Stromverbrauch: Türkischer Konsum in zehn Jahren um fast 80 Prozent gestiegen

Der Energiebedarf der Türkei ist in der vergangenen Dekade sprunghaft angestiegen. Der Stromverbrauch des Landes kletterte um ganze 78 Prozent nach oben. Diese Zahl zeigt einmal mehr: Die Türkei muss sich nach neuen Energiequellen umsehen. Der nun eingeschlagene Weg der Atomkraft könnte jedoch umstrittener nicht sein.

Der Stromverbrauch in der Türkei hat sich binnen einer Dekade rasant entwickelt. Waren es im Jahr 2003 noch 131,9 Milliarden Kilowatt pro Stunde (kWh), schnellte der Konsum im vergangenen Jahr auf fast das Doppelte, nämlich 235 Milliarden. Das geht aus den jüngst veröffentlichten Zahlen des türkischen Übertragungsnetzbetreibers TEİAŞ hervor.

Nach Ansicht des türkischen Energieministers Taner Yıldız wird sich dieser Trend „mit zunehmendem Wohlstand“ auch in den kommenden Jahren fortsetzen. „Die Türkei hat ihren Stromverbrauch seit 2002 verdoppelt. Bis zum Jahr 2023 werden wir unseren Stromverbrauch abermals mit 450 Milliarden Kilowatt pro Stunde fast verdoppeln“, zitiert ihn die türkische Zeitung Hürriyet. Nach Einschätzung der TEİAŞ wird es bereits 2014 weiter steil nach oben gehen. Das Unternehmen schätzt den diesjährigen Verbrauch bereits auf 256Milliarden Kilowatt pro Stunde.

Istanbul verbraucht mehr als acht OECD-Länder

Yıldız zufolge plane die Regierung vor allem in Städte mit hohem Stromverbrauch zu investieren. Darüber hinaus benötige die Türkei jedoch zusätzliche Atom- und Kohlekraftwerke sowie Investitionen in erneuerbare Energien, um den Energiebedarf des Landes zu decken.

Und die Zeit drängt: Istanbul, die in Sachen Bevölkerung und Industrieansiedlung größte Stadt der Türkei, verbraucht derzeit mehr Strom als acht OECD-Länder zusammen. Die Bosporus-Metropole verschlang der TEİAŞ zufolge allein im Jahr 2013 36,8 Milliarden kWh. Zum Vergleich: Laut Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) liegt der Verbrauch von ganz Ungarn bei 34,4 kWh, Dänemark liegt bei 30,4 kWh, die Slowakei bei 28,6 kWh und Irland bei 27,7 kWh.

Binnen eines Jahrzehntes könnte die Türkei selbst Großbritannien, derzeit noch der drittgrößte Stromfresser Europas, überrundet haben und aufgrund seiner boomenden Bevölkerung und Wirtschaft sowie seiner Nähe zu günstigen Erdgas-Ressourcen zugleich zu einem der größten Energiehandelszentren avancieren, so die Nachrichtenagentur Reuters.

Ob die derzeitige Rechnung der türkischen Regierung allerdings aufgeht, bleibt fraglich. Ankara plant durch den Bau von drei Atomreaktoren milliardenschwere Einsparungen im Bereich der Energieimporte. Derzeit ist die Türkei weitgehend abhängig von russischem- und iranischem Gas. Die Regierung erhofft sich binnen eines Jahrzehnts Einsparungen von nicht weniger als 7,2 Milliarden US-Dollar (mehr hier). Trotz internationaler Mahnungen hält die Türkei derzeit unbeirrt an ihrem Atomkurs fest. Der Bau zweier Atomkraftwerke wurde bereits auf den Weg gebracht. Ein drittes AKW steht bereits auf dem Wunschzettel. Die Bevölkerung wird aber offenbar nicht gefragt (mehr hier).

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