Alex de Souza – eine Legende tritt ab

Fenerbahces ehemaliger Mittelfeldstar Alex de Souza beendet mit Ablauf der Saison seine grandiose und einzigartige Karriere. Dies verkündete der mittlerweile 36-Jährige über Twitter.

„Alex, Alex, Alex! Onun adi Alex!“, sagte mal ein türkischer Kommentator nach einem der vielen Geniestreiche der brasilianischen Legende bei Fenerbahce, Alex de Souza. Nicht viele Worte können die Leistungen und die Schönheit des Spiels des langjährigen Kapitäns der Gelb-Blauen beschreiben. Kaum ein Akteur konnte das Spiel Fenerbahces und die türkische Liga in den letzten Jahren auf diese Weise prägen wie er. Und all dem Heldenstatus und der Verehrung zum Trotz war Alex jenseits des Platzes immer ein schüchterner und sehr umgänglicher Mensch, ohne Starallüren und Skandale. Für den mittlerweile 36-Jährigen stand jederzeit die Familie im Vordergrund, seine Ehefrau und Kinder waren regelmäßig im Stadion um ihn und seine „Kanarien“ anzufeuern. GazeteFutbol.de hat seine Zeit in Istanbul zusammengefasst und möchte sich auf diese Weise von einem großen Fußballer verabschieden.

2004: Nach langem Transfer Hick-Hack: Wechsel zu Fenerbahce!

Es war die Winterpause der Saison 2003/2004 und Fenerbahce befand sich mit dem neuen deutschen Trainer Christoph Daum mitten im Kampf um die Meisterschaft. Auf der Suche nach Verstärkungen für das Team wurden die Verantwortlichen des Vereins auf den Brasilianer Alexsandro de Souza, kurz „Alex“, aufmerksam. Der damals 26-Jährige von Cruzeiro EC bestach durch beachtliche 27 Tore in 55 Spielen und starke Leistungen in der brasilianischen Nationalmannschaft, welcher er von 1998-2005 u.a. als Kapitän angehörte (48 Spiele, zwölf Tore). Der Wechsel hätte schon im Winter stattfinden sollen, scheiterte aber letztlich an den Modalitäten. Im Juni 2004 klappte es dann doch und Alex unterschrieb einen Dreijahresvertrag bei den Gelb-Blauen.

2004/05: Erste Meisterschaft und unglaubliche 24 Tore

Nachdem der Wechsel zu den „Kanarien“ fest stand, sollte Alex passend zu seiner Position die Rückennummer 10 erhalten. Alex verzichtete aber freiwillig aus Rücksicht auf Publikumsliebling Tuncay Sanli, welcher bis dato die „Zehn“ auf seinem Trikot trug. Eine erste große Geste des Brasilianers, der auch die Erwartungen der Fans bei weitem übertraf. Mit unglaublichen 24 Toren und 19 Vorlagen schoss der offensive Mittelfeldspieler Fenerbahce zur 14. Meisterschaft und avancierte zum neuen Star und Rückgrat der Mannschaft.

2005-2010: Alex neuer Kapitän – Große Erfolge in der Champions League

In der Saison 2006/07 wurde er mit 19 Treffern Torschützenkönig der Süper Lig und ist bis heute der einzige ausländische Akteur bei Fenerbahce, der dieses Kunststück jemals vollbracht hat. Im Jahr 2007 wurde sein auslaufender Vertrag um weitere zwei Jahre verlängert und nachdem Ümit Özat, Tuncay Sanli und Rüstü Recber den Club verließen, wurde Alex, dem die Fans und Gegner schon längst zu Füßen lagen, neuer Mannschaftskapitän. Am 1. November 2008 erzielte er seinen 100. Treffer für den 18-maligen türkischen Meister. Unter Trainer Zico konnte „Fener“ große internationale Erfolge in der UEFA Champions League feiern. Der Einzug in das Viertelfinale und der 2:1-Heimsieg gegen den FC Chelsea sind den Anhängern der Gelb-Blauen bis heute in Erinnerung geblieben. Da allerdings der nationale Erfolg ausblieb, wurde Zico 2008/09 gefeuert und den Trainerposten trat erneut Christoph Daum an. Dessen zweite Amtszeit war nicht von Erfolg gekrönt. Das Pokalfinale verlor man gegen den Erzrivalen Trabzonspor und wenige Tage später auch die Meisterschaft durch ein 1:1 im eigenen Stadion. Dies war insofern bitter, da durch eine Fehlinformation des Stadionsprechers (er sagte ein falsches Endergebnis der Partie Bursaspor-Besiktas durch, Anm. d. Red.) die sicher geglaubte Meisterschaft nun doch nicht gefeiert werden konnte. Daum musste seinen Hut nehmen, die Zügel übernahm Vereinslegende und Sportdirektor Aykut Kocaman.

2010-2012: Alex führt Fenerbahce erneut zum Titel – Streit mit Kocaman sowie Abschied

Unter der Leitung von Aykut Kocaman wurde Alex de Souza 2010/11 erneut Meister mit Fenerbahce. Bemerkenswert und wichtig waren vor allem seine zwei Tore beim spektakulären 5:3-Auswärtssieg gegen Bucaspor und die Fünf-Treffer-Gala beim 6:0-Heimerfolg gegen Ankaragücü. Mit 28 Toren und 16 Vorlagen wurde er abermals Topscorer der Liga. Auch der anschließende Manipulationsskandal konnte seine Treue und Liebe zum Verein nicht erschüttern. Allerdings kamen schon damals Gerüchte bezüglich eines schlechten Verhältnisses zwischen Trainer und Kapitän auf. In der Saison darauf scheiterte man in der Liga an Galatasaray und mit Beginn der neuen Spielzeit begannen die internen Querelen mit Trainer Kocaman. De Souza bezeichnete Kocaman über Twitter als „eifersüchtig“, da dieser Angst um seinen Torrekord bei den Gelb-Blauen gehabt haben soll. Als Alex im Spiel gegen Kasimpasa zur Halbzeit ausgewechselt wurde, nahm dieser nicht wie gewohnt auf der Ersatzbank Platz, sondern auf der Tribüne. Diese Aktion brachte das Fass zum Überlaufen und der Kapitän wurde am nächsten Tag von Präsident Aziz Yildirim suspendiert. Daraufhin wurde der Vertrag im beidseitigen Einvernehmen aufgelöst. Ein sehr trauriger Abgang für eine Vereinslegende, für die noch wenige Tage zuvor eine lebensgroße Statue neben der des großen Lefter Kücükandonyadis errichtet worden war. Der mittlerweile 35-jährige Spielmacher, welcher das Spiel der „Kanarien“ fast ein Jahrzehnt lang prägte, verließ Istanbul unter Tränen in Richtung Brasilien und die Anhänger des Clubs liefen Sturm gegen Trainer Kocaman und Präsident Yildirim. Kocaman selbst bot während dieser Spielzeit mehrmals seinen Rücktritt an und verabschiedete sich am Ende dieser Saison endgültig. Alex kommentierte seinen persönlichen Abgang mit den Worten: „Es war eine schmerzhafte Unterschrift für mich. Fenerbahce hat einen Spieler verloren, aber einen Fan gewonnen“.

Ob er in Zukunft eine Tätigkeit als Trainer oder im Management eines Vereins ausführen wird, ließ Alex offen. Der Brasilianer möchte sich nun erstmal vermehrt um seine Familie kümmern.

Auch Deivid de Souza beendet seine aktive Laufbahn!

Ebenfalls seine aktive Karriere beendet hat der ehemalige Fenerbahce-Stürmer Deivid de Souza, welcher bis zuletzt noch mit Alex zusammen bei Coritiba FC gespielt hat. Der 34-Jährige, der unter anderem mit seinem grandiosen Fernschusstor gegen den FC Chelsea in die Vereinsgeschichte einging, kommentierte seine Entscheidung so:

„Ich habe von brasilianischen und ausländischen Vereinen Angebote erhalten, aber ich habe den Entschluss gefasst meine aktive Laufbahn hier zu beenden. Ich spiele seit meinem achten Lebensjahr Fußball, davon seit 1998 als Profi. Ich möchte in Zukunft als Trainer arbeiten. […] In meiner Karriere habe ich mit vielen sehr guten Trainern gearbeitet und konnte einiges von ihnen lernen. Ich hoffe, dass ich diese Erfahrungen auch für meine spätere Tätigkeit nutzen kann“.

Wir wünschen den beiden Brasilianern für ihre späteren Tätigkeiten viel Erfolg und bedanken uns für die zahlreichen schönen Momente, die sie uns in der Türkei beschert haben!

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.com.

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