Wahlsieg für Erdoğan: Türkische Lira steigt auf neues Jahreshoch

Im Zuge des Korruptionsskandals büßte die Türkische Lira ordentlich an Wert ein. Jetzt ist es ausgerechnet der Sieg der AKP, der ihr zu neuem Schwung verhilft. Am Tag nach den türkischen Kommunalwahlen verzeichnet sie sie den größten Zuwachs unter den Schwellenländern. Auch der türkische Aktienmarkt erholte sich.

In Anbetracht des Wahlsieges der AKP bei den Kommunalwahlen am vergangenen Sonntag konnte sich nun auch die Währung aus ihrem seit Wochen andauernden Tief etwas erholen. Noch vor ein paar Wochen waren es die Querelen genau um jene Partei, die die Lira von einem Rekordtief zum nächsten jagen ließen.

Um 12.48 Uhr Ortszeit legte die Währung in Istanbul um 1,9 Prozent auf 2,1497 je Dollar zu. Das ist der stärkste Wert seit dem 2. Januar 2014. Im Vergleich zum Rekordtief vom 27. Januar, das bei 2,39 Dollar lag (mehr hier), konnte die Türkische Lira nun sogar elf Prozent gut machen. Nach wie vor präsentiert sie sich jedoch 5,8 Prozent schwächer als vor Beginn der Korruptionsuntersuchungen am 17. Dezember 2013. Zeitgleich stieg der Borsa Istanbul-Index um 0,6 Prozent auf den höchsten Wert seit 25. Dezember. Das berichtet Bloomberg.

Nach 13 Jahren an der Spitze scheinen die jüngsten Kommunalwahlen die Macht der regierenden AKP noch einmal gefestigt zu haben. Insgesamt handelt es sich hier um die längste Zeit der politischen Stabilität seit das Mehrparteiensystem 1946 verabschiedet wurde. Unter anderem wegen seiner umstrittenen Säuberungen innerhalb des Polizei- und Justizaparates geriet Premier Recep Tayyip Erdoğan jedoch zuletzt international in die Kritik (mehr hier). Auch nach dem Wahlsieg kündigte er an, weiterhin entschieden gegen „Verräter“ innerhalb des Staates vorzugen.

AKP-Sieg verringert Risiko für Investoren

Warum die Märkte nun derart auf den AKP-Sieg reagierten, ist für Benoit Anne, Leiter der Emerging-Markets-Strategie-Abteilung an der Societe Generale SA in London, klar. Die Märkte blickten nun optimistisch in die Zukunft. Investoren seien nämlich nicht scharf auf erhöhte politische Unsicherheit und Instabilität. Die Reaktion komme also einer Neubewertung des politischen Risikos in der Türkei nach unten gleich.

Der Premier selbst machte Verbesserung in der Wirtschaft, Gesundheit und beim Verkehr für den Erfolg an der Wahlurne verantwortlich. Diese Errungenschaften würden von den Wählern höher bewertet, als die von politischen Gegnern erhobenen Korruptionsvorwürfe. Doch genau aus diesem Grund ist nach Einschätzung von Henrik Gullberg, in London ansässiger Währungsstratege bei Deutsche Bank AG, Vorsicht geboten. Die Ankündigung des Premiers, weiter gegen die Gülen-Bewegung vorgehen zu wollen, könnte weitere Turbulenzen nach sich ziehen. Außer Acht dürfe zudem ein Umstand nicht gelassen werden. Zwar konnte die Partei mehr Stimmen erreichen, als zuvor erwartet, doch nach wie vor gebe es noch mehr als 50 Prozent, die gegen sie seien. An einen weiteren Aufwärtstrend der Lira glaubt auch Thu Lan Nguyen, Währungsstratege bei der Commerzbank AG, aufgrund der jüngsten Ankündigungen des Premiers nicht. Über die 2,15 hinaus gebe es für die Währung kein sonderliches Wertsteigerungspotential mehr.

Der russische Präsident Wladimir Putin war übrigens der erste internationale Gratulant in Richtung Erdoğan.

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