Russell Crowes „Noah”: Darum sollten Muslime den Film sehen dürfen

Schon vor der Weltpremiere des Hollywood-Blockbusters „Noah“ Ende März sah sich der Film in der arabischen Welt harrscher Kritik ausgesetzt. Gleich vier Staaten kündigten an, die Bibel-Verfilmung aus religiösen Gründen nicht zu zeigen. Dabei sollten auch die dort lebenden Muslime den Film unbedingt sehen können. Allen voran, um sich selbst ein Urteil bilden zu können.

Es war ein harter Schlag für Darren Aronofsky. Gleich mehrere Staaten haben seinen Film „Noah“ mit den beiden Hollywood-Stars Russell Crowe und Anthony Hopkins schon vor der Premiere aus ihren Lichtspielhäusern verbannt. Das Publikum dort muss sich mit dem im Internet zu sehenden Trailer begnügen. Dabei gibt es mindestens zwei gute Gründe, warum gerade Muslime den 3D-Streifen unbedingt betrachten sollten.

Erstens spielt Noah und seine Arche auch im Islam eine entscheidende Rolle. Seine Geschichte gehört zu eine der wichtigsten Erzählungen im Koran. Dort wird ihm ein ganzes Kapitel gewidmet (mehr hier). Zweitens erscheint es überaus spannend – gerade in ultrakonservativen Regionen – die Darstellung eines uralten Stoffes durch die modernen Augen Hollywoods zu verfolgen. Millionen von Muslimen in Katar, Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo ohnehin keine Kinos existieren, oder auch  Indonesien ist diese Chance jedoch verwehrt. „Noah“ ist dort verboten.

Film soll Lehre des Islam widersprechen

Bekannt wurde die Zensur in drei Staaten bereits Anfang März. Damals gab ein Vertreter von Paramount Pictures bekannt, dass Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate den Hollywood-Streifen nicht in ihren Kinos zu lassen würden. Gegen das 125 Millionen Dollar teure Werk existiert sogar eine Fatwa, erlassen vom Kairoer Institut Al-Azhar, der höchsten Autorität des sunnitischen Islam und ein Hauptzentrum der islamischen Lehre seit über einem Jahrtausend. Der Film, so die überall gleiche Argumentation, widerspräche den Lehren des Islam.

Das rigorose Vorgehen der Staaten zeugt jedoch von weitaus größeren Problemen. Zwar ist es richtig, dass jedwede Darstellung von Allahs Propheten historisch verpönt ist. Doch im Koran festgeschrieben ist diese Vorgehensweise nicht, weist der Hürriyet-Autor Mustafa Akyol auf einen wichtigen Interpretationsfehler hin. Der Koran erzähle die Geschichten der Propheten, wie Noah, Abraham oder Moses, aber er sage nie, sie sollten nicht abgebildet werden. Dass ein solches Verbot im frühen Islam aufkam, sei jedoch durchaus logisch. Die Religion sei auch eine Art „Schrei gegen den Götzendienst“ gewesen. Die Muslime fürchteten, dass jedes „Götzenbild“ des Propheten oder eines Menschen zur Götzenverehrungzu führen könnte. „Doch in der modernen Welt von heute, wo Götzendienst (zumindest in seiner klassischen Form) nicht das Problem ist, können Muslime auch entspannter hinsichtlich solcher Bilder sein“, so Akyol.

Noah keine islamische Exklusiv-Figur

Aber selbst wenn man an der traditionellen Sichtweise festhalten wolle, könnte man bei einem Film wie „Noah“ durchaus nachsichtiger sein. Denn: Noah ist ebenso wie Jesus oder Moses keine exklusive Figur des Islam. Noah, der im Buch Genesis die Arche baute, die seine Familie und viele Tiere vor einer großen Flut rettete, wird von Judentum, Christentum und Islam gleichermaßen verehrt. Überdies sei es kein Geheimnis, so der Autor, dass seit Jahrhunderten Bilder von Jesus in Kirchen in der ganzen muslimischen Welt gezeigt würden. Er fragt: „Wenn wir Muslime nicht von der Darstellung Jesus‘ durch Christen beleidigt werden, warum sollten wir also durch die Darstellung Noahs durch Hollywood beleidigt sein?“

Geht es also tatsächlich bloß um die Abbildung? Eher nicht. Vielmehr scheint die Darstellung der Figur im Film der eigentliche Grund für die Ablehnung. In der Tat hätten sich einige fundamentalistische Christen in den USA wegen der Widersprüche des Films zu  „biblischen Fakten“ gestört. In dieser Hinsicht gestört fühlen könnten sich also auch Muslime, die Widersprüche des Films mit „Fakten des Korans“ vorbrächten. Aber kritisieren und verbieten seien eben sehr verschiedene Dinge. Und genau das führe seiner Ansicht nach zum Kernproblem in der heutigen muslimischen Welt:

„Die Tendenz, alles (Filme, Bücher, Tweets, etc.), die dem Islam widersprechen, zu verbieten. Dieser Autoritarismus dient jedoch nicht dem Islam, wie seine Befürworter glauben. Es belässt Muslime uninformiert über die Außenwelt und primitiv in ihren Antworten. Um sich etwas mit Vernunft und Angemessenheit zu widersetzen, sollten sie in der Lage sein, zu wissen, wovon sie sprechen.“

Zuletzt schritt auch die Türkei ins Kinogeschehen ein. Aufgrund einer offenbar zu freizügigen Darstellung hat dort Lars von Triers jüngstes Werk „Nymph()maniac“ das Nachsehen. Für die zuständigen Behörden kam nicht einmal eine Freigabe ab 18 Jahren in Frage. In Deutschland können Zuschauer ab 16 Jahren den Film sehen (mehr hier).

Der Film feierte in den USA am 28. März Premiere.

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