Premiere: Türkische Bürger wählen gleich drei Frauen ins Bürgermeisteramt

Die türkischen Kommunalwahlen am Sonntag haben gleich drei Frauen zu einem historischen Sieg verholfen. Bisher war bei einer solchen Abstimmung keinem weiblichen Kandidaten der Sprung ins Amt eines Metropol-Bürgermeisters gelungen. Die Ergebnisse wurden in entgegengesetzten Teilen des Landes erzielt.

Dreifache Überraschung bei den türkischen Kommunalwahlen. Gleich drei Frauen bekleiden künftig das Amt eines Stadtoberhauptes in einer Metropolregion. Die Damen stammen aus drei verschiedenen Parteien und noch nicht einmal aus derselben Gegend.

Erfolgreich verlief die Kommunalwahl für die AKP-Kandidatin aus Gaziantep, Fatma Şahin, für die BDP-Kandidatin Gültan Kışanak aus Diyarbakır und für Özlem Çerçioğlu, die für die CHP in Aydın ins Rennen ging. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Erstere dürfte auch außerhalb der Türkei einen gewissen Bekanntheitsgrad haben. Immerhin war Fatma Şahin zuletzt Ministerin für Familie und Soziales. Im Zuge der Kabinettsumbildung im vergangenen Dezember (mehr hier) verlor sie jedoch ihren Posten. Neben ihrer zweijährigen Tätigkeit als Ministerin, war sie bereits für drei Amtsperioden als AKP-Abgeordnete im Dienst und erste Frau im Parlament für die Provinz Gaziantep. Angeblich stimmten nun mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten der 1,7-Millionen-Einwohner-Stadt für Şahin.

Auch Kışanak setzte sich im Rahmen ihrer gemeinsamen Kandidatur mit  Fırat Anlı gegen ihre männlichen Rivalen in der kurdisch-dominierten Provinz Diyarbakır durch. Sie tritt nun die Nachfolge von Osman Baydemir als Oberhaupt von 1,5 Millionen Bürgern an. Am anderen Ende des Landes wurde Çerçioğlu wiedergewählt. Schon 2009 konnte sie das Bürgermeisteramt von Aydın erringen. Da die Stadt seit November 2012 ebenfalls als Metropole gilt, ist sie nun neben Kışanak die erste weibliche Metropol-Bürgermeisterin.

Auch andernorts gelang einer Frau der Sprung ins Bürgermeisteramt. So gilt Dilek Hatipoğlu nun als erste weibliche Bürgermeisterin in der Provinz Hakkari.

Die schlechte Repräsentation von Frauen in der türkischen Politik, vor allem in lokalen Regierungsämtern wird seit langem mit Sorge beobachtet. In der Industrie sieht das ganz anders aus (mehr hier). Die BDP und ihre Schwesterpartei HDP begegneten dem Thema nun durch die Nominierung von mehr Frauen. So wurden die Raten von 55,3 Prozent auf 72,8 Prozent nach oben geschraubt. In der AKP sah das jedoch ganz anders aus. Nur 1,15 Prozent der AKP-Kandidaten waren weiblich. Wohingegen  die Rate bei der CHP immerhin 4,32 Prozent  2,51 Prozent bei der MHP betrug.

Nur 14 Prozent der türkischen Parlaments-Mitglieder sind Frauen. Das 79 Abgeordnete von insgesamt 548.

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