PEW-Studie: Religiöse Vielfalt Pakistans liegt noch vor der Türkei

Die Mehrheit der pakistanischen Bevölkerung sind Muslime. Dennoch ist das Land religiös vielfältiger als 48 andere Staaten der Welt - und zwar einschließlich der Türkei, Iran, Afghanistan, den Malediven oder auch Rumänien. Das ergab eine aktuelle Studie des Pew Research Centers.

Laut der am 4. April veröffentlichten Pew Research Center Studie befindet sich Pakistan bereits unter den Ländern mit einer niedrigen religiösen Vielfalt. Doch seine Bevölkerung liegt in ihrer Zusammensetzung damit noch immer vor 48 anderen Staaten. Deutschland schafft es im Gegensatz zur Türkei noch in die Kategorie mit hoher Diversifikation.

Auf einer Skala von null bis zehn erreicht Pakistan dem PEW zufolge 0,8 Punkte. Das bedeutet, 96,4 Prozent aller Bürger haben derzeit einen muslimischen Glauben. Daneben leben in Pakistan 1,9 Prozent Hindus, 1,6 Prozent Christen und weniger als 0,1 Prozent Anhänger anderer Glaubensrichtungen. Die Türkei kommt auf gerade einmal 0,4 Punkte.

Der so genannte Religious Diversity Index (RDI) berechnet die jeweilige Vielfalt auf Grundlage der nationalen Bevölkerungsanteile der fünf so genannten Weltreligionen Christentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus und Judentum sowie drei weiterer Kategorien: den religiös Ungebundenen, der traditionellen Religionen und kleineren Glaubensgemeinschaften. Verglichen wurde zwar die Größe der acht religiösen Bevölkerungsgruppen, ihr gesellschaftlicher Einfluss wurde aber nicht berücksichtigt. Ebenso wenig wurden verschiedene Konfessionen innerhalb einzelner Religion ausgewertet.

Der Index unterteilt die 232 untersuchten Länder in vier Bereiche: Die obersten fünf Prozent der Staaten wurden als „sehr hoch“ (7,0 Punkte und mehr, zwölf Länder) eingestuft, die nächsten 15 Prozent als „hoch“ (6,9 bis 5,3 Punkte, 28 Länder), dann wiederum die nächsten 20 Prozent als „moderat“ (3,1 bis 5,2, 58 Länder) und der Rest als „niedrig“ (3,0 und weniger, 134 Länder). Eine Punktzahl von zehn bedeutet per Definition der Forscher die maximal mögliche religiöse Vielfalt. Sie ist erreicht, wenn jeder der acht Gruppen einen gleichen Anteil an der Bevölkerung stellt.

Spitzenreiter ist Singapur mit 9,0, Schlusslicht Vatikanstaat

Nahe am Ideal sind einige. Die Hälfte der zwölf religiös vielfältigsten Länder befinden sich in der Asien-Pazifik-Region, fünf in Afrika südlich der Sahara, eines in Lateinamerika und eines in der Karibik: Spitzenreiter ist Singapur mit 9,0. Hier leben 33,9 Prozent Buddhisten, 18,2 Prozent Christen, 16,4 Prozent Ungebundene, 14,3 Prozent Muslime, 9,7 Prozent Angehörige kleinerer Religionen, 5,2 Prozent Hindus, 2,3 Prozent Angehörige traditioneller Religionen und unter 0,1 Prozent Juden.

Es folgen Taiwan mit 8,2. In der Nähe des Ideals liegen aber auch Vietnam mit 7,7, Suriname mit 7,6, Guinea-Bissau und Togo mit jeweils 7,5, die Elfenbeinküste und Südkorea mit je 7,4, China mit 7,3, Hong Kong und Benin mit 7,2 sowie schließlich Mosambik mit 7,0. In Europa, Nordamerika oder im Nahen Osten hat kein Land einen sehr hohen Grad an religiöser Vielfalt. Deutschland schafft immerhin 5,3 Punkte.

Mit einer Punktzahl von 4,0 gehört Indien zu Ländern mit einer gemäßigten religiösen Vielfalt. In dieser Kategorie finden sich unter anderem auch die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate, Russland, Nepal und Großbritannien. Die drei Länder mit der wenigsten religiös vielfältigen Bevölkerung sind Vatikanstaat, Marokko und Tokelau. Sie alle haben eine Punktzahl von null. Ihnen dicht auf den Fersen sind Iran, Rumänien, Tunesien, Timor-Leste, Somalia und Afghanistan.

Europa ist insgesamt „gemäßigt gemischt“

Insgesamt gilt Europa als „gemäßigt gemischt“ mit einem Gesamtwert von 4,6 Punkten auf dem Index und 75 Prozent Christen, 18 Prozent Ungebundenen und sechs Prozent Muslimen.

Das Thema Religion beschäftigte das Washingtoner Pew-Forschungszentrum schon 2012. Damals stellte das Institut fest: Rund 75 Prozent der Weltbevölkerung sehen sich mit Einschränkungen auf Grund ihrer Religionszugehörigkeit konfrontiert. Zurückzuführen ist das auf die zunehmenden Bestrebungen von Regierungen, Religion in bestimmte Grenzen zu zwingen. Einen Anstieg der Restriktionen verzeichneten die Forscher damals auch in den sonst als traditionell tolerant geltenden Staaten wie den USA und der Schweiz. Eine Verbesserung der Situation wurde jedoch in der Türkei festgestellt. Es war bereits der dritte Bericht zum Stand der weltweiten Religionsfreiheit (mehr hier).

Hier geht es zur vollständigen Auswertung des Pew Research Centers.

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