Wegen Ukraine-Krise: Russlands Investitionen in Silicon Valley in Gefahr

Die aktuelle Ukraine-Krise wirkt sich negativ auf die Beziehungen zwischen dem Weißen Haus und dem Kreml aus. Leidtragend ist auch die amerikanisch-russische Technologie-Kooperation in Silicon Valley. Doch es besteht Hoffnung, dass dieser Zustand nicht lange andauern wird.

Die Situation in der Ukraine hat viele Tech-Investoren in den USA in Hab-Acht-Stellung versetzt. Die zuletzt florierenden Beziehungen des Silicon Valleys zu Russland scheinen eine Zäsur zu erfahren. Noch ist nicht klar, wie sich das politische Ränkespiel auf die wirtschaftlichen Verbindungen auswirken wird. Für einige ist jedoch klar, Einschnitte können nur von kurzer Dauer sein.

„Sicher ist, dass viele Investoren hier einen Schritt zurück gehen und beobachten, wie sich die Situation entwickeln wird“, zitiert der Ottawa Citizen Alexandra Johnson, die einen 100 Millionen Dollar Venture-Fonds namens DFJ VTP Aurora, einen Zweig der russischen Bank VTB in Menlo Park, Kalifornien, verwaltet.

Über Jahrzehnte hielten sich anspruchsvolle Wissenschaftler und Ingenieure von den Silicon Valley Venture-Kapitalisten und Marketing-Kennern fern. In den vergangenen Jahren hat sich das jedoch gewandelt. Mittlerweile strömen die Investitionen. Die Wende wurde nicht zuletzt von einem Besuch des damaligen russischen Präsident Dmitri Medwedew markiert, der sich im Jahr 2010 mit High-Tech-Führungskräften zusammensetzte. Russische Investoren, darunter der Milliardär Yuri Milner, der große Anteile an Facebook und Twitter besitzt, soll Johnson zufolge allein in den in den letzten drei Jahren zwei Milliarden Dollar in US-Tech-Unternehmen investiert haben.

Russland schürt Klima der Angst, USA kontert mit Sanktionen

Jetzt könnte sich der Wind aufgrund der Lage in der Ukraine aber erneut drehen. Silicon Valley-Unternehmer und Investoren fürchten negative wirtschaftliche Folgen der Krise. Russlands Übernahme der Krim, seine Truppenaufstockung in der Nähe der Grenze und nicht zuletzt seine Versuche, Verfassungsänderungen im Land zu erzwingen, erhöhen die politischen Spannungen mit dem Westen deutlich. US-Außenminister John Kerry wirft Russland vor, ein „Klima der Angst und der Einschüchterung zu schüren“. Als Konsequenz hat die Obama-Regierung bereits Vermögenswerte eingefroren und Visa von einigen russischen Beamten und ihren Mitarbeitern widerrufen.

Gerade letzteres bereitet im Silicon Valley Sorgen. Wirken sich die jüngsten Visa-Restriktionen künftig auf Geschäftsreisen aus? Wie steht es mit dem wissenschaftlichen Austausch? Und weiter: Wie werden sich die Wirtschaftssanktionen beim Dollarfluss zwischen Tech-Sektoren in beiden Ländern bemerkbar machen? Wie geht es für junge Startups und Ingenieure auf der Krim weiter? Werden sie ihre Firmen dicht machen, um zu kämpfen?

Russische Unternehmen gedeihen prächtig in Kalifornien

Derzeit gehen Experten davon aus, dass es nur zu einem zeitlich begrenzten Investitionsstau kommen wird. Auf lange Sicht sollten die  schnell wachsenden, lukrativen US-Geschäftsbeziehungen mit Russland keinen Schaden nehmen. Gerechnet wird mit einem zwei-bis dreimonatigen Aussetzung der zusätzlichen Investition von russischen Staatsfonds in Tech-Firmen. Dafür würden die russische Unternehmen in Silicon Valley einfach zu prächtig gedeihen. Selbst Tech-Riesen würden Anteile an russischen Startups kaufen. So beteiligte sich etwa Cisco im vergangenen Jahr am russischen Software-Entwickler Parallels und bekam einen Sitz im Aufsichtsrat. Mittlerweile gibt es sogar ein russisches Innovationszentrum. Mehr als 100 russische High-Tech-Firmen haben Niederlassungen in der Region Nord-Kalifornien, einschließlich der russischen Suchmaschine Yandex, die ehemalige Yahoo und Google-Ingenieure in ihrem Palo Alto Labor beschäftigt.

Dmitry Akhanov, Präsident der US-Tochter des russischen staatlichen Venture Fonds RUSNANO, bringt die momentane Situation wie folgt auf den Punkt:

„Politische Turbulenzen kann es geben, aber geschäftliche Verbindungen sind viel nachhaltiger, denn sie geschehen von Menschen zu Menschen, sie bauen Vertrauen auf. Die Diplomaten müssen sich beruhigen und über die unmittelbaren Folgen ihrer Entscheidungen nachdenken. Es ist sehr einfach, einer Wirtschaft zu schaden, aber viel schwerer sie wieder aufzubauen.“

Ähnlich zuversichtlich ist auch Oleg Slepov, der den Sitz der russischen Handelsvertretung in San Francisco leitet. Er sagt, dass er mit vielen US-Wirtschaftsführern in letzter Zeit gesprochen habe, die ihm sagten, dass sie keine Pläne hätten, in Russland zu schließen oder sich zu verkleinern. Slepov sagte, er sei sogar optimistisch, dass Geschäftsverbindungen helfen könnten, den Konflikt beizulegen.

„Die Interessen der russischen und amerikanischen Unternehmen sind heute so verflochten, dass dieser Umstand mittlerweile ein echter Faktor geworden ist, der zur Lockerung der Spannungen zwischen Russland und den USA beitragen wird.“

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