Russisches Atom-Knowhow: Mehr als 4000 türkische Studenten bewerben sich um Ausbildung

Die AKW-Pläne der türkischen Regierung schreiten unweigerlich voran. Im Rahmen einer Vereinbarung zwischen Moskau und Ankara soll russisches Knowhow an die Türkei weitergegeben werden. Das Interesse an den Ausbildungsplätzen scheint immens. Aktuell sollen sich rund 4000 Studenten beworben haben.

Als Teil einer zwischenstaatlichen Vereinbarung haben insgesamt bis zu 600 türkische Studenten die Möglichkeit, an Kerntechnik-Kursen in Russland teilzunehmen. Und die Nachfrage nach dieser Art der Weiterbildung scheint immens. Mehrere Tausend wollen offenbar an der aktuellen Runde teilnehmen. Unterdessen nimmt das erste türkische AKW immer konkretere Züge an. Passiert der überarbeitete Umweltverträglichkeitsbericht das Ministerium, könnte es im Mai bereits losgehen.

Wie aus dem Management des türkischen Akkuyu Kernkraftwerks bekannt wurde, seien auf aktuell 100 freie Plätze mehr als 4000 Bewerber gekommen. Das berichtet das Nachrichtenportal Worldbulletin. Nach Abschluss ihres Studiums würden die Studierenden dann die Chance haben, eine Anstellung über mindestens 13 Jahre im ersten türkischen Kraftwerk in Akkuyu zu erhalten.

Gebaut wird dies mit russischer Unterstützung. Unterzeichnet wurde das Abkommen über die Errichtung der Anlage mit dem russischen Energiekonzern Rosatom bereits 2011. Wie die Nachrichtenagentur Anadolu nun erfahren haben will, soll der Spatenstich bereits diesen Mai vollzogen werden. Gesetzt dem Fall, der Umweltverträglichkeitsbericht wird diesmal angenommen. Dieser liegt derzeit dem Ministerium für Umwelt und Stadtplanung vor und dieser könnte schon kommenden Mai genehmigt werden. Der erste 3000 Seiten starke Entwurf des Berichts wurde abgelehnt, weil zusätzliche Informationen benötigt wurden (mehr hier). Nach Angaben von Rauf Kasumov, stellvertretender Generaldirektor von „Akkuyu NGS Elektrik Üretim A.Ş.”, stehe dem bisherigen neunjährigen Zeitplan trotz kleiner Verzögerungen nichts im Wege. Das Projekt wird voraussichtlich etwa 20 Milliarden Dollar kosten.

Die Türkei hat seit 2011 rund 200 Studenten fernab der Heimat in Kernkraft-Technologie ausbilden lassen. Grundlage hierfür ist ein Regierungsabkommen zwischen der Türkei und Russland (mehr hier). In Russland lernen die jungen Leute das, was der umstrittene Atomkurs ihrer Regierung künftig nachfragt. In der Türkei selbst gibt es eine entsprechende Ausbildung bisher kaum (mehr hier). Im Augenblick kann nur eine Hochschule in der Türkei eine Abteilung für Kerntechnik vorweisen. Diese befinde sich an der Hacettepe Universität in der Hauptstadt Ankara. Akzeptiert werden dort allerdings nur 40 Schüler.

Mehr zum Thema:

Eigene Atomkraftwerke: Der Türkei fehlen die Kompetenzen
Ankaras voreiliger Plan: Atomkraft soll über 7 Milliarden Dollar einsparen
Neuer Zeitplan: 1. AKW der Türkei könnte 2023 fertig sein


Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.