Ukraine-Krise: In russischen Banken stecken Milliarden aus dem Westen

Russische Oligarchen, Banken und Unternehmen sind finanziell stark an den Westen gebunden. Gleich mit mehreren Milliarden US-Dollar an Verbindlichkeiten stehen sie in der Kreide. Eskaliert die Krise in der Ukraine, birgt das also Risiken für beide Seiten.

Nach Angaben der russischen Zentralbank lag die Auslandsverschuldung bereits Ende 2013 bei 732 Milliarden Dollar. Allein in den vergangenen zwei Jahren sei diese Summe um 200 Milliarden Dollar angewachsen. Satte 160 Milliarden davon gehen direkt auf das Konto von russischen Unternehmen und Banken. Diese Zahlen zeigen: Die Krise in der Ukraine sollte nicht nur Sorgenfalten auf Seiten der EU und der USA aufkommen lassen. Doch die müssen sich nun wohl überlegen, wie weit ihre Sanktion gegen Russland gehen sollen.

Auch in Anbetracht der sich politisch immer weiter zuspitzenden Situation gehen die Finanzgeschäfte mit dem Westen munter weiter. Erst in der vergangenen Woche tütete der russische Bergbaugigant Metalloinvest eine Export-Finanzhilfe in Höhe von 1,15 Milliarden Dollar mit einer Bankengruppe ein. Unter ihnen befinden sich auch die Deutsche Bank (DB), UniCredit (UNCFF) und ING (IDG), so CNN Money. Kontrolliert wird das Unternehmen von Russlands reichstem Mann und Putin-Anhänger, Alischer Usmanov.

Entsprechend vorsichtig wird der Westen nun auch agieren, wenn es um weitere Sanktionen gegen Russland geht. Bereits am Donnerstag kamen die EU-Staats- und Regierungschefs zusammen, um über mögliche Schritte zu beraten. In der kommenden Woche steht ein Treffen mit US-Präsident Barack Obama an. Die USA und Europa sind sich einig: Durch die De-Facto-Annexion der Krim hat Russland die ukrainische Souveränität verletzt.

Als Reaktion wurden von der EU nun Einreise- und Kontosperren ausgeweitet. Außerdem sei der erste Schritt für mögliche Wirtschaftsstrafmaßnahmen unternommen worden. „Wir haben die Kommission gebeten, dass sie zu solchen möglichen wirtschaftlichen Sanktionen in einem breiten Bereich vorbereitende Arbeiten trifft“, zitiert euractiv Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Nacht zu Freitag nach dem ersten Tag des EU-Gipfels in Brüssel. Gebot der Stunde wird nun sein, sorgfältig zu prüfen, welche Maßnahmen das sein könnten ohne sich selbst ein Bein zu stellen. Immerhin: Europa und Russland haben enge Handels-und Investitionsbeziehungen im Wert von etwa 500 Milliarden Dollar pro Jahr.

Einige Analysten, so CNN Money weiter, hätten bereits davor gewarnt, dass die russische Wirtschaft im Jahr 2014 nach einer bereits erfolgten Verlangsamung des Wirtschaftswachstums nun in Folge der Krise in der Ukraine gar nicht vorwärts kommen werde. Die Risiken für die Kreditgeber in Russland würden bereits wegen der sich verschlechternden Konjunkturaussichten steigen. Wenn sich die Krise verschärfe, würden die europäischen Banken viel mehr verlieren als ihre US-Kollegen. So zeigen die Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, dass die europäische Kreditvergabe an Russland Ende des September 2013 bei 184 Milliarden Dollar bzw. 0,4 Prozent der gesamten Vermögenswerte der Kreditwirtschaft lag. Zum Vergleich: Die US-Exposition belief sich auf nur 37 Milliarden US-Dollar bzw. 0,25 Prozent.

Am stärksten involviert sind demnach die französischen Geldinstitute mit 51 Milliarden US-Dollar. Gefolgt von Italien mit 29 Milliarden, Deutschland mit 24 Milliarden, Großbritannien mit 19 Milliarden und den Niederlanden mit 18 Milliarden.

Doch selbst wenn sich die Maßnahmen Russlands auf die Krim beschränken und härtere Sanktionen ausblieben, könnte die russische Wirtschaft in den kommenden zwei Jahren mehr als ein Prozent ihres Outputs einbüßen, weil ausländische Direktinvestitionen und Kredite ausblieben, so das Institut für International Finance.

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