Proteste in der Türkei: Unternehme​r baut Geschäfte in Bürger-Laz​arette um

Der größte Textilunternehmer der Türkei erwartet eine Neuauflage der Gezi Park Proteste. Deshalb lässt er seine Geschäfte in Istanbul in „Lazarette“ umfunktionieren. Diesmal sollen die Regierungsgegner auf den Straßen nicht alleine gelassen werden.

Der türkische Textilunternehmer Cem Boyner hat seine Mitarbeiter in einer Rundmail damit beauftragt, seine Geschäfte in Istanbul in Lazarette umzufunktionieren.

Das Tagesgeschäft soll am Mittwoch und am Donnerstag ausgesetzt werden. Die Mitarbeiter sollen darauf vorbereitet sein, vor der Polizei flüchtende Demonstranten aufzunehmen und zu versorgen.

Die Tageszeitung Hürriyet zitiert Boyner:

„Alle Wi-Fi-Passwörter in den Geschäften werden ausgesetzt. Die Bürger sollen die Möglichkeit haben, untereinander zu kommunizieren. Lagert ausreichend Nahrungsmittel, Wasser und Medizin für die Bürger. Gott möge dieses schöne Volk schützen.“

Nach der Veröffentlichung der Rundmail, hat die Pressestelle der Firma des Unternehmers ebenfalls eine Mitteilung aufgesetzt.

Der Aufruf Boyners dürfe nicht falsch verstanden werden. Angesichts der vergangenen Erfahrungen wolle die Boyner Holding vorbereitet sein. Lediglich die Bedürfnisse der Bürger sollen gestillt werden.

Offenbar steht die Türkei vor einer Neuauflage der Gezi Park Proteste.

Die Stimmung im Land ist angesichts des Todes 15-jährigen Berkin Elvan aufgeheizt (mehr hier). Wie schon am Dienstag, geht die Polizei auch an diesem Mittwoch mit Wasserwerfern und Tränengas gegen die Menschenmassen vor. Einige weigern sich, den Taksim Platz zu verlassen.

Elvan wurde während der Gezi Park Proteste von einer Gasbüchse getroffen. Er befand sich anschließend neun Monate in Koma. Am Dienstag starb der 15-Jährige im Hauptstadt-Krankenhaus Okmeydanı.

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