Staatsbürger auf Augenhöhe

In Deutschland tut man sich noch immer sehr schwer damit zu akzeptieren, dass hier geborene Kinder mit ausländischen Wurzeln, Deutsche sind. Genauso deutsch wie „Oma Ilse“ von nebenan.

Stichwort Integration. Alleine schon das Wort “Integration” lenkt die altbekannte Debatte um Identität und Zugehörigkeit in eine völlig falsche Richtung. Wer hier geboren und sozialisiert wurde, zur Schule gegangen und somit fester Bestandteil dieser Gesellschaft ist, der kann sich entsprechend der Wortbedeutung nicht mehr integrieren. Man kann auch nicht von der Heimat in der Ferne sprechen, wenn Deutschland doch die Heimat all dieser Kinder und jungen Erwachsenen ist.

Die unsaubere Verwendung der Begriffe Heimat und Integration in der deutschen Mehrheitsgesellschaft ist an sich nicht weiter schlimm. Es impliziert jedoch vor allem eines: dass sich unsere Gesellschaft noch immer schwer damit tut, zu akzeptieren, dass wir – die hier geborenen und aufgewachsenen Kinder von Zuwanderern – keine Ausländer, sondern vollwertige Bürger dieser Republik sind.

Keine Ausländer, sondern richtige Deutsche

„Ausländer“ – auch das Wort wird oft falsch verwendet. Ganz egal ob es juristisch manchmal sogar zutreffend ist für Menschen, die in Deutschland leben und keinen deutschen Pass haben. Für mich ist ein Ausländer aber z.B. ein Tourist, der ein Land besucht und nach ein paar Wochen oder Monaten wieder abreist. Aber doch nicht Kinder, die hier geboren sind. Es klingt so abweisend  dieses Wort für Menschen zu benutzen, die schon immer hier leben.

Unsere Eltern haben einst den weiten und steinigen Weg nach Deutschland auf sich genommen und sind längst angekommen in ihrer neuen Heimat und der Heimat ihrer Kinder. Von denen ein Großteil nun erfolgreich an Universitäten dieses Landes studieren, eine Berufsausbildung ausüben oder sich sonst in vielfältiger Weise für Deutschland einsetzen.

Unsere Eltern waren damals oft nicht auf Augenhöhe mit ihren neuen deutschen Freunden. Einst wunderte sich meine Mutter über die Aussagen einer alten Frau in unserem kleinen Ort im Schwarzwald, in dem meine Geschwister und ich aufgewachsen sind. Die Frau schimpfte damals auf das schlechte Sommerwetter und den andauernden Regen. Meine Mutter wunderte sich, weil Regen in Indien und Pakistan, abgesehen vom Monsun, ein seltenes und erfreuliches Sommerereignis ist.

Sie konnte sich nicht gegen Ungerechtigkeiten verteidigen, weil sie damals noch nicht so gut Deutsch sprechen konnte und vieles einfach noch nicht kannte.

Große Talente, die sich nicht mehr heimisch fühlen

Wir sind hier geboren und aufgewachsen und kennen unser Land. Auch wenn es uns manchmal fremd erscheint, weil es so widersprüchlich sein kann.

So zum Beispiel, wenn Deutschland schrumpft und die Wirtschaft über den Fachkräftemangel klagt. Dennoch fühlt man sich nicht immer gewollt.

Top-Abiturienten und Studenten, deren Eltern ihre Wurzeln im Ausland haben. Es gibt immer mehr von ihnen, die nicht mehr in Deutschland leben möchten und auswandern. Ein Problem, das von den meisten Politikern ignoriert wird. Gut ausgebildete junge Menschen, die deutsch sind und hier dringend gebraucht werden, gehen zurück in die Heimat ihrer Eltern, um dort ihr Glück zu suchen.

Das darf nicht sein! Wir sind deutsch. Wir sind erfolgreich und auf Augenhöhe mit den Jungs und Mädels unserer Generation. Wir sind nun Staatsbürger. Wir sind die neuen Deutschen, die genauso deutsch sind wie all jene ohne Migrationshintergrund. Unser Land braucht uns. Es muss um uns kämpfen und uns sagen: „Ohne euch wollen wir nicht, ohne euch geht es nicht.“

Die Hoffnung bleibt, dass eines Tages verstanden wird, dass wir genauso deutsch sind wie „Oma Ilse“.

Bis dahin gibt es aber noch viel zu tun.

Zum Autor:
Bilal Zafar studiert Betriebswirtschaftslehre (BWL) im Masterstudium an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und ist Stipendiat des ersten Jahrgangs im Programm „Geh Deinen Weg“ der Deutschlandstiftung Integration.

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