Demographischer Wandel: Junge Türkei altert bis 2023 rasant

Bisher galt die Türkei als ausgesprochen junges Land. Doch bis zum Jahr 2023 könnte sich das nun ändern. Die jüngsten Bevölkerungsprognosen zeigen: Der Anteil der älteren Menschen wird innerhalb von zehn Jahren auf über zehn Prozent ansteigen. Per Definition der UN gilt die Türkei damit bereits als „zu alt“.

Jung, dynamisch und nicht zu bremsen: So stellt sich die Türkei gern nach außen dar. Der niedrige Altersdurchschnitt der Bevölkerung verschafft dem Land so manche Vorteile. Doch der Geburtenrückgang hat bereits eingesetzt. Die Politik versucht gegenzusteuern. Wie sich nun zeigt, gelingt das nur mit mäßigem Erfolg.

Nach Angaben des Türkischen Statistik Instituts (TÜİK) wird sich das Verhältnis von älteren zu jüngeren Menschen in den kommenden Jahren deutlich verschieben. Lag der Anteil jener Personen im Alter von 65 Jahren und mehr im Jahr 2013 noch bei 7,7 Prozent, wird sich dieser im Jahr 2013 auf auf 10,2 Prozent steigern. Die Prognose für 2050 liegt bereits bei 20,8 Prozent, die für das Jahr 2075 gar bei 27,7 Prozent. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Der bisherige Arbeitskräftevorteil und das damit einhergehende größere Wachstumspotenzial (mehr hier) könnten also bald schwinden. Die Anzeichen dafür sind nach Einschätzung der Statistiker überdeutlich: Denn auch der Anteil der älteren Bevölkerung wächst deutlich schneller als die Gesamtbevölkerung. So lag die Wachstumsrate der älteren Bevölkerung im vergangenen Jahr bei 36,2 Prozent, während die  Gesamtwachstumsrate der Bevölkerung in der Türkei bei nur 13,7 Prozent stand, so die TÜİK.

Schon 2023 gilt die Türkei als „zu alt“

Die Definition der Vereinten Nationen macht die Entwicklungsprognose nicht schöner, ganz im Gegenteil: Denn Länder, die einen Anteil an älteren Menschen von acht bis zehn Prozent aufweisen, gelten in der Tat als „alt“. Steigt der Prozentsatz gar über zehn, gelten die Nationen sogar als „zu alt“. Entsprechendes blüht der Türkei also schon in weniger als zehn Jahren. Denn dann ist sie den Vorhersagen von TÜİK mit 10,2 Prozent bereits in der Kategorie „zu alt“ gelandet. Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan versucht dieser Entwicklung mit dem Appell an türkische Familien, wieder mehr Kinder zu bekommen, seit Jahren entgegen zu wirken (mehr hier).

Aus der Norm fällt die Türkei damit allerdings nicht: Weltweit ist der Anteil der Bevölkerung im Alter von 60 Jahren und mehr in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts um zwei Prozent von acht auf zehn Prozent, gestiegen, so die UN. Ihrer Einschätzung zufolge, wird das 21. Jahrhundert gar eine noch schnellere Alterung der Bevölkerung aufweisen, als es im vergangenen Jahrhundert der Fall war.

Der Osten des Landes ist ausgesprochen jung

Das Durchschnittsalter der türkischen Bevölkerung von 30,4 Jahren im Jahr 2013 wird also steigen. Mit all seinen Konsequenzen: So bedeutet die Verschiebung des Jung-Alt-Verhältnisses für die Türkei vor allem eine zunehmende Zahl von potenziellen Empfängern von Gesundheits-und Pensionsfonds, die dann einer immer kleineren Anzahl von potenziellen Beitragszahlern gegenüberstehen wird. Nach oben klettern wird entsprechend auch die Altersabhängigkeitsquote, die die Zahl der älteren Menschen im nicht-erwerbsfähigen Alter je 100 Personen misst. Lage diese 2013 bei elf, wird sie 2030 bereits bei 19 liegen. Der TÜİK zufolge würden „Sozialtransfers“ mit der Zeit zur wichtigsten Einnahmequelle dieser älteren Menschen.

Die türkische Provinz, die derzeit den höchsten Anteil an älteren Menschen hat, ist die Schwarzmeer-Provinz Sinop mit 16,7 Prozent. Ihr folgt Kastamonu mit 15,7 Prozent und Çankırı mit 14,3 Prozent. Auf der anderen Seite scheinen die östlichen Provinzen der Türkei den niedrigsten Anteil älterer Menschen zu haben. So liegt dieser in Hakkari bei nur 2,8 Prozent, in Sirnak bei drei Prozent und 3,2 Prozent in Van.

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