vergangenen Oktober kristisiert die Menschenrechtsorganisation, dass die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Die Opfer der Gewalt leiden unterdessen noch immer.

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