Sarrazin sieht Ursprünge des Tugend-Terrors in Französischer Revolution

Die Logik der Französischen Revolution war im Kern der Tugend-Terror. Unliebsame Menschen wurden schlichtweg ausgesondert. Auch im heutigen Deutschland sei das ähnlich. Das ist zumindest die Ansicht des Ex-Bundesbänkers Thilo Sarrazin. Eine scharfe Kritik an der europäischen Aufklärung.

Der Ex-Bundesbänker Thilo Sarrazin sieht die Ursprünge des „Tugendterrors“ unter anderem in der Französischen Revolution, die Kontinental-Europa geprägt hat.

In seinem Buch „Der neue Tugendterror“ schreibt er auf Seite 200:

„Gleichheit sollte in der Französischen Revolution durch Tugend hergestellt werden, und um die Tugend durchzusetzen, bedurfte es des Terrors. Das war im Kern die Logik der Französischen Revolution, die sich damit von der amerikanischen radikal unterschied, obwohl sie doch beide Kinder der Aufklärung waren.“

Wortführer der Französischen Revolution waren Maximilien de Robespierre und Louis Antoine de Saint-Just. „Sie hatten den Terror auf das Maximum getrieben: 35.000 bis 40.000 Menschen waren in Frankreich unter der Guillotine gestorben“, so Sarrazin.

Das Konzept der Französischen Revolution betone die Gleichheit. Leidtragend sei die Freiheit.

Die Amerikaner als Vorbild

Als positives Gegenbeispiel führt Sarrazin die Unabhängigkeitserklärung der USA an. Dort seien „Freiheit und Gleichheit kunstvoll miteinander versöhnt.“

Auf Seite 199 schreibt Sarrazin:

„(…) als Gleiche geschaffen, sind die Menschen frei, ihr Glück zu verfolgen, jeder auf seiner Art. Für das Ergebnis des individuellen Strebens nach Glück ist allerdings auch jeder selbst verantwortlich. Die daraus folgende Ungleichheit hat für das amerikanische Denken nichts Anstößiges, sondern findet relativ frei von Neid auch soziale Anerkennung. Die dadurch ausgelöste Dynamik macht bis heute eine besondere Stärke der amerikanischen Nation aus.“

Der Gegensatz zwischen der französischen und der angelsächsischen Aufklärung wird vom Ex-Bundesbänker detailliert umschrieben. Er ergreift für die zweite Variante Partei, deren wichtigster Vertreter David Hume und nicht in etwa Voltaire ist. Daraus folgen in der Wissenschaft auch verschiedene Ansichten von „Gerechtigkeit“.

Der Ruf nach Veränderung

Der ständige Vorwurf des „Rassismus“ verfehlt oftmals den eigentlichen Kern der Sarrazinschen Thesen. Denn Sarrazin zielt auf ein „altes“ neues Modell ab. Er übt Kritik an den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Grundpfeilern Kontinental-Europas. Es geht ihm nicht nur um unwillkommene Migranten, also Türken und Araber, sondern um einen allumfassenden gesellschaftlichen Umbruch. Von der Kirchensteuer hält er offenbar auch nicht viel.

Auf Seite 249 schreibt er:

„Die Kirche in Deutschland lebt jedenfalls gut von der (durch den Staat eingezogenen) Kirchensteuer der Reichen. Bei der evangelischen Kirche in Deutschland kommen fünf Prozent der Kirchenmitglieder für 70 Prozent der Einnahmen auf. Wohl deshalb forderte der EKD-Ratspräsident Nikolaus Schneider auf dem Kirchentag 2013 in Hamburg: `Höhere Steuern, mehr Umverteilung´.“

Dabei begeht Sarrazin einen Fehler. Denn hätte der Mann lediglich gegen Muslime „gehetzt“, so wäre ihm die Unterstützung des deutschen Establishments gewiss gewesen.

Dass er kein willkommener Gast mehr bei den EKD-Gemeinden, den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern und weiteren Institutionen ist, bestätigt letztendlich einen vorhandenen „Tugendterror“. Thilo Sarrazin müsste sich aktuell wie ein Deutsch-Türke fühlen – ein Fremder in der eigenen Heimat.

Auffällig ist die Urteilslosigkeit der Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft. Die halten Sarrazin immer noch lediglich für einen „Türken-Schreck“.

Deshalb laufen sie ihm nach und unterstützen ihn.

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