Erinnerung an Berkin Elvan: User versenden über 14 Millionen Tweets

Nicht nur auf den Straßen haben sich am Dienstag und Mittwoch Zehntausende versammelt, um dem 15-jährigen Gezi Park Opfer Berkin Elvan zu gedenken. Auch im Internet formierte sich eine breite Front. Im Laufe des 11. und 12. Märzes versendeten die User mehr als 14 Millionen Tweets. Solche Zahlen gab es zuletzt im Sommer 2013.

Das Schicksal von Berkin Elvan hat nicht nur zu Massenprotesten auf türkischen Straßen geführt. Auch auf Twitter sorgte sein Tod am 11. März nach 269 Tagen im Koma für eine Welle der Solidarität.

„Nach der enormen Social Media-Aktivitäten während der Gezi Park Proteste im Juni letzten Jahres, als Elvan verletzt wurde, ist das ein Rekord für Twitter in der Türkei“, schreibt die türkische Zeitung Hürriyet an diesem Donnerstag. Gemäß den Daten von Keyhole, einem Echtzeit Hashtag-Tracker für Twitter, wurde allein der Hashtag #BerkinElvanÖlümsüzdür ganze 11,9 Millionen mal getwittert. 57 Prozent aller Tweets zum Tod des Jungen wurden von anderen Usern retweetet.

Tweets erreichen 70 Millionen Menschen

„Dank solcher Zahlen erreichten die Tweets rund 70 Millionen Menschen auf der ganzen Welt“, so das Blatt weiter. Zum Vergleich: Während der Gezi Proteste wurden gut 20 Millionen Tweets pro Tag verschickt. Es gibt zwölf Millionen Twitter-Nutzer in der Türkei. Mit der jüngst verschärften Internetgesetzgebung hat sich für diese die Situation nun aber grundlegend geändert. Die türkische Aufsichtsbehörde für Telekommunikation (TİB) hat mittlerweile die Funktion eines Internet-Watchdogs und wird nun damit beginnen, alle Tweets zu archivieren. Derzeit werde nach einem geeigneten Partnerunternehmen gesucht, um ein regelrechtes Twitter-Archiv aufzubauen.

Proteste fordern zwei Todesopfer

Erst in den frühen Donnerstagmorgenstunden kamen in der Türkei die teils heftigen Proteste (mehr hier) zum Erliegen. Die türkische Polizei ging rigoros gegen die Demonstranten vor und machte ein ums andere Mal von Wasserwerfern und Tränengas Gebrauch. Dabei ereigneten sich auch dramatische Zwischenfälle. So wurde etwa in Ankara eine Person aus nur zwei Metern Abstand von einem Wasserwerfer getroffen. Der Mann wurde ernsthaft verletzt und bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert. Früher am Abend wurde ein junger Straßenhändler vor einem beliebten Kaffeehaus in Taksim von einem Tränengaskanister am Kopf getroffen. Der 17-Jährige kam mit einigen Gesichtsfrakturen davon.

Im Zuge der Unruhen kamen auch zwei Personen zu Tode. Ein 30-jähriger Polizist verstarb während eines Tränengas-Einsatzes in der Provinz Tunceli. In Istanbul wurde der Anwohner Burak Karamanoğlu mit einer Schusswaffe getötet (mehr hier).
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