Protest-Opfer: Familien wollen politische Instrumentalisierung nicht zulassen

Der Tod ihrer Söhne hat sie verbrüdert: Sami Elvan und Halil Karamanoğlu wollen nicht, dass das Schicksal ihrer in Okmeydanı verstorbenen Kinder politisch ausgeschlachtet wird. Darauf einigten sich die beiden Männer in einem Telefonat. Die Todesnachricht von Berkin Elvan und Burak Can Karamanoğlu hatte in der Türkei zu neuerlichen Massenprotesten geführt.

Der 15-jährige Berkin Elvan und der 22-jährige Burak Can Karamanoğlu sind tot. Beide starben in Folge von Protesten. Beide Fälle sorgten dafür, dass nicht nur die Menschen auf den Straßen, sondern auch die politische Stimmung kurz vor den Kommunalwahlen Ende März aufkochte. Für die beiden Väter ist klar: Damit muss Schluss sein.

„Berkins Elvan Vater Sami Elvan, telefonierte mit Onkel Halil, dem Vater von Burak Can (…) und sprach ihm sein Beileid aus“, teilte die Familie von Elvan über Twitter mit. Die beiden Väter sagten: „Ihr Sohn ist mein Sohn“ und teilten ihre Trauer.

Schmerz und Trauer darf nicht zu weiterem Hass führen

Burak Cans Vater kündigte an, Sami Elvan nach seiner Rückkehr aus Giresun, wo sein Sohn nun beigesetzt wurde, treffen zu wollen. Beide Männer sagen, dass der Schmerz über den Verlust eines Kindes mit nichts zu vergleichen wäre. Beide wollen nicht zulassen, dass ihr Schmerz und ihre Trauer als politisches Instrument missbraucht werde, um in der Gesellschaft weiteren Hass zu schüren. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Berkin Elvan wurde bei den Gezi Park Protesten im Sommer vergangenen Jahres in Okmeydanı von einer Gaspatrone der Polizei am Kopf getroffen und starb am 11. März nach 269 Tagen im Koma. Der 22-jährige Burak Can Karamanoğlu wurde Opfer der darauf hin aufflammenden Proteste. Er starb am 12. März durch einen Schuss. Noch ist sein Täter nicht gefasst. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan zufolge sei der junge Mann jedoch Opfer der Revolutionären Volksbefreiungspartei-Front DHKP-C geworden. Auf das Konto der Gruppierung gingen unter anderem ein Selbstmordanschlag auf die US-Botschaft im vergangenen Jahr sowie Angriffe auf türkische Polizeistationen. Die DHKP-C selbst bekannte sich am 13. März. Sie rechtfertigte die Tat als Verteidigung gegen „zivile Faschisten“. Aus dem Gouverneursbüro in Istanbul heißt es derzeit jedoch, der Angreifer sei bisher unbekannt.

Kommunalwahlen erster großer Test für Erdoğan

Erdoğan gerät durch die neuerlichen Proteste immer stärker unter Druck. Am Donnerstag verurteilte er die neuerlichen Anti-Regierungs-Demonstranten als „Scharlatane“, die im Vorfeld der Kommunalwahlen für Chaos sorgen wollten. Wie schon im Zusammenhang mit dem Korruptionsskandal wittert der AKP-Mann eine Verschwörung, die sich explizit gegen ihn und seine Partei richtet. Die anstehenden Kommunalwahlen sind nun der erste große Test für seine Popularität seit den Unruhen im Sommer 2013.

Der Tod des 15-jährigen Gezi Park Opfers Berkin Elvan hatte die Türkei in dieser Woche erneut in Aufruhr versetzt. Mehr als zwei Millionen Menschen aus 53 Provinzen gingen auf die Straße. Im Laufe von nur zwei Tagen verschickten sie mehr als 14 Millionen Tweets (mehr hier). Auch im Ausland zeigten sich Demonstranten solidarisch. Mahnwachen gabe es von New York bis Hamburg. Die ohnehin aufgeheizte Stimmung verschärfte sich anlässlich der Beerdigung des 22-Jährigen erneut. Während des Trauermarsches gerieten die Menschen abermals aneinander (mehr hier).

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