Linda, Alice oder Sandy: Saudi Arabien verbietet 51 Babynamen

Das ultrakonservative Saudi Arabien sorgt erneut für Irritation. Diesmal sind nicht allein Frauen das Ziel von Restriktionen. Das Innenministerium hat sich neuerdings auf die Namenswahl für saudi-arabische Kinder konzentriert. Weil sie vermeintlich nicht der Kultur und Religion des Königreichs entsprechen, wurden jetzt ganze 51 verboten.

Augen auf bei der Namenswahl lautet künftig das Credo in den Saudi Arabien. Eltern im Königreich ist es offenbar nicht mehr erlaubt, ihren Kindern Namen wie Linda, Alice, Elaine oder Binyamin (arabisch für Benjamin) zu geben. Die Abteilung für zivile Angelegenheiten des hiesigen Innenministeriums hat am Donnerstag eine entsprechende Liste mit Namen veröffentlicht, die künftig tabu sind.

Einige Namen auf der Liste, die vom Innenministerium verboten worden sein sollen, gelten den Behörden offenbar als „blasphemisch“,  nicht-arabischen oder nicht-islamischen Ursprungs oder als widersprüchlich zur Kultur oder Religion des Königreichs, so The Independent. Einige wurden jedoch auch als fremd bzw. „unangemessen“ erachtet, so die Saudi Gazette, oder haben königliche Konnotationen wie Sumuw (Hoheit), Malek (König) und Malika (Königin).

Die Liste enthält aber auch Namen, die ohne jeglichen Grund auf ihr gelandet sein müssen und somit viel Raum für Spekulationen liefern. Im Falle von Binyamin handelt es sich zwar um den Sohn des Propheten Jakob, es ist aber auch der Name der aktuellen israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu. Bei Abdul Nasser scheint die Verbindung ebenfalls eher politischer Natur. Von 1952 bis 1954 war er Ministerpräsident von Ägypten. Verboten sind:

Malak, Abdul Ati, Abdul Nasser, Abdul Mosleh, Nabi, Nabiya, Emir, Somu, Al-Mamlaka, Malika, Mamlaka, Tabaraka, Nardeen, Maya, Linda, Randa, Basmalah, Tuleen, Arm, Nareej, Rital, Als, Sandi, Rama, Maleen, Eleen, Alas, Ainar, Loran, Malkiteena, Lareen, Kibriyal, Laureen, Binyameen, Narees, Yara, Sitaf, Aileen, Loland, Tilaj, Barah, Abdul Nabi, Abdul Rasool, Jibreel, Abdul Mo’een, Abrar, Milak, Aiman, Bayan, Baseel und zu guter letzt Rilam.

So befremdlich dieses Vorgehen erscheinen mag, allein ist Saudi Arabien mit dieser Praxis nicht, so die Washington Post. So wurde im vergangenen Jahr eine Liste von Namen bekannt, die die Regierung Neuseelands nicht genehmigt hatte. Darunter etwa Lucifer, 4Real und Majestät. Auch Schweden wurden Namen wie Ikea, Veranda oder Brfxxccxxmnpcccclllmmnprxvclmnckssqlbb11116 gemäß dem schwedischen Namensrecht abgelehnt. Dieses wurde bereits 1982 eingeführt, um falsche Adelstitel auszumerzen. Heute dient es jedoch dazu Namen zu verhindern, die Anstoß erregen oder gar Ärger heraufbeschwören könnten. Ein ähnliches System wie in Neuseeland gibt es auch in Deutschland, Dänemark und Norwegen.

Das Verbot in Saudi Arabien hat jedoch einen faden Beigeschmack. Die Repressionen gegen die Bevölkerung nehmen stetig zu. Beobachter werten den jüngsten Erlass daher auch als weiteren „Teil eines umfassenderen Vorgehens gegen alles“.

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