Autismus: 3D-Bild ermöglicht Diagnose schon im Mutterleib

Unterentwickelte Hirnregionen von Föten sind die Ursache von Alzheimer. Damit wird es bald möglich, neue Diagnose-Methoden zu entwickeln, die sich auf die pränatale Phase konzentrieren. Bislang war Autismus nur durch Verhaltensmuster diagnostizierbar. Der Auslöser der Krankheit bleibt weiter im Verborgenen.

Die Entwicklung von Autismus beginnt bereits im Mutterleib, wenn sich bestimmte Gehirnzellen des Fötus nicht richtig weiter entwickeln. Wissenschaftler halten diese unentwickelten Zellen für den Grund, warum sich Autismus bei Kindern in so vielen verschiedenen Symptomen äußern kann. Autismus ist der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge eine angeborene, unheilbare Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns, die sich bereits im frühen Kindesalter bemerkbar macht.

Wir haben einen neuen Aspekt der Gehirnentwicklung beobachten können, den wir vorher noch nie gesehen hatten. „Daraus ist klar ersichtlich, dass Autismus schon während der Schwangerschaft entstehen muss“, sagte Eric Courchesne von der University of California und San Diegos Autism Center of Excellence einem Bericht von Bloomberg zufolge. Danach beginnt die Krankheit schon im zweiten Trimester.

In diesem frühen Stadium entwickelt sich die Hirnrinde des Kindes in sechs Schichten. Jede Schicht hat ihre eigenen Zellen, ihre eigene Zusammensetzung und übernimmt eigene Funktionen. Nach der Entwicklung hinterlassen Hirnzellen normalerweise spezielle genetische Markierungen. Die unterentwickelten Zellen wiesen diese Eigenschaft nicht auf. Forscher beschreiben ihre Anordnung als „chaotischen Flecken“ (disorganized patches“). Dies könne ein Hinweis darauf sein, warum Alzheimer so viele verschiedene Symptome aufweisen kann.

Die Ergebnisse der Studie, die zuerst im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden, waren nur möglich, weil die Forscher an Gehirnzellen von 11 verstorbenen Kindern forschen konnten. Sie fanden heraus, dass die unterentwickelten Zellen in der Region des Gehirns liegen, die Emotionen, Kommunikation und Sprache steuern sollen.

Bislang wurden Autismus-Studien hauptsächlich mit Magnet-Resonanz-Therapie (MRT) durchgeführt. Wenn Untersuchungen am Gehirn vorgenommen worden, dann waren die Versuchsobjekte meist erwachsen. Noch nie wurden so viele Gehirnproben von Kindern untersucht. Insgesamt wurden über 12.000 Gewebeproben analysiert.

Zur besseren Veranschaulichung entwickelten die Forscher eine dreidimensionale Ansicht der betroffenen Hirnregionen (siehe Video am Ende des Artikels). Darin wird zum ersten Mal veranschaulicht, wie Regionen der Hirnrinde aussehen, die sich nicht normal entwickelt haben.

Durch die Erkenntnis wird es bald möglich sein, neue Diagnose-Instrumente zu entwickeln und Autismus schneller zu erkennen. Bislang konnte die Krankheit immer nur durch die Beobachtung von Verhaltensmustern bei Kleinkindern bestimmt werden.

Zudem wird deutlich, dass zukünftige Studien viel früher ansetzen müssen, um die Krankheit besser zu verstehen. Die Ursache von Autismus bleibt bis dahin ein Rätsel. Die Heilung ist weiterhin unmöglich. Verhaltenstherapien und Medikamente helfen Autisten im begrenzten Ausmaß bei der Kommunikation, beim Lernen und beim sozialen Verhalten.

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