Eine Woche Twitter-Blockade: Tweets gehen um fast 50 Prozent zurück

Zunächst haben sich die türkischen Twitter-User offenbar noch gegen die Blockade gesträubt. Nach einer Woche Blockade fällt die Bilanz nun nüchtern aus. Das sukzessive enger schnallen des Regierungsgürtels zeigte Wirkung. Die Wortmeldungen gingen massiv zurück.

Seit Beginn der Twitter-Blockade am 21. März ist die Anzahl der Tweets deutlich zurückgegangen. Geschuldet ist diese Entwicklung vor allem den nachfolgenden Verboten der DNS-Optionen, des hauseigenen URL-Shorteners und von VPN-Anbietern, mit deren Hilfe die Sperre zunächst umgangen werden konnte.

Nach sechs Tagen Sperre scheinen die in den türkischen Medien als „Finetuning des Verbots“ bezeichneten Maßnahmen ihre Wirkung entfaltet zu haben. Den Statistiken des Meinungsforschungsunternehmens semiocast zufolge, sei die Anzahl der Tweets, die aus der Türkei geschickt wurden, in der Tat in den ersten 24 Stunden um ein Drittel, von 1,2 Millionen auf 750.000 gefallen. Am zweiten Tag seien dann 550 bis 600.000 Tweets registriert worden, nachdem zahlreiche DNS-Optionen obsolet wurden. Am 24. März sei die Zahl dann noch einmal leicht nach unten gegangen und landete aufgrund der am Wochenende eingeführten IP-basierten Blockade schließlich bei weniger als der Hälfte der Zahl von vor dem Verbot, so die türkische Zeitung Hürriyet.

Das Geschehen in der Türkei habe sich außerdem auf die weltweit versandten Tweets in türkischer Sprache ausgewirkt: Drei Tage nach Implementierung des Verbots sei deren Anteil von 2,98 auf 1,58 Prozent gefallen.

Die nun veröffentlichten Zahlen widersprechen allerdings Berichten über einen Anstieg der Anzahl der Tweets in der Türkei nach in Kraft treten des Verbots. Das zumindest hatte das US-Außenministerium noch am 24. März erklärt.

Unterdessen hat sich Twitter am Mittwoch noch einmal selbst an die türkische Justiz gewandt und gleich zwei Klage-Anträge wegen des Zugangsverbots eingereicht. Auf der anderen Seite erklärte sich der Kurznachrichtendienst nun aber auch erstmals bereit, bestimmte Inhalte in der Türkei zu blockieren, so das Blatt weiter. Das Unternehmen äußerte sich frustriert, dass die bisherigen Gespräche mit der türkischen Regierung offenbar zu nichts geführt hätten. Nun fordere man noch einmal vor Gericht die Aufhebung der Blockade ein. Das Unternehmen stellte heraus: Es gebe keine rechtliche Grundlage für diese Maßnahme. Man erwarte nun, dass Ankara der aktuellen Entscheidung des Verwaltungsgerichts nachkommen werde (mehr hier).

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