Türkisches Alkoholgesetz: Jetzt spürt der Markt die Folgen

Eine der größten türkischen Brauereien hat aufgrund rückläufiger Umsätze die Notbremse gezogen. Die Schließung einer Produktionsanlage hat zu einem Schock in der Branche geführt. Überraschend kommt sie aber nicht. Die seit Sommer 2013 in Kraft befindliche strikte Alkohol-Gesetzgebung des Landes ließ allein den Biersektor um zwölf Prozent schrumpfen.

Anadolu Efes hat mit schweren Einbrüchen auf seinen Hauptmärkten in der Türkei und Russland zu kämpfen. Grund hierfür sind die jeweils herrschenden gesetzlichen Vorgaben. Bereits am 2. April verkündete das Unternehmen deshalb, seine Produktionsstätte in Lüleburgaz, in der Provinz Kırklareli zu schließen. Bereits vier Monate zuvor wurden erst zwei Brauereien in Russland dicht gemacht.

Die Bedrängnis für den Bier-Hersteller kommt nicht von Ungefährt. Im Jahr 2013 schrumpfte der türkische Bier-Markt um satte zwölf Prozent. Als augenfälligster Grund hierfür gilt die seit Sommer des vergangenen Jahres herrschende Alkohol-Gesetzgebung der Türkei. Verboten ist seither nicht nur jegliche Alkoholwerbung. Damit einher gehen auch einschlägige Verkaufsbeschränkungen. Obendrein zogen die Preise aufgrund eines Anstiegs der Sonderverbrauchsteuer (ÖTV) an. Dies führte zu einem weiteren Rückzug der Unternehmensumsätze.

Auch andere Mitstreiter der Branche, insbesondere die Winzer, spüren nicht erst seit gestern den Druck der strengen Vorschriften, so ansamed weiter. Seit die Gesetzgebung in Kraft ist, stellen sich für sie überlebenswichtige Fragen. Wie sollen sie unter diesen Umständen ihre Produkte vermarkten und so ihren Unternehmenserfolg sichern? (mehr hier).

Trotz heftiger Proteste unterzeichnete der türkische Präsident Abdullah Gül im Juni 2013 die neue Alkohol-Gesetzgebung des Landes. Dem Gesetz zufolge darf nach 22 Uhr kein Alkohol mehr verkauft werden. In der Umgebung von Moscheen und Bildungseinrichtungen werden keine Alkohol-Konzessionen mehr vergeben. Zu diesen Einrichtungen muss ein Abstand von mindestens 100 Metern eingehalten werden.  Zudem wird jegliche Art von Werbung für alkoholische Getränke verboten. Verstöße werden mit 5000 bis 200.000 Lira Geldstrafe geahndet (mehr hier).

Kritikern zufolge kommt das einem flächendeckenden Alkohol-Verbot gleich. Einzelne Branchen fürchteten bereits im Vorfeld nicht nur um ihren Fortbestand. Immer wieder wurde auch der Vorwurf laut, der türkische Premier Erdoğan mische sich damit zu sehr ins Privatleben seiner Bürger ein (mehr hier).

Bier macht derzeit 90 Prozent des türkischen Alkoholkonsums aus. Im Jahr 2013 fiel dieser auf gut eine Milliarde Liter. Im Jahr zuvor waren es noch 1,12 Milliarden. Laut einem Bericht des Gesundheitsministeriums konsumieren 23 Prozent der türkischen Männer und vier Prozent der Frauen Alkohol. Insgesamt liegt der Alkoholkonsum pro Person in der Türkei weit hinter dem globalen Durchschnitt. Dem Ministerium zufolge trinken 14 Prozent der Männer nur einmal pro Monat oder weniger Alkohol. Nur fünf Prozent geben an, dass sie zwei bis drei Mal pro Woche Alkohol trinken würden.

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