Nach dem Jet-Abschuss: Türkisches Militär ist in Alarmbereitschaft

Nach dem Abschuss eines syrischen Jets am Sonntag spitzt sich die Situation an der türkisch-syrischen Grenze immer mehr zu. Nun treffen verstärkt Mörsergranaten auf türkisches Territorium. Der türkische Präsident Abdullah Gül macht deutlich: Das türkische Militär befindet sich in Alarmbereitschaft.

Der Jet-Abschuss an der türkisch-syrischen Grenze am vergangenen Sonntag hat die Spannungen in der Region deutlich erhöht. Im Gespräch mit Journalisten in Den Haag am Rande des Atomgipfel erklärte Präsident Abdullah Gül, dass das türkische Militär in Alarmbereitschaft sei. Den Abschuss der syrischen Maschine verteidigte er. Man habe getan, was notwendig gewesen wäre. Im Vorfeld sei klar gewesen, dass die Türkei eine Grenzverletzung nicht tolerieren werde.

42 Grenzverletzungen in vier Monaten

Gül zufolge seien die türkischen Streitkräfte angesichts der gefährlichen Situation im Nachbarland nun zu Land, zu Wasser und in der Luft in Alarmbereitschaft. Nach Angaben der türkischen Streitkräfte (TSK) hätten syrische Flugzeuge und Hubschrauber den türkischen Luftraum in den vergangenen vier Monaten ganze 42 Mal verletzt. „Die Sicherheitskräfte haben die türkische Grenze erfolgreich geschützt, als ein syrisches Flugzeug in unseren Luftraum eindrang“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Abdullah Gül. Das Ganze sei eine nationale Angelegenheit (mehr hier). Er sei zuversichtlich, dass die militärische Führung ihre Pflicht erfüllen werde.

Der abgeschossene syrische Pilot bestreitet das. Wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA berichtet, gebe er an, sieben Kilometer innerhalb syrischen Luftraums abgeschossen worden zu sein. Nach seiner Rettung mit dem Schleudersitz soll er in einem Dorf in der Provinz Latakia Bahluliya gelandet sein.

Mörsergranaten und Schikane: Unruhe an der türkisch-syrischen Grenze

Aktuell ist die Spannung in der Region nach wie vor hoch. So schlugen kürzlich eine Reihe von Mörsergranaten in der Provinz Hatay ein. Türkische Truppen an der Grenze beantworteten darauf hin das Feuer. Das türkische Militär behauptet zudem, dass einer ihrer Kampfjets von syrischer Seite „schikaniert“ worden sei. Der Vorfall soll sich ebenfalls am 23. März ereignet haben, dem Tag, als die Türkei den syrischen Jet abgeschossen hat. Noch ist allerdings nicht klar, ob sich der Zwischenfall davor oder danach ereignet hat.

Unterdessen hat Außenminister Ahmet Davutoğlu scharfe Kritik an der Opposition geübt und einen Zusammenhang zwischen dem Jet-Abschuss und den anstehenden Kommunalwahlen zurückgewiesen. Der Jet-Abschuss am Sonntag wurde von einer TV-Kamera eingefangen. Habertürk TV sendete gerade ein Live-Programm von der türkisch-syrischen Grenze, als es zu dem Zwischenfall kam. Den Vorfall verkündete Premier Recep Tayyip Erdoğan dann ausgerechnet während einer Wahlkampfveranstaltung in Kocaeli (mehr hier).

Davutoğlu hat bereits UN-Chef Ban Ki-moon und NATO-Chef Anders Fogh Rasmussen über den Vorfall informiert. Mittlerweile sei zudem ein Krisenstab eingerichtet worden, der die Entwicklungen im Hinblick auf die Süleyman Shah Grab in Syrien nun genauestens im Auge behalte.

Das Süleyman Shah Grab befindet sich in Aleppo. Doch rechtmäßiger und auch von Damaskus anerkannter Besitzer des Grabs ist die Türkische Republik. Es ist somit türkisches Territorium. Vergangene Woche hatte die Al-Qaida-nahe Terrororganisation Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIL) der Türkei mit der Zerstörung des Grabs gedroht, berichtet die Zeitung Akşam.

Die Türkei habe dort nichts zu suchen. Die beiden türkischen Wachposten seien sofort abzuziehen. Die türkische Flagge sei zu entfernen.

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