Syrischer Jet-Abschuss: Militäraktion geschah vor laufender TV-Kamera

Der Moment, als ein türkischer F-16-Kampfjet eine syrische MiG-23 abgeschossen hat, wurde live im türkischen Fernsehen eingefangen. Die Maschine soll den türkischen Luftraum verletzt haben. Syrien bestreitet das. Bereits zwei Vorfälle dieser Art sorgten in der Vergangenheit für massive Spannungen.

Der Jet-Abschuss am Sonntag wurde offenbar zufällig von einer TV-Kamera eingefangen. Habertürk TV sendete gerade ein Live-Programm von der türkisch-syrischen Grenze, als es zu dem Zwischenfall kam. Korrespondent Murat Karataş und sein Kameramann Hasan Dönmez unterbrachen darauf hin ihre Sendung, um das rauchende Wrack auf der syrischen Seite der Grenze zu filmen. Das Brüllen der türkischen Jets war da noch immer zu hören.

Türkische Kampfjets schossen den syrischen Jet am 23. März ab, nachdem dieser in türkischen Luftraum eingedrungen sei, so der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan ausgerechnet während einer Wahlkampfveranstaltung in Kocaeli. „Sie [syrische Jets] haben unsere Grenzen, unseren Luftraum verletzt. Unsere F-16 stiegen auf und holten ein Flugzeug herunter. Ich gratuliere unseren Streitkräften, unseren ehrenvollen Piloten und vor allem dem Chef unseres Generalstabes“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet den Premier. Wer in den türkischen Luftraum eindringe, müsse auch mit einer harten Antwort rechnen.

Zwei syrische MIG-23-Kampfflugzeuge näherten sich etwa 13.00 Uhr dem türkischen Luftraum entlang der türkisch-syrischen Grenze. Während eine der Maschinen ihren Kurs nach viermaliger Warnung änderte, verletzte die zweite etwa um 13.13 Uhr den türkischen Luftraum um gut einen Kilometer. Dann sei der Jet weiter Richtung Westen geflogen und nach Angaben des Büros des türkischen Generalstabschefs etwa eineinhalb Kilometer in die Türkei vorgedrungen.

Syrische Seite bestreitet Grenzverletzung

Der Pilot des abgeschossenen Jets hat den Absturz offenbar überlebt. Er konnte sich mit dem Schleudersitz retten. Von syrischer Seite wird jedoch bestritten, dass die Maschine den türksichen Luftraum verletzt habe. Stattdessen beschuldigt das Regime die Türkei einer „eklatanten Aggression“. Diese sei beispiellos und nicht rechtfertigbar. Das Flugzeug soll auf syrischer Seite Aufständische angegriffen haben.

Im Juni 2012 standen die Dinge genau andersherum. Damals wurde ein türkisches Kampfflugzeug vom Typ F4 durch das syrische Militär abgeschossen. Die Türkei bezeichnete den Vorfall als „feinseligen Akt“ und berief unter Bezugnahme auf Artikel 4 Nato-Charta ein Krisentreffen in Brüssel ein (mehr hier). Der türkische Aufklärer hatte versehendlich den syrischen Luftraum verletzt und war dann in internationalen Gewässern ohne Vorwarnung abgeschossen worden. Syrien hingegen bezeichnete den Abschuss beharrlich als Akt der Selbstverteidigung. Binnen weniger Tage schaukelte sich die Situation hoch. Schließlich schalteten sich auch die EU-Außenminister der Europäischen Union ein und forderten von der Türkei eine besonnene Reaktion auf den Abschuss eines Jets durch syrische Militärs (mehr hier).

Im September 2013 dann der nächste Vorfall. Damals schoss die Türkei einen syrischen Militärhubschrauber an der Grenze ab. Auch er soll sich unrechtmäßig im türkischen Luftraum aufgehalten haben und mehrfach gewarnt worden sein. Der Pilot starb. (mehr hier).

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