Türkisches Obst und Gemüse: Exporteure haben es derzeit besonders schwer

Nicht nur die Witterung macht türkischen Obst und Gemüse-Exporteuren zuweilen einen Strich durch die Rechnung. Es sind vor allem die Strukturen im eigenen Land, gepaart mit den im Ausland herrschenden Regularien, die das Geschäft zusehends komplizierter gestalten.

Strukturelle und klimatische Bedingungen machen den türkischen Obst und Gemüse-Exporteuren das Leben schwer. Zum einen wächst das Misstrauen innerhalb des immer schwerer zu durchblickenden Händlernetzes und lässt sie mittlerweile um das einheitliche Niveau der Exporte fürchten. Sorge bereitet ihn aber auch die diesjährige Zitronenernte. Diese fiel nicht so üppig aus, wie erhofft. Nun muss dem heimischen Markt einiges abgezwackt werden.

„Es ist schwierig für die Exporteure zu kontrollieren, was sie kaufen“, sagt Ayse Ozler von Ozler Ziraat, einem in Adana sitzenden Exporteur Südfrüchte. Innerhalb des Exporteinkauf-Systems gebe es im Augenblick nur unzureichende Möglichkeiten der Kontrolle. Die Exporteure bezögen ihre Produkte von vielen kleinen Anbietern. Entsprechend schwierig sei es, hier einheitliche Standards für alles Obst-und Gemüse einzuhalten, das ins Ausland verkauft werden soll.

Noch schwieriger werde es, wenn diese kleinen Anbieter nicht offen legen würden, mit welchen Substanzen etwa das Wachstum ihrer Pflanzen angeregt werde. „Das kann zu Problemen führen, wenn man zum Beispiel in Ländern in der EU exportiert, die Beschränkungen für Rückstandshöchstgehalte, die in den Produkten vorhanden sein dürfen, haben“, so die Fachfrau weiter. Obendrein werde die Komplexität gesteigert, wenn die Geschäfte in mehreren Kontinenten abliefen. Dann hätten es die Exporteure mit einem regelrechten Minenfeld an Regularien zu tun. Nicht selten würden sich die türkischen Exporteure nämlich nicht einzig auf die EU konzentrieren, sondern auch den Markt im Nahen Osten und Russland bedienen. Werde nach dem Einkauf von Obst und Gemüse dann aber flexibel reagiert und ursprüngliche Pläne geändert, entstünden Probleme mit den Einfuhrbestimmungen. Wie verzwickt es werden kann, zeigte sich im Jahr 2011 angesichts der EHEC-Epidemie (mehr hier).

In einem kleinen türkischen Dorf geht man deshalb einen ganz anderen Weg. Hilfe durch Selbsthilfe und damit auch Spezialisierung lautet nämlich das Motto in Kahramanmaraş. Aufgrund der miserablen wirtschaftlichen Lage hat das Dorf Çığşar seine Landwirtschaft komplett auf die Kirschproduktion umgestellt. Das jährliche Produktionsvolumen beläuft sich auf 10.000 Tonnen. Im Dorf sind insgesamt 3000 Menschen in der Kirschproduktion angestellt. Es wurden zwei große Kalt-Luft Depots errichtet. Insgesamt 70 Prozent der Kirschen werden exportiert. Deutschland ist der wichtigste Absatzmarkt (mehr hier).

Für türkische Zitrusexporteure birgt diese Saison zusätzliche Komplikationen. Die Witterungsbedingungen im vergangenen Oktober und ein vorzeitiger Ernteeabbruch durch Frost verzögerten den Beginn der Saison um etwa sechs Wochen. Als es im Dezember dann endlich los ging, gestaltete sich der Markt entsprechend schwierig. Einen gewissen Bestand für den Export zu sichern, so Ozler, sei nicht immer einfach gewesen. Die Einheimischen hätten die Waren gehortet, die Preise seien rasant gestiegen.

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