Auch 1000 Schulstunden helfen nicht: 90 Prozent der türkischen Schüler fallen in Englisch durch

Mehr als 90 Prozent der türkischen Schüler kommen auch nach 1.000 Stunden Englisch-Unterricht nicht über grundlegende Sprachkenntnisse hinaus. Das geht aus einem gemeinsamen Bericht des Bericht des British Council und der Stiftung für wirtschaftspolitische Forschung in der Türkei (TEPAV) hervor. Die Fachleute raten dringend, die Lehrpläne und Schulbücher zu überarbeiten. Nur so könne die Motivation der Kinder gesteigert und deutlich besser auf sie eingegangen werden.

Die Mehrheit der türkischen Schüler ist nicht in der Lage, ihre Englischkenntnisse zu verbessern. Ausschlaggebend für ihre Misere ist jedoch nicht etwa mangelndes Talent. Der Grund hierfür ist in den schlechten Sprachunterrichtsmethoden an den staatlichen Schulen zu suchen. Zu diesem Ergebnis kommt ein gemeinsamer Bericht des gemeinnützigen British Council und der Stiftung für wirtschaftspolitische Forschung in der Türkei (TEPAV).

Die Englisch-Kenntnisse von mehr als 90 Prozent der türkischen Schüler bleiben auf der untersten Ebene stecken und können selbst nach 1000 Stunden Ausbildung nicht verbessert werden, so das Fazit des Berichts mit dem Titel „National Requirement Analyses for English Training at State Schools“. Die Unterrichtsmethoden gingen nach Ansicht der Experten nicht wirklich auf die Schüler ein. Die Folge: Die Schüler besuchen zwar den Unterricht, gelernt wird aber trotzdem nicht.

Schüler schätzen sich selbst falsch ein

Der Bericht stellte fest, dass über 95 Prozent der türkischen Schüler in staatlichen Schulen nicht auf mündlich vorgetragene Fragen auf Englisch antworten können, obwohl sie mindestens 920 Stunden Englischunterricht im Laufe der vergangenen sieben Jahre bis zur zehnten Klasse erhalten hätten. Ohnehin glauben nur 74 Prozent der Schüler, dass Englisch unbedingt in der Schule gelernt werden sollte. Ihre Eltern sind hier mit 94 Prozent deutlich anderer Ansicht. Allerdings bewegen sich die Englischkenntnisse von 84 Prozent der Eltern auf dem oder gar niedrigerem Niveau als der Einführungebene. Interessant zudem: 60 Prozent der Schüler schätzen sich selbst besser ein, als sie tätsächlich sind. Sie glauben, ihre Sprachfertigkeiten seien durchaus auf mittlerem Niveau.

Dem Report zufolge seien 15 Prozent aller Klassenräume mittlerweile mit Smartboards und Tablet-Computer ausgestattet (mehr hier). Doch die modernen Lehrmittel führen offenbar nicht zum Ziel: Im so genannten English Proficiency Index (EPI) schafft es die Türkei auf Rang 41 von insgesamt 60 aufgelisteten Ländern. Überraschen dürfte der aktuelle Bericht jedoch nicht. Bereits 2012 schnitten die türkischen Schüler beim Test of English as a Foreign Language (TOEFL) mit durchschnittlich 75 von 120 Punkten nicht so berauschend ab. Die Kinder befanden sich auf Augenhöhe mit Sudan und Äthiopien.

Lehrpläne und Bücher an den Schülern vorbei

Erschwerend kommt hinzu, dass die Motivation der Schüler mit zunehmendem Alter offenbar stetig schwindet. Der Unterricht, so der Bericht, werde für sie immer langweiliger. Sagen noch 80 Prozent der Fünftklässler, dass sie diesen mögen, sind es in der zwölften Klasse nur noch 37 Prozent. Im Zuge dessen stellten die Fachleute auch fest, dass sowohl die Lehrpläne als auch Lehrbücher an den unterschiedlichen Anforderungen der Schüler vorbeigingen und dringend überarbeitet werden müssten.

Der British Council und die TEPAV haben ihre Erhebungen in insgesamt 48 Schulen durchgeführt. Mit der Genehmigung des Bildungsministeriums wurden 1.394 Eltern und 19.380 Schüler in Städten wie Ankara , Antalya, Balikesir, Diyarbakır, Erzurum, Gaziantep, Istanbul, Izmir, Kayseri, Malatya, Samsun und Trabzon untersucht, so die türkische Zeitung Hürriyet. Entsprechend wurde der Report anschließend auch an den türkischen Bildungsminister Nabi Avcı übersandt.

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