UNESCO World Press Freedom Prize: Jury ehrt türkischen Journalisten Ahmet Şık

Der türkische Journalist Ahmet Şık wird mit dem renommierten Guillermo Cano World Press Freedom Prize der UNESCO ausgezeichnet. Die Jury lobt Şık als „glühenden Verfechter der Meinungsfreiheit“. Die Preisverleihung findet am 2. Mai am Sitz der Institution in Paris statt.

Nach Ansicht der UNESCO-Jury habe Şık seine Karriere der Anzeige von „Korruption und Menschenrechtsverletzungen“ gewidmet. Der Journalist arbeitete zwischen 1991 und 2011 bei mehreren prominenten türkischen Medien, darunter die Tageszeitungen Cumhuriyet, Evrensel und Radikal, aber auch für das Nokta Magazin und die Nachrichtenagentur Reuters. Auch bei den Gezi Park Protesten im Sommer 2013 war er aktiv dabei.

Der heute 44-Jährige hatte elf Monate im Gefängnis zugebracht. Ahmet Şık und Nedim Şener, Journalisten der Internetzeitung Oda TV, sowie weitere ihrer Kollegen wurden am 3. März 2011 festgenommen. Im Rahmen der Ermittlungen wurde sein Manuskript „Imamin Ordusu“ (dt. Die Armee des Imam) beschlagnahmt. In diesem Buch wird behauptet, die türkische Polizei sei von der Gemeinde des islamischen Gelehrten Fethullah Gülen unterwandert worden. Viele Oppositionelle sind der Ansicht, die Journalisten seien allein aufgrund dieses Buches verhaftet worden. Ihre Verhaftung hatte zu internationalen Protesten geführt (mehr hier).

Şıks Kollege, der in Deutschland geborene Nedim Şener, hat für seine Arbeit in der türkischen Presse im Jahr 2013 den Press Freedom Award des Committee to Protect Journalists (CPJ) verliehen bekommen. Gewürdigt wurde die Leistung des Reporters, sich gegen eine Vielzahl von Widrigkeiten und Herausforderungen behauptet zu haben, die der Beruf in seinem Heimatland mit sich bringt (mehr hier). „Die Türkei bricht alle Rekorde. Derzeit befinden sich 60 Journalisten im Gefängnis, denen vorgeworfen wird, Terroristen zu sein. Das sind mehr als irgendwo sonst auf der Welt“, zitierte ihn damals die türkische Zeitung Zaman. Erst vor kurzem seien gegen einige Kollegen lebenslange Haftstrafen verhängt worden. Solchen Dingen dürfe man nicht gleichgültig gegenüberstehen. Man müsse deren Freilassung fordern.

Kein Konsens über die Bedeutung von Demokratie

In der Türkei herrsche zwischen Journalisten und Politikern kein Konsens über die Bedeutung von Demokratie. Letztere würden sie nur durch das Prisma der Wahlurne und Wahlen betrachten. „Für Politiker bedeutet Demokratie den Menschen zu erlauben, alle vier Jahre wählen zu gehen. Für Journalisten ist die Demokratie eine alltägliche Erfahrung. Und die Essenz dieser Erfahrung ist das Recht des Volkes informiert zu werden.“ Es sei kein Zufall, dass ein autoritäres Regime zuerst die Presse zum Schweigen bringe.

Die UNESCO-Jury, die den aktuellen Preis gewährt, besteht aus einer Reihe von wichtigen Journalisten und Reportern aus aller Welt. Unter den 14 Entscheidern befinden sich etwa der Le Monde Reporterin Florence Aubenas sowie der Chefredakteur von ProPublica, Paul Steiger. Ins Leben gerufen wurde die Auszeichnung im Jahr 1997 und seitdem jährlich vergeben. Geehrt wird damit eine Person, Organisation oder Institution, die sich in besonderer Weise, insbesondere unter Gefahr, für die Pressefreiheit eingesetzt hat. Der Preis ist mit 25.000 US-Dollar dotiert. Vergeben wird er am „Tag der Pressefreiheit“.

Die Zeremonie wird von einer internationalen Konferenz am 5. und 6. Mai begleitet. Ihr Fokus wird auf der Sicherheit von Journalisten, dem Kampf gegen die Straflosigkeit und Trends in der Pressefreiheit liegen.

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