Doku-Projekt „Hadi Tschüss“: Filmemacher geben Einblick in Geschichte türkischstämmiger Rückkehrer

Was bewegt Menschen, nach vielen Jahren in Deutschland in die Türkei zurückzukehren? Wie ergeht es ihnen, nachdem sie eine oft sichere Existenz gegen eine ungewisse Zukunft eingetauscht haben? Wie schaffen sie es, den kulturellen Spagat Tag für Tag zu meistern? Diesen und vielen weiteren Fragen gehen die beiden Filmemacher Anne Denkinger und Matthias Ditscherlein in ihrem Dokumentarfilmprojekt „Hadi Tschüss“ auf den Grund. Veröffentlicht werden soll der ganz persönliche Einblick noch in diesem Herbst.

In Deutschland fanden sie eine neue Heimat, die allerdings nicht von Dauer war. Jetzt sind sie zurück in der Türkei und kämpfen mit neuen Herausforderungen: Unter der Federführung von Anne Denkinger und Matthias Ditscherlein entsteht derzeit das Dokumentarfilmprojekt „Hadi Tschüss“. Gemeinsam wollen sie die Geschichte von fünf türkeistämmigen Rückkehrern aus Deutschland in die Region Izmir erzählen. Es sind persönliche Einblicke, abseits der Mainstream-Berichterstattung.

„Die Protagonisten erzählen dabei von den Gründen in ein Land zurückzukehren, das oft nur die Heimat ihrer Eltern war, von Schwierigkeiten in Deutschland, bei der Eingewöhnung in der Türkei aber vor allem von dem Schatz, den sie durch das Leben in beiden Ländern gewonnen haben“, so Anne Denkinger.

Es ist ein Film über Menschen, die zwischen Deutschland und der Türkei hin und her gerissen sind. Sie leben im Spannungsfeld zwischen deutschen Tugenden und türkischer Herzlichkeit. Gleichzeitig bietet sich ihnen aber auch die Chance, sich „aus dem kulturellen Fundus zweier Länder zu bedienen.“

Ein Film „abseits der deutschen Integrationsdebatte“

Bereits im Dezember vergangenen Jahres wurden die Dreharbeiten in Izmir erfolgreich abgeschlossen, so die Filmemacherin weiter. Eine zweite Phase soll diesen April folgen. Erzählt wurden die Geschichten von Münevver, Ruhan, Emine, Derya und Necip „abseits der deutschen Integrationsdebatte“. Vielmehr geht es ein halbes Jahrhundert, nachdem Deutschland damit begonnen hat, Arbeitskräfte aus der Türkei anzuwerben, um „persönliche Grenzgänge zwischen der Türkei und Deutschland“.

Finanziert wurde das Projekt bislang vor allem durch Eigenmittel. Unterstützung erfährt „Hadi Tschüss“ jedoch auch durch das Deutsche Generalkonsulat Izmir, die Heinrich-Böll-Stiftung und das Goethe-Institut in Izmir. Nun will das Duo den nächsten Schritt gehen: „Der Film befindet sich derzeit in der Schnitt- und Nachbearbeitungsphase, für deren erfolgreichen Abschluss wir Gelder mittels Crowdfunding akquirieren“, so Anne Denkinger weiter.

Was spricht für sie für einen unsicheren Neustart in der Türkei?

Die Geschichte dieses türkeistämmigen Quintetts ist mittlerweile keine Seltenheit mehr. „Mittlerweile ist die Einwanderungsstatistik rückläufig“, sagen die Filmemacher in ihrem Exposé. 2012 hätten etwa 30.000 türkeistämmige Personen die Bundesrepublik verlassen und plötzlich rückte die Abwanderung hochqualifizierter Türkeistämmiger in den Fokus. Und das, obschon Rückwanderung gar kein neues Phänomen sei.

Das Film-Duo fragt nun direkt nach den Motivationen der Menschen in ihren unterschiedlichen Lebensphasen. Was spricht für sie für einen unsicheren Neustart in der Türkei? Welche Vergleiche werden nun zwischen beiden Ländern gezogen? Das Ziel von Anne Denkinger und Matthias Ditscherlein ist klar umrissen:

„Während in den letzten Monaten eine Vielzahl von Medien über die angebliche Massenabwanderung gut ausgebildeter türkeistämmiger Deutscher berichten, herrscht in der Türkei das Bild der konservativen Auswanderer vor. An Informationen und tieferen Einblicken in deutsch-türkische Lebenswelten mangelt es jedoch.“

Mit „Hadi Tschüss“ wird nun also der Versuch unternommen, den klischeehaften Betrachtungen entgegenzuwirken und im besten Fall mit Vorurteilen zu brechen. Im Herbst 2014 soll der Film der Öffentlichkeit vorgestellt und so ein „wechselseitiger Dialog“ in Gang gebracht werden. Geplant ist auch eine Kino-Tour in der Türkei.

Einen ersten Einblick in das Projekt findet sich unter:

http://www.hadi-tschuess.de

Unter http://www.startnext.de/hadi-tschuess gibt es die Crowdfunding-Kampagne, die noch bis 26. April 2014 läuft.

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