Schlag für Drogenabhängige: Russland stoppt Methadon-Programm auf der Krim

Für Krim-Bewohner, die auf die Ersatzdroge Methadon angewiesen sind, könnte es künftig eng werden. Moskau hat vor, den Stoff auch hier gemäß russischem Recht zu verbieten. Auf der Halbinsel gebe es doppelt so viele Drogenabhängige wie in Russland, so die Argumentation von Viktor Iwanow, Direktor der staatlichen Anti-Drogenbehörde und Ex-KGB-Offizier. Den Betroffenen droht nun nicht nur ein kalter Entzug.

Russland wird Methadon, einen Suchtstoff, der bei der Behandlung von Drogenabhängigkeit verwendet wird, auf der Krim verbieten. Das gab der Chef des russischen Bundesdienstes zur Drogenkontrolle (FSKN), Viktor Iwanow, bekannt. Die Harmonisierung der Halbinsel mit dem russischen Recht könnte jedoch schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen.

Aus russischer Sicht habe sich Methadon zu einem kriminellen Geschäft in der Ukraine entwickelt. Iwanow selbst stellt zudem die Wirksamkeit des Stoffes infrage. Denn diese sei nicht klinisch nachgewiesen, so die Nachrichtenagentur Itar-Tass. Auf der anderen Seite gäbe es jedoch Statistiken, die aufzeigten, dass die Zahl der Todesfälle durch die Einnahme von Methadon sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Großbritannien deutlich gestiegen sei. Die Methadon-Sucht solle demnach viel stärker als die nach Heroin sein.

„Methadon ist kein Heilmittel“, so Iwanow. Praktisch die gesamte Methadonversorgung in der Ukraine würde auf dem so genannten Sekundären Markt ablaufen. Dort würde Methadon als Rauschgift verkauft, ohne dass eine Kontrolle stattfinde. Es habe sich ein regelrechter Schattenmarkt mit völlig überzogenen Preisen entwickelt auf dem sich Kriminelle bereichern würden.

Nach Angaben des FSKN-Chefs seien in der Ukraine rund 200 Millionen US-Dollar für die Methadon-Therapie ausgegeben worden. Russische Spezialisten und deren Kollegen in anderen Ländern, einschließlich den USA, würden Methadon jedoch nicht als Mittel zur effizienten Behandlung anerkennen.

Es gebe doppelt so viele Drogenabhängige auf der Krim wie in Russland, so Iwanow. Insgesamt sei die Drogensituation auf der Halbinsel „schwierig“. Als Gründe nannte er zum einen die herrschende Arbeitslosigkeit. Auf der anderen Seite wären sie auch in der Verfügbarkeit der Ressourcen für die Herstellung sowie die Zirkulation von Methadon in der Ukraine zu finden. Außerdem läge die Krim in der Nähe zur Türkei, die als ein Transitland für afghanische Heroin gelte (mehr hier).

Die Deutsche Aids Hilfe warnte jedoch bereits am Tag nach der Volksabstimmung über einen Anschluss an Russland: „Bei einem Anschluss der Halbinsel Krim an Russland wären Präventions- und Behandlungsprogramme für Drogengebraucher in Gefahr.“ Denn in Russland sei die Substitutionsbehandlung illegal, obwohl die WHO, UNAIDS und das Büro der Vereinten Nationen zur Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) sie als eine der wirksamsten Behandlungen für Abhängige empfehlen würden und obwohl die Substitutionsmittel Methadon und Buprenorphin auf der WHO-Liste der unentbehrlichen Medikamente stünden.

Für die Patienten auf der Krim wird es  nun eng: „Die Vorräte an Methadon und Buprenorphin auf der Krim reichten noch für einen Monat, in einigen Städten nur noch für zwei Wochen“, zitiert die Deutsche Aids Hilfe das internationale Drogengebraucher-Netzwerk INPUD. Substitutionsärzte hätten deshalb bereits mit Dosissenkungen begonnen, heißt es weiter. Was passiert, wenn der Stoff tatsächlich nicht mehr verfügbar ist, weiß die Deutsche Aids Hilfe schon jetzt: Dann seien Substitutionspatienten zur Flucht gezwungen oder müssten die Verletzung ihrer Menschenrechte und eine Verschlechterung ihrer Gesundheit fürchten. Auch die Gefahr neuer Aids- und Hepatisis-C-Fälle steigt. Denn auch die Bereitstellung steriler Spritzbestecke stünde auf der Kippe. „Die plötzliche Einstellung dieser beiden Programme wäre eine Gesundheits- und Menschenrechtskatastrophe für Drogengebraucher auf der Krim“, heißt es hierzu in der Erklärung der INPUD.

Betroffen sind auf der Krim fast 800 Drogenabhängige, die bereits mehrere Jahre lang legal, im Rahmen eines Behandlungsprogramms, Methadon erhalten, so Russia Beyond the Headlines.

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