AKW in Akkuyu: Russland pumpt 1,39 Milliarden Dollar in die Türkei

Die Türkei hat für den Bau ihres ersten Atomkraftwerks in Akkuyu im ersten Quartal 2014 1,39 Milliarden Dollar von Russland erhalten. Der Deal mit dem russischen Energiekonzern Rosatom steht bereits seit 2011. Insgesamt sollen sich die Kosten des höchst umstrittenen Vorhabens auf gut 20 Milliarden Dollar belaufen. Verläuft alles nach Plan, gehen erste Einheiten bereits 2020 ans Netz.

Die „Akkuyu NGS Elektrik Üretim A.Ş.”, Russlands Rosatoms Tochtergesellschaft in der Türkei, hat seine Investitionen in der Türkei erhöht. Sobald der Umweltevaluierungsbericht (ÇED) genehmigt sei, würden die Vorbereitungen auf dem Grundstück und der Infrastruktur für den Bau der ersten türkischen Atomkraftwerks massiv anziehen. Das wurde nun aus Unternehmenskreisen bekannt.

Die Kosten für das AKW-Projekt in Akkuyu sollen sich auf geschätzte 20 Milliarden US-Dollar belaufen. Allein Geräte im Wert von 3,5 Milliarden Dollar sollen während der Bauphase benötigt werden. Davon sollen allein in diesem Jahr 1,8 Milliarden Dollar gebraucht werden. Das berichtet die türkische Tageszeitung Sabah.

Das nun aus Russland erhaltene Geld solle demnach vor allem in den Aufbau der Infrastruktur für die Anlage, sprich für den Bau von Straßen, Stromleitungen, Wasserleitungen, Wohnanlagen und Kräne eingesetzt werden. Wird das Vorhaben genehmigt, sollen bereits in Kürze die Bauarbeiten starten. Erste Einheiten sollen dann 2020, das gesamte AKW 2023 einsatzbereit sein. Derzeit liegt der überarbeitete Umweltverträglichkeitsbericht dem Ministerium für Umwelt und Stadtplanung vor. Der erste 3000 Seiten starke Entwurf des Berichts wurde abgelehnt, weil zusätzliche Informationen benötigt wurden (mehr hier). Nach Angaben von Rauf Kasumov, stellvertretender Generaldirektor von „Akkuyu NGS Elektrik Üretim A.Ş.”, stehe dem bisherigen neunjährigen Zeitplan trotz kleiner Verzögerungen aber nichts im Wege.

Der russische Energiekonzern Rosatom hat bereits 2011 eine Vereinbarung unterzeichnet, um das erste türkische Kernkraftwerk an der Mittelmeerküste in der Provinz Mersin zu errichten. Noch fehlen den Türken jedoch entscheidende Kompetenzen, um die Anlage auch wirklich betreiben zu können. Als Teil einer zwischenstaatlichen Vereinbarung haben deshalb insgesamt bis zu 600 türkische Studenten die Möglichkeit, an Kerntechnik-Kursen in Russland teilzunehmen. Und die Nachfrage nach dieser Art der Weiterbildung scheint immens. Wie aus dem Management des türkischen Akkuyu Kernkraftwerks bekannt wurde, seien auf aktuell 100 freie Plätze mehr als 4000 Bewerber gekommen (mehr hier).

Sowohl in der Türkei als auch international gibt es vehementen Widerstand gegen die AKW-Pläne der türkischen Regierung (mehr hier). Diese argumentiert, sich aus der Energieabhängigkeit von anderen Staaten befreien zu müssen und das Wachstum der Wirtschaft nur so vorantreiben zu können. Gefahren, wie etwa Erdbeben im eigenen Land oder die Atommüll-Problematik werden außer Acht gelassen (mehr hier). Auch die Katastrophe von Fukushima konnte sie nicht beeindrucken. Kritiker prangern an, dass das Land so unkalkulierbare Risiken eingehe, die dramatische Folgen nach sich ziehen können.

Auch in Deutschland beobachten Umweltschützer die Vorgänge in der Türkei genau. Für den 16. April ist von NaturFreunde, AntiAtomBerlin und DIDF eine gemeinsame Protestaktion gegen das AKW in Akkuyu vor der Türkischen Botschaft in Berlin geplant. Die Organisatoren warnen:

„Das AKW liegt nur 25 Kilometer vom Ecemis-Graben entfernt. Die Region gehört zu den aktivsten Störungszonen in der es häufig zu starken Erdbeben kommt. Erst im Jahr 1999 waren in der Türkei 20 000 Menschen durch ein starkes Erdbeben getötet worden. Es ist unverantwortlich in einem Erdbebengefährdeten Gebiet, ein Atomkraftwerk bauen zu wollen.”

Die Umweltschützer fordern ein „Nein zum türkischen Atomprogramm! Nein zur Produktion von Plutonium!” sowie die „Sofortige Beendigung aller Planungen zum Bau eines AKW in Akkuyu!”

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