Mysteriöser Fund: 200 „türkische Flüchtlinge“ in Thailand entdeckt

Die Polizei in Thailand hat 200 mutmaßliche türkische Flüchtlinge in einem geheimen Lager im Süden des Landes aufgespürt. Den Behörden zufolge ist der Fall „beispiellos“. Wie die Leute nach Thailand gekommen sind und wer sie wirklich sind, ist bisher allerdings unklar.

Thailand ist seit langem eine Drehscheibe für Menschenhandel. Allein in den vergangenen Jahren sollen Tausende Rohingya Muslime aus dem benachbarten Myanmar über das Königreich geflohen sein. Die 200 jetzt aufgespürten Flüchtlinge geben sich den Behörden gegenüber selbst als Türken aus. Sie wurden bei einer Razzia am Mittwochabend in der südlichen Provinz Songkhla festgenommen. Wer sie wirklich sind, darüber kann derzeit allerdings nur spekuliert werden.

„Es ist ein beispielloser Fall, dass so viele türkische Leute hier festgenommen wurden“, zitiert AFP den Polizei-Generalmajor Thatchai Pitaneelaboot. Die Menschen seien als Familien gekommen und lebten in zwei Kautschukplantagen. Alles sähe danach aus, als würden sie irgendwohin unterwegs sein. Sämtliche Habseligkeiten seien für eine Weiterreise bereit gewesen. Während der Razzia hätten einige Aufpasser fliehen können.

Wie die Leute nach Thailand gekommen sind, ist bisher nicht klar. Derzeit würde die Polizei auf einen Dolmetscher warten, um die Gruppe befragen zu können, so die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Wegen eines Verbrechens wurden die Leute übrigens bisher nicht angeklagt. Die türkische Botschaft weiß nichts über die mysteriöse Gruppe. Das UN-Flüchtlingswerk hat bisher noch nicht reagiert.

Nach Einschätzung des Gouverneurs von Songkhla, Grisada Boonrach, handle es sich ihrer Kleidung zufolge um Muslime. Doch ihre Herkunft sei bis dato noch nicht einwandfrei festgestellt. Mittlerweile befänden sich alle im Immigration Detention Center in der Nähe des internationalen Flughafens Hat Yai. Wie ein hochrangiger Beamter des Innenministeriums der Nachrichtenagentur Anadolu erklärte, glaube er allerdings nicht, dass es sich bei den 123 Männern, 45 Frauen und 52 Jugendlichen unter 18 Jahren um Rohingya handle. Ihr Teint sei zu hell. Er tippt daher eher auf eine Herkunft aus Zentralasien.

Erst im Januar haben die thailändischen Sicherheitskräfte ebenfalls im Süden des Landes mehr als 500 Rohingya-Flüchtlinge in einem Lager festgenommen. Dieses stand im Verdacht, Umschlagsplatz für Menschenhandel zu sein. Tausende Rohingya, die von den Vereinten Nationen als eine der weltweit am meisten verfolgten Minderheiten betrachtet werden, sind seit 2012 in klapprigen Booten aus dem benachbarten Myanmar hierher geflüchtet. Die meisten von ihnen wollten weiter in Richtung Malaysia.

Schon im vergangenen Jahr kündigte Thailand an, dass man Vorwürfen nachgehen würde, wonach einige Armee-Vertreter in den Menschenhandel mit Rohingya involviert seien. Die Türkei unternimmt bereits seit Jahren intensive Anstrengungen, um die Probleme der Rohingya-Muslime zu lösen. Mehrmals gab es Besuche hochrangiger Regierungsvertreter (mehr hier). Konkret wird versucht, via gemeinsamer Initiativen mit internationalen Organisationen die Situation zu verbessern (mehr hier).

Seit Juni 2012 starben bei den Unruhen in Myanmar 280 Menschen (mehr hier). 140.000, überwiegend Rohingya, wurden vertrieben und leben nun teils unter erbärmlichen Bedingungen in diversen Lagern.

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