Tagung in Wuppertal: „Hat die Türkei Platz im ‚christlichen Abendland‘?”

Die Siegesrede des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdoğan hat die CSU auf den Plan gerufen. In Anbetracht der Drohungen gegen seine Kritiker fordert sie das sofortige Ende der Beitrittsverhandlungen der EU mit der Türkei. Im Tagungszentrum Auf dem heiligen Berg, in Wuppertal will die Evangelische Akademie Villigst dieser Frage nun aus religiöser Sicht nachgehen. Sie fragt vom 16. bis 18. Mai: „Hat die Türkei Platz im 'christlichen Abendland'?”

An zwei Tagen sprechen die Tagungsteilnehmer unter anderem über den Stand der EU-Beitrittsverhandlungen, einen Wandel des Europabilds in der Türkei, die Bedeutung von Laizismus in der Türkei, die Zugehörigkeit des Islams zu Europa sowie über gewünschte Änderungen in der türkischen Religionspolitik.

In ihrem Vorwort zur Veranstaltung erklären Kirchenrat Gerhard Duncker, vom Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche von Westfalen, Bielefeld, Thomas Krieger, Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung, Dortmund, sowie der Pfarrer Pfarrer Ralf Lange-Sonntag, von der Ev. Akademie Villigst, Schwerte:

„Geographisch betrachtet verbindet die Türkei Europa und Asien, das ‚christliche Abendland‘ mit dem mehrheitlich muslimisch geprägten Nahen Osten. Doch die Beziehungen Europas zur Türkei sind wesentlich komplexer, als es die geographische Bestimmung erwarten lässt.”

Die Tagung will aus diesem Grund nun nach dem „grundlegenden Verhältnis zwischen der Türkei und Europa” fragen. Im Zentrum des Interesses stehen dabei folgende Aspekte: Versteht sich die Türkei als europäischer Staat? und Ist Europa offen genug, eine Integration der Türkei in den Kanon der europäischen Staaten zu ermöglichen?

Auch die aktuelle Frage nach einer EU-Mitgliedschaft der Türkei wird aufgegriffen. Wie steht die türkische Bevölkerung mittlerweile zum Beitritt? Wie ist die derzeitige Stimmung im Land und wie sehen die neuesten zivilgesellschaftlichen Entwicklungen aus? Das Thema Religion nimmt dabei natürlich eine wichtige Rolle ein:

„Während in Europa immer wieder hinterfragt wird, ob ein muslimisch geprägtes Land in einem mehrheitlich christlichen Europa seinen Platz finden kann, gehört der Umgang des laizistischen Staates mit religiösen (und ethnischen) Minderheiten seit Jahren zu den strittigen Themen der EU-Aufnahme-Agenda. Daher soll auf der Tagung auch die Situation der christlichen Minderheitskirchen wahrgenommen werden und zur Sprache kommen.”

Die CSU fordert derzeit vehement das sofortige Ende der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer erklärte am Montagabend in München:

Ein Land, in dem die Regierung ihren Kritikern droht und demokratische Werte mit Füßen tritt, kann nicht zu Europa gehören., so Scheuer weiter. Jüngster Stein des Anstoßes war die Drohung des türkischen Premiers, seine Gegner bis in ihre Höhlen zu verfolgen. Sorgen bereiten derlei Aussagen aber auch SPD und Grünen. Grünen-Chef Cem Özdemir warnt vor einer Hexenjagd gegen Andersdenkende. Die Entwicklungen der vergangenen Wochen würden Prozess auch für Beitrittsverhandlungen schwierig machen, so Özdemir.

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