Wiener Hauptschulen: Kinder muslimischen Glaubens bereits in der Überzahl

Seit kurzem verfügen Österreichs Volksschulen über neue Lehrbücher für den Islamunterricht. Der Mangel an qualifiziertem Lehrpersonal bleibt jedoch bestehen. Die Zeit drängt. Denn schon jetzt gibt es etwa an Wiener Haupt- und Neuen Mittelschulen (NMS) mehr Schüler muslimischen als katholischen Glaubens.

Schulen in Österreich haben Nachholbedarf an qualifizierten Islamlehrern. Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) weist aktuell darauf hin, dass es vor allem in ländlichen Gebieten einen Aufholbedarf gebe. In Wien hat sich das Verhältnis muslimischer und christlicher Schüler an einigen Einrichtungen bereits umgekehrt.

„Mittlerweile besuchen (…) insgesamt mehr Muslime als Katholiken die Haupt- und Neuen Mittelschulen“, berichtet die österreichische Zeitung Die Presse von der Situation in Wien. Konkret seien es 10.734 Kinder und Jugendliche mit islamischem Religionsbekenntnis und 8632 Schüler mit römisch-katholischem. An dritter Stelle lägen demzufolge die 4259 serbisch-orthodoxen Schüler. Viertgrößte Gruppe seien an diesen Schulen die Schüler „ohne religiöses Bekenntnis“.

Anders gestaltet sich dem Blatt zufolge die Situation an den Wiener Gymnasien. „Hier sind die Katholiken die mit Abstand größte Gruppe“, heißt es weiter. 18.345 Gymnasiasten bis zur neunten Schulstufe seien römisch-katholisch. Die zweitgrößte Gruppe seien die konfessionslosen. 10.340 Gymnasiasten hätten überhaupt kein religiöses Bekenntnis. „Der Anteil der muslimischen Kinder und Jugendlichen ist in der AHS relativ gering. Sie stellen mit 5395 Schülern die drittgrößte Gruppe.“ Das sei insofern wenig verwunderlich, da weniger Schüler mit Migrationshintergrund in die AHS gehen würden. Insgesamt würden die Sekundarstufe eins in Wien 26.977 katholische Schüler, 16.129 muslimische und 13.558 Schüler ohne Bekenntnis besuchen.

Zahlen spiegeln demografische Situation der Stadt wider

Deutlich höher sei der Anteil der muslimischen Schüler hingegen an den Wiener Volksschulen: 23.807 sind Katholiken, 17.913 Muslime, 11.119 seien ohne religiöses Bekenntnis. Serbisch-orthodox seiner 6083 Wiener Volksschüler, 2322 Schüler evangelisch. Für die Stadt ist diese Zusammensetzung wenig verwunderlich: „Die Zahlen spiegeln die demografische Situation der Stadt wider“, zitiert das Blatt den Stadtschulrat.

Beim derzeitigen Stand muslimischer Schüler wird es jedoch nicht bleiben. In ländlichen Gebieten ist die Versorgung mit qualifizierten Islamlehrern schon jetzt nicht gedeckt, in der Hauptstadt gerade noch so. Die in Wien lebenden rund 30.000 Betroffenen stehen 172 Religionslehrern gegenüber. Und der Bedarf steigt. In ganz Österreich besuchen rund 66.000 Schüler den islamischen Religionsunterricht. Insgesamt kann dafür auf 570 Lehrer zurückgegriffen werden.

7,8 Prozent Muslime in Wien

Neue Lehrbücher für die Volksschule gibt es nun bereits. Weitere Bände für die AHS-Unterstufe bzw. Neue Mittelschule sind schon in Arbeit. Die Ausbildung der Lehrkräfte wurde in den vergangenen Jahren verbessert. Das Blatt hat sich im Gegensatz zur Zeit der Einführung im Jahr 1982 deutlich gewendet.

„Innerhalb Europas stellt die Behandlung des Islam in Österreich eine Besonderheit dar, denn bereits seit 1912 geht ein eigenes Islamgesetz auf die rechtliche Stellung der in Österreich lebenden Muslime ein“, informiert die IGGiÖ. Heute würden sich in Österreich  338.998 Personen zum Islam bekennen, was einem Prozentsatz von 4,2 Prozent entspricht. Eine hohe Konzentration fände sich demnach in der Bundeshauptstadt. In Wien seien mit 121.149 Personen 7,8 Prozent Muslime zu verzeichnen. Die Islamische Glaubensgemeinschaft ist für sie mit einer ganzen Reihe von Aufgabenfeldern zuständig. Im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit steht jedoch ein Gedanke:

„In der Zusammenarbeit von Männern und Frauen unterschiedlichen Hintergrunds sollen entscheidende Impulse entstehen, eine muslimische Lebensweise als absolut vereinbar mit der persönlichen Identifikation als Teil Österreichs immer breiter auch außerhalb des muslimischen Kreises zu etablieren. Damit geht einher, noch stärker den Dialog mit der Öffentlichkeit zu pflegen. Es gilt, Vorurteile, Klischeevorstellungen und alte Ressentiments durch Information und die Förderung von mehr aktiver Teilhabe von Muslimen am gesellschaftlichen Leben abzubauen.“

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