Vater von Berkin Elvan: Sein Mörder könnte binnen einer Stunde gefunden werden

Der Vater des am Dienstag verstorbenen Gezi Park Opfers, Berkin Elvan, ist überzeugt: Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan könnte den Verantwortlichen für diese Tragödie schnell präsentieren. Der Politiker solle nun beweisen, dass er „ein Gewissen“ habe.

In einem TV-Interview mit dem türkischen Privatsender CNNTürk meldete sich Sami Elvan am späten Abend des 12. März zu Wort. Im Gespräch mit Moderator Enver Aysever zeigte sich der Vater sicher. Falls der türkische Premier es wünsche, könnte der Mörder von Berkin binnen einer Stunde gefunden werden.

„Wenn wir Bürger dieses Landes sind, wenn wir unter dieser Flagge leben, wenn ich diesem Staat Steuern zahle (…) Berkin ging los, um Brot zu kaufen (…). Ich appelliere an den Premierminister. Er kann den Mörder meines Sohnes in einer Stunde liefern, wenn er will“, so Sami Elvan. Erdoğan habe die Anweisung gegeben. Die Polizisten seien seine Lakaien. Er habe den Befehl gegeben. Es sei dieselbe Situation wie bei den anderen sieben Opfern, die während der Gezi Park Proteste getötet wurden.

Sami Elvan appelliert an Gewissen des Premiers

Elvan warf Erdoğan den Hinterbliebenen derjenigen, die in Ägypten gestorben seien, sein Beileid ausgesprochen zu haben. Ihnen diese Geste aber nicht zuteil wurde. Weder hätte sie ein Regierungsvertreter höherer oder niederer Ebene bei ihnen gemeldet, als sich der Zustand seines Sohnes verschlechtert habe. Für den Familienvater bedeutet das, dass sie somit nicht Bürger dieses Landes seien. „Jedes Mal, wenn unser Premier spricht, redet er über Religion. Wenn er ein Gewissen hat, muss er den Mörder meines Sohnes liefern. Ich möchte glauben , dass er das tut“, so Sami Elvan weiter.

Herr Elvan kündigte außerdem an, dass er Berkins tägliches Taschengeld künftig in einem Schuhkarton vor dem Haus der Familie ablegen werde. Alle, die in Not seien, könnten sich bedienen. In einem Gespräch mit BBC Newshour erklärte er: „Ich will, dass er als Kind, das durch den Staat getötet wurde, im Gedächtnis bleibt. Er war nur ein unschuldiger Junge, der getötet wurde, als er ging, um Brot zu kaufen.“

Hacker knacken Twitter-Account von Erdoğans Spitzenberater

Unterdessen, so Russia Today, hat sich auch ein türkisches Hacker-Kollektiv in den Fall um den 15-jährigen Teenager eingemischt und kurzzeitig den Twitter-Account des politischen Spitzenberaters von Erdoğan, Mustafa Varank, geknackt. An seiner statt posteten sie dort Solidaritätsbekundungen und tauschten das Bild von Varank gegen eines des Jungen aus. In einer der Nachrichten hieß es: „Wir wissen, wer Elvans Mörder ist.“ Dazu wurde eine Fotografie Erdoğans versandt. Darunter die Zeile „Ich habe der Polizei die Anweisung gegeben.“

Bei den Demonstrationen am Dienstag und Mittwoch soll es offenbar nicht bleiben und der Druck auf den Premier im Vorfeld der Kommunalwahlen weiter erhöht werden. Erdoğan selbst trat am Mittwoch in Mardin erneut verbal um sich, in dem er erklärte:

„Der Versuch, die Straßen 18 Tage vor den Wahlen in Brand zu stecken, ist keine demokratische Haltung. Ich appelliere an die Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften und NGOs, die solche Vorfälle provoziert haben, Verantwortung zu zeigen. Wer Probleme hat, der sollte sie am 30. März an der Urne lösen.

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