Twitter-Sperre: Israelisches Unternehmen leistete türkischen Usern Schützenhilfe

Zwei Wochen herrschte in der Türkei eine Twitter-Blockade. Die User waren jedoch findig und umgingen die Sperre auf vielerlei Wegen. Einer von ihnen heißt GreenTeam. Sitz des Unternehmens ist Israel. Und dort zeigte man sich trotz der angespannten politischen Situation solidarisch.

Ein israelisches Internet-Startup namens GreenTeam half türkischen Usern bei der Umgehung der Twitter-Blockade. Aktiv anbieten musste sich das Unternehmen offenbar nicht. Entdeckt wurde es von den Betroffenen selbst und wurde zuletzt rege genutzt.

„Am Dienstag stellten wir eine Menge Verkehr auf unseren Servern fest, mehr als sonst. Eine Überprüfung der IP-Adressen ergab, dass die meisten von ihnen aus der Türkei stammten“, zitiert die Times of Israel GreenTeam CEO David Allouch. Über einen Zeitraum von 24 Stunden hätte es ihm zufolge mehr als 100.000 Verbindungen gegeben. Die derzeitigen Spannungen ob dieses Themas in der Türkei wolle man nicht zusätzlich anheizen, so Allouch. Der Filter-Service seines Unternehmens sei jedoch kostenlos und über die Nutzung der DNS-Adressen des Dienstes könnten türkische Internet-User hiesige Service Provider (ISPs) überlisten und sich zu Twitter, YouTube oder anderen Websites, die die türkischen Behörden blockierten, Zugang verschaffen. Seit diesen Donnerstagabend ist die Twitter-Sperre aufgehoben (mehr hier).

DNS-Dienste übersetzen Domainnamen in numerische Internet-Adressen. Auch GreenTeam tut das. Allerdings mit einem kleinen Unterschied. Das Unternehmen löscht aus seinen Tabellen alle Webseiten und IP-Adressen, die mit Malware, Phishing und anderen Internet-Gefahren verbunden sind. Benutzer, die ihre Computer oder Router-DNS-Adresse mit GreenTeam ersetzen möchten, sind nicht in der Lage Websites, die eine Phishing- oder Viren-Historie haben, aufzurufen. Am Filter-Service von GreenTeam seien die türkischen User Allouch zufolge jedoch gar nicht interessiert. Hier gehe es vielmehr um die Tatsache, dass der Service einen kostenlosen, alternativen DNS-Dienst anbiete, den sie nutzen könnten und der YouTube, Twitter, Facebook und andere Social-Media-Seiten nicht auf dem Index habe.

Dem Blatt zufolge sei es übrigens kein Zufall gewesen, dass der Massenaufruf genau jetzt aufgetreten sei. Erst am Dienstag hatte Google offiziell bestätigt, dass Website-Anfragen von türkischen Nutzern kurzerhand umgeleitet würden (mehr hier). Die israelische Alternative, so Allouch, müsse sich darauf hin wie ein Lauffeuer verbreitet haben. Zuletzt stand jedoch zu befürchten, dass GreenTeam das gleiche Schicksal wie dem Suchmaschinenriesen Google drohen könnte. Dem CEO zufolge habe sich am Mittwochabend jemand auf der Webseite registriert und damit begonnen eine sehr Anzahl an Anfragen zu versenden, um die DNS-Server zu verlangsamen oder zu blockieren.

Lange Zeit waren die türkisch-israelischen Beziehungen regelrecht auf Eis gelegen. Geschuldet war dies nicht zuletzt dem Fall Mavi Marmara im Jahr 2010 und einer im Zuge dessen geforderten Entschuldigung Israels wegen der getöteten türkischen Aktivisten durch die israelische Armee. Erst im vergangenen Jahr gab es in den diplomatischen Verbindungen wieder erste zarte Anbandelungen (mehr hier).

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