Abhörskand​al in Ankara: Das sind die Stimmen der türkischen Sicherheit​s-Analyste​n

Mehrere türkische Sicherheits-Analysten haben sich zu dem jüngsten Abhörskandal in der Türkei geäußert. Der Lauschangriff gegen die Staatsspitze des Landes sorgt für Unruhe und Verwunderung.

Der Lauschangriff gegen eine geheime Sitzung des türkischen Außenministers, des Unterstaatssekretärs, des Geheimdienst-Chefs und eines hochrangigen Generals hat in der Türkei für Aufruhr gesorgt.

Bei dem Gespräch ging es um die Frage, wie die Türkei nach Syrien einmarschieren kann, um radikale Islamisten in der Grenzregion auszuschalten. Diskutiert wurde auch über die Möglichkeit, den Einmarsch-Vorwand eigenständig zu schaffen.

Der Raum, in dem das Gespräch stattfand war offiziell abhörsicher. Türkische Sicherheits-Analysten haben ihre Ansichten zum Skandal der türkischen Presse mitgeteilt.

Der ehemalige Geheimagent des türkischen Nachrichtendiensts (MIT), Mahir Kaynak, sagte dem Onlineportal Haber7:

„Diejenigen, die verhindern wollen, dass die Türkei zu einer Regionalmacht heranwächst, haben das Gespräch abgehört und veröffentlicht. In der Vergangenheit wurde die türkische Regierung nicht abgehört. Denn die Türkei befand sich ohnehin weitgehend unter Kontrolle. Das Land befand sich immer in ganz engen strategischen Allianzen. Doch Premierminister Erdoğan verfolgt eine andere Politik. Er wagt die Transformation der Türkei von einem Staat zu einer Regionalmacht. Diejenigen, die das nicht wollen, versuchen diese Ambitionen zu verhindern.“

Der ehemalige Nachrichtendienst-Chef der Generaldirektion für Sicherheit, Bülent Orakoğlu, ist erstaunt über das Ausmaß des Lauschangriffs:

„Zu meiner Zeit gab es weder Militärs noch Politiker, die einen derartigen Lauschangriff unterstützt hätten. Die Türkei befindet sich angesichts dieses Skandals in einer schwachen Position. Der Lauschangriff ist eine offenkundige Gefahr für das Land. Sie versuchen den staatlichen Institutionen einen Image-Schaden zuzufügen. Die Gefahr geht vom Ausland aus.“

Die türkische Ex-Botschafterin Nüzhet Kandemir ist der Ansicht, dass mit derartigen Angriffen immer zu rechnen sei:

„Schuldtragend sind nicht nur diejenigen, die abhören, sondern auch diejenigen, die sich abhören lassen. Was werden nun die Ergebnisse sein? Nun besteht die Gefahr, dass die Türkei im Rahmen der bilateralen und multilateralen Beziehungen einen Vertrauensverlust erleidet. Das ist ein Schlag gegen die Autorität des Landes.“

Der ehemalige Nato-Botschafter der Türkei, Onur Öymen, ist besorgt um den Inhalt des abgehörten Gesprächs:

„Der Inhalt des letzten Gesprächs ist zutiefst beunruhigend. Denn die Türkei wird in die Position eines Kriegs-Provokateurs gebracht. Da gibt es nichts zu verteidigen. Gemäß Artikel 51 der UN-Charta dürfen Waffen nur zum Zweck der Selbstverteidigung benutzt werden.“

Die Bewertungen fallen somit verschieden aus. Doch alle Sicherheits-Analysten sind zutiefst beunruhigt über den Abhörskandal. Es ist nicht auszuschließen, dass in den kommenden Monaten eine Reihe weiterer Geheimgespräche an die Öffentlichkeit gelangen könnten.

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